Er will die Welt ein bisschen besser machen, und eine „Spur des Segens“ hinterlassen. Tobias Walkling gehört neu dem Leitungsteam der Telefonseelsorge Schwarzwald-Bodensee an, die in Konstanz ihren Geschäftssitz hat. Der 46-Jährige ist auch evangelischer Pfarrer in der Konstanzer Studentengemeinde. Er hofft, aus dem Kreis der jungen Menschen, die mit den digitalen Medien aufgewachsen sind, Interessenten für eine neue Chatberatung zu gewinnen.

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Diese Seelsorge per Chat, also mithilfe eines digitalen schriftlichen Austauschs, soll die bisherigen Angebote ergänzen. Die meisten Hilfesuchenden wenden sich bisher telefonisch anonym an die Helfer. 2020, als das Coronavirus erstmals eine Rolle spielte, hatten 10.760 Menschen diesen Weg des Kontakts gewählt.

Einsamkeit, familiäre Beziehungen und Ängste

Nach dem Jahresbericht ging es vor allem um die Themen Einsamkeit, familiäre Beziehungen und Ängste. Das Thema Corona sei von knapp 13 Prozent der Anrufenden genannt worden. Fünf der 50 ehrenamtlichen Helfer wirkten auch in der Mailberatung. Nur sie biete bisher die Möglichkeit, mit einer Person über einen längeren Zeitraum Kontakt zu halten.

Die Telefonseelsorge reagiere auch darauf, dass sich das Ehrenamt und die Zeit, die jemand dafür aufwenden kann, veränderten, sagt Bernadette Augustyniak, die im Leitungsteam die katholische Seite vertritt. Die klassischen Ausbildungskurse zu einem festen Zeitpunkt gebe es nicht mehr: „Wir bilden nach Bedarf aus.“

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Wer sich für eine Ausbildung interessiere, bekomme die ersten Informationen per Telefon, es folge ein persönliches Gespräch und ein Wochenende mit langjährigen Ehrenamtlichen, die berichten, welche Erfahrungen sie gemacht haben. „Es zeigt sich dann, ob das der richtige Weg für einen ist.“ Als Richtwert gilt für einen ausgebildeten Helfer: 12 Stunden im Monat sollte er Dienste übernehmen.

Die Internetseite der Telefonseelsorge ist ebenfalls neu gestaltet. Das Logo macht deutlich, dass die Telefonseelsorge in der Religion zu Hause ist, wie Tobias Walkling auf Nachfragen sagt. Das Gelb darin stehe für katholisch, das Lila für evangelisch. Doch in der Praxis mache dies keinen Unterschied: „Jeder Helfer ist willkommen.“ Das sei ganz unabhängig von der Konfession.

Unterschiedliche Auswirkungen der Pandemie

Augustyniak stellt unterschiedliche Auswirkungen der Pandemie fest: Die einen hätten mehr arbeiten müssen, die anderen seien zum Nichtstun verdonnert worden. An die Telefonseelsorge hätten sich diejenigen gewandt, „die für sich und für diese neue Lebenssituation noch keine Strategie hatten“.

Oftmals habe sich jemand mit seinen Nöten aussprechen wollen: „Das darf man nicht unterschätzen. Es ist heute nicht selbstverständlich, dass Freunde zuhören“, sagt die Seelsorgerin. Weitere Informationen zur Telefonseelsorge gibt es unter: www.telefonseelsorge-schwarzwald-bodensee.de

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