Die Geschichte klingt so wild wie sie tragisch ist. Ein Metzgerlehrling bestellt im November 40 Kälber über die Website eines Tierhandels. Diese werden an einem verlassenen Hof in Dettingen angeliefert.

Die noch sehr jungen Kälber sind in solch schlechtem Zustand, dass viele gleich, nachdem der Transport von Dorfbewohnern entdeckt wurde, eingeschläfert werden müssen. Andere sterben wenige Tage später, die übrigen Tiere werden vom Veterinäramt an einen sicheren Ort gebracht.

Animal Pride beschließt gleich, die Tiere zu retten

Der Fall macht bundesweit Schlagzeilen. In Konstanz meldet sich die Organisation Animal Pride und sammelt Spenden, um die überlebenden Kälber vor dem Schlachthof zu retten. Im Februar begleiten die Aktivisten von Animal Pride elf Kälber auf einen Gnadenhof in Mengen, wo diese ihr Leben als Haus-, nicht als Nutztiere verbringen dürfen.

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Nun ist vor etwa zwei Wochen ein weiteres Kalb verendet. „Das Jungtier hatte extreme Probleme mit der Lunge“, berichtet Stefan Röck, Landwirt und Inhaber des Gnadenhofs, auf dem die Jungkühe gehalten werden. „Wir haben mehrmals den Tierarzt geholt, aber es war nicht mehr zu halten – irgendwann ist es vorbei.“ Das Immunsystem sei letztlich zu sehr geschwächt gewesen.

Bild: privat

Lungenprobleme hätten alle Kälber, die mit diesem Transport im Dezember 2019 nach Dettingen gebracht worden waren, sagt Stefan Röck. Die übrigen zehn Tiere hätten aber mehr Glück gehabt und seien deutlich stabiler. Er ist sehr optimistisch, dass sie alle durchkommen.

Altersgerechte Strafe für den jungen Käufer der Kälber

Neuigkeiten gibt es auch von der strafrechtlichen Seite des Falles: Die Verfahren lägen zwischenzeitlich dem Gericht vor, berichtet Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth, Pressesprecher des Amtsgerichts Konstanz, auf Anfrage.

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Gegen den jugendlichen Besteller der Kälber strebe die Staatsanwaltschaft eine altersspezifische Sanktionierung durch den Jugendrichter an. Details könne man, da es sich um einen Jugendfall handele, nicht mitteilen.

Spediteur und Tierhändler erwarten Geldstrafen

Gegen Händler, Spediteur und Fahrer sei jeweils ein Strafbefehl beantragt worden, was in der Regel die Verhängung von Geldstrafen nach sich ziehe. Da sie Verfahren noch nicht abgeschlossen seien, könne er noch nichts über die Höhe der Geldstrafen sagen, so Roth.

Die Mitglieder von Animal Pride reagierten sehr betroffen angesichts des Todes eines der Kälber und erinnerten mit einer Todesanzeige an dessen Schicksal. Einige Vertreter von Animal Pride besuchten daraufhin den Gnadenhof, um die anderen Kälber zu sehen.

Gnadenhof ist auf Spenden angewiesen

Landwirt Stefan Röck ist froh, dass solche Besuche nach der Corona-Phase nun wieder möglich seien. „Unser Hof lebt von Spenden“, sagt Stefan Röck, es sei sehr wichtig, dass die Mitglieder der Organisationen die Chance hätten, die Tiere zu besuchen.

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