Herr Matt, Sie halten trotz Ihrer 7,7 Prozent im ersten Durchgang an Ihrer OB-Kandidatur fest. Was gibt Ihnen die Motivation und die Energie dafür?

Genau das gibt mir die Kraft und die Motivation. 7,7 Prozent, das sind annähernd 3.000 Konstanzerinnen und Konstanzer, die mir ihr Vertrauen gegeben haben. Das ist mein Ansporn.

Zur Person: Andreas Matt, geboren am 16. Februar 1967 in Freiburg/Breisgau, ist geschieden und Vater von zwei Töchtern. Der parteilose OB-Kandidat ist Diplom-Betriebswirt (FH) und verspricht seinen Wählern: „Ich werde alles dafür tun, Konstanz lebenswerter und liebenswerter zu machen.“
Zur Person: Andreas Matt, geboren am 16. Februar 1967 in Freiburg/Breisgau, ist geschieden und Vater von zwei Töchtern. Der parteilose OB-Kandidat ist Diplom-Betriebswirt (FH) und verspricht seinen Wählern: „Ich werde alles dafür tun, Konstanz lebenswerter und liebenswerter zu machen.“ | Bild: Lukas Ondreka

Was können Sie besser als die beiden anderen verbliebenen Kandidaten?

Das ist ganz klar die Art und Weise meiner Kommunikation. Ich bin ein sehr aufmerksamer Mensch, ich beobachte sehr viel, ich probiere sehr viel aus. Ich kann sehr gut zuhören, bin ein vielseitiger Typ, sehr idealistisch und sehr ausdauernd. Das unterscheidet mich von den beiden anderen. Das sehe ich übrigens ganz klar an meinem Wahlkampf-Alltag. Ich fahre zum Beispiel mein Kampagnen-Fahrrad selbst zu den Wochenmärkten, stehe dort von Anfang bis Ende selber, bin immer persönlich ansprechbar. Ich greife nicht auf ein Team zurück oder lasse mich vertreten. Das liegt in meinem Verständnis des Oberbürgermeisters-Amtes. Ich sage, das ist Handwerk und hat nichts mit Parteiideologie zu tun. Es orientiert sich jeden Tag an den neuen Aufgaben und Herausforderungen.

Mit Idealismus und Ausdauer allein kann man keinen Wahlkampf führen. Wer sind Ihre Unterstützer und was sind Sie diesem Netzwerk nach dem Wahltag schuldig?

Ich bin dem Netzwerk zu nichts verpflichtet. Als unabhängiger Kandidat habe ich meine 120 Unterstützer-Unterschriften ohne Unterstützung aus politischen Fraktionen und dergleichen erarbeitet. Ich habe Freunde und Bekannte, die mich schon viele Jahre kennen aus meiner Zeit in Konstanz, die meine Anpacker-Einstellung mit mir teilen und mich darin unterstützen. Ich bitte diese Freunde und Unterstützer nur um eines: Wenn sie von mir überzeugt sind, bitte ich sie, mit ihrer Familie, ihren Freunden, ihren Nachbarn, ihren Vereinsmitgliedern und Kollegen über mich zu sprechen und zu sagen: Schaut euch Andreas Matt an, das ist ein guter Typ, den werde ich wählen. Mehr fordere ich nicht, denn ich finanziere meinen Wahlkampf zu 100 Prozent aus eigenen Mitteln. Nur so werde ich meinem Ziel gerecht, allen Konstanzerinnen und Konstanzern gleich verpflichtet zu sein.

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Was bedeutet diese von Ihnen immer wieder betonte Unabhängigkeit für die tatsächliche politische Arbeit?

Zum einen habe ich sehr viel mehr Arbeit, um allein die Menschen zu überzeugen. Ich glaube, im ersten Wahlgang gab es sehr viele Reflexwähler, die sich am Schema links oder bürgerlich orientieren. Im zweiten Wahlgang wird sich jeder überlegen, ob er oder sie wirklich in eines dieser Lager will. Denn diese Lager werden jede politische Arbeit in Konstanz auf Jahre hinaus erschweren. Das Miteinander, das die beiden anderen Kandidaten auch für sich in Anspruch nehmen, kann bei den jetzt entstandenen Gräben doch gar nicht mehr funktionieren. Keiner der beiden kann doch noch mit dem ganzen Gemeinderat zusammenarbeiten. Also braucht es einen Oberbürgermeister, der fraktions- und parteiübergreifend arbeiten und auch mit allen Bürgerinnen und Bürgern sprechen kann.

Zuletzt haben Sie in Sachsen-Anhalt beim Wirtschaftsrat der CDU gearbeitet. Da haben Sie doch auch einer Partei gedient?

Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. ist ein eingetragener Verein und eine parteinahe Organisation. Er ist aber kein Organ der Partei und wird auch nicht von der Partei finanziert, sondern über Mitgliederbeiträge. Die Idee des Wirtschaftsrats ist es, Sachverstand aus der Wirtschaft in die politische Arbeit einzubringen. Gerade weil so wenige Unternehmer die Zeit haben, selbst ein politisches Amt oder Mandat in einem Parlament auszuüben. Ich bin also auch kein Lobbyist wie einer, der dafür sorgen will, dass man zum Beispiel weiter für irgendein Produkt werben darf. Das Spektrum des Wirtschaftsrats ist enorm breit und umfasst alle Branchen und Anliegen der Wirtschaft. Ich war, ich bin, ich werde nie ein Mitglied der CDU sein. Auch in keiner anderen Partei.

Was war Ihre Aufgabe beim Wirtschaftsrat und was haben Sie dort für ein Oberbürgermeister-Amt gelernt?

Als Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen-Anhalt war ich die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik. Ich habe die Arbeit unserer räumlich organisierten Sektionen und unserer thematisch arbeitenden Landesfachkommissionen koordiniert. Da habe ich viele Veranstaltungen, aber auch sehr viel Vernetzung organisiert. Einerseits in die Europa- und Bundespolitik sowie in die Landespolitik in Magdeburg, andererseits in die Politik vor Ort mit den Gemeinderäten, Bürgermeistern, Landräten. Da hatte ich einen sehr engen Bezug zur Kommunalpolitik. Da ging es immer um die Frage: Was ist wichtig für die kommunale Wirtschaft? Und das ging von Breitbandausbau über die Windkraft, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheitswirtschaft bis zur Landwirtschaft. Das hat mich auch bestärkt darin, mir ein Oberbürgermeister-Amt zuzutrauen.

Wir springen eine berufliche Station zurück. Vor Magdeburg waren Sie zwölf Jahre in der Türkei. Was haben Sie dort über Politik gelernt?

Ich habe mich mit der Innenpolitik wenig auseinandersetzt. Ich habe das immer verfolgt in diesen zwölf Jahren, aber ich meine, das muss ein Land für sich lösen. Ich war immer in der Rolle des Gastes. Ich habe mich immer willkommen gefühlt, auch in der Zeit, als es innenpolitisch immer schwieriger wurde, und auch nie unsicher.

Da geht es meinen Journalistenkollegen in der Türkei leider anders.

Ja. Wissen Sie, natürlich bin ich für Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Aber hier in Konstanz trete ich als Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters an, ich will ja nicht Außenminister der Bundesrepublik Deutschland werden. Das Thema Türkei, das sehr komplex ist, können wir gerne in einem separaten Interview besprechen.

Wenn Sie OB werden, machen wir das auf jeden Fall. Und wir kommen jetzt zurück nach Konstanz. Sie kämen als OB nicht umhin, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Wären Sie bereit zu Kürzungen der freiwilligen Leistungen im Bereich Sport und Kultur?

Da stehe ich im Moment keine Möglichkeiten, Mittel zu kürzen. Konstanz ist nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Wissenschafts- und Kulturstandort. Das wird mit guten Summen gefördert, aber ich halte das auch für richtig. Die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen, die Kultur leistet, ist wichtig. Neben den etablierten Einrichtungen müssen wir die freie Kultur unterstützen, da können wir noch mehr tun. Wir sollten Konstanz noch viel mehr als inspirierende Stadt vorstellen. Da kommt mir die Idee eines Künstlerstipendiums, bei dem jemand sechs Monate lang diese Inspiration nutzen kann und dann ein Ergebnis öffentlich vorstellt. Und zu den Vereinen: Auch die übernehmen eine extrem wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Denen können wir die Mittel auf keinen Fall kürzen.

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Also keine Kürzungen. Wo könnte Konstanz denn zusätzliche Einnahmen gewinnen? Welche Idee haben Sie als Mann der Wirtschaft?

Ich sehe die Zukunft von Konstanz absolut positiv. Das veränderte Freizeit- und Ferienverhalten wird dazu führen, dass Konstanz noch sehr viel stärker von Tagestouristen und Urlaubsgästen besucht wird. Auch der Ausbau der B33 wird und weitere Menschen in die Stadt bringen. Das ist gut für unseren Handel, für unsere Gastronomie und unseren Tourismus. Umso mehr brauchen wir eine verlässliche Verkehrsinfrastruktur, die haben wir im Moment nämlich nicht, und wir müssen das so hinbekommen, dass es nicht weiter zu Lasten der Konstanzerinnen und Konstanzer geht. Und dann haben wir zwei hervorragende Hochschulen, da müssen wir die gemeinsamen Initiativen mit der Wirtschaft sehr viel stärker beleben. In einer Zukunftswerkstatt Konstanz können wir die Zukunftsfelder gemeinsam bearbeiten, zum Beispiel Robotik, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, grüner Wasserstoff, Verhaltenspsychologie und Klimaschutz. Das wird auch neue Firmen nach Kontanz ziehen, da haben wir ein riesiges Potenzial. A propos grüner Wasserstoff: Ich bin sehr dafür, dass wir unsere Busflotte darauf ausrichten und nicht auf Batterietechnik mit ihrer teuren und immobilen Lade-Infrastruktur.

Was ist Ihr Plan, genügend Hallen und andere Trainingsmöglichkeiten für Vereinsmitglieder und Freizeitsportler und –schwimmer zur Verfügung zu stellen?

Eine hohe Priorität braucht der Sport- und Schwimmunterricht für unsere Schülerinnen und Schüler. Am Schwaketenbad finde ich es nach wie vor extrem ärgerlich, dass wegen einer besonderen Dachkonstruktion so viel Zeit verloren geht und so hohe Mehrkosten entstehen. Mir fehlt da eine verlässliche, vorausblickende Planung. Die weiteren Schritte sollten wir mit den Vereinen gemeinsam entwickeln. Die haben derzeit viele Herausforderungen, auch durch G8 zum Beispiel. Da dürfen wir dem Ehrenamt keine Steine in den Weg legen, sondern müssen aktiv Unterstützung leisten.

Zur Innenstadt haben Sie gesagt, Ihnen fehle die Qualität in der Stadt, auch bei den öffentlichen Räumen. Wenn Sie Oberbürgermeister wären, wo würden Sie als erstes etwas verbessern?

Ich habe ja einen eigenen Blickwinkel auf die Stadt – zwölf Jahre habe ich hier gelebt, dann war ich zwölf Jahre weg und in dieser Zeit ein regelmäßiger Besucher, und jetzt bin ich wieder hier. Da fällt mir auf: Was ist das für eine Willkommenskultur, wenn ich aus dem Bahnhof rauskomme? Was Privatleute an der Hafenstraße Tolles auf die Beine gestellt haben, das muss uns als Stadt doch allemal auch gelingen. Die Begegnungszone ist ein Chaos, da haben wir eine Gefahrenzone geschaffen. Wir haben tolle inhabergeführte Unternehmen, aber die stehen unter einem starken Druck von außen, der uns die Ketten hierher bringt. Und bei denen vermisse ich die Qualität. Wir sollten aus dem Scala-Thema doch gelernt haben. Aber was passiert? An die Marktstätte, an einer der prägnantesten Stellen von Konstanz, zieht Zalando mit einem Outlet ein. Um Qualität geht es aber auch bei zeitgemäßen Fahrrad-Abstellplätzen. Wir stellen unser Tor zum See mit Fahrrädern voll. Auch am Augustinerplatz können wir, da bin ich überzeugt, mit einfachen Mitteln mehr Aufenthaltsqualität schaffen. Leider waren wir ja nicht in der Lage, in einer Phase der historisch höchsten Steuereinnahmen die Stadt zu verschönern. Auch das hat zu dem Konflikt zwischen etlichen Konstanzer Bürgerinnen und Bürgern und dem Handel der Stadt beigetragen. Und da nehme ich auch Uli Burchardt in die Pflicht, er hat da zu wenig getan.

Was machen Sie, wenn Sie nicht zum Oberbürgermeister gewählt werden? Wie geht es dann mit Ihnen weiter?

Ich räume mein Wohnzimmer auf, das ist derzeit mein Kampagnenbüro. Das reicht mir auch, denn den eigentlichen Wahlkampf mache ich draußen bei den Bürgerinnen und Bürgern. Und darüber hinaus habe ich mir keine Gedanken gemacht. Weil ich nach wie vor davon ausgehe, am 18. Oktober der nächste Oberbürgermeister der Stadt Konstanz zu werden.

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