Ab diesem Wochenende dürfen wieder Gottesdienste in Konstanz und Umgebung gefeiert werden – ohne Gesang der Gläubigen. Doch das ist nicht alles, es gibt weitere Hygieneauflagen: Der Mindestabstand zwischen den Besuchern muss eineinhalb Meter betragen, Desinfektionsmittel muss ausreichend vorhanden sein und Mundschutz beim Betreten und Verlassen der Kirchen getragen werden. So wollen es der Bund und das Land.

Erzbischof ist strenger als Kretschmann

Für die katholischen Kirchen gelten diese Regeln – und die des Erzbischofs. „Die kirchlichen Vorgaben sind strenger als die staatlichen. Die Kirche sagt: zwei Meter Abstand in alle Richtungen“, erklärt Pfarrer Thomas Mitzkus von der Pfarrei Konstanz-Petershausen. Deshalb finden die drei Gottesdienste am Wochenende alle in der Kirche St. Gebhard statt, der größten der Pfarrei.

Bild: Thomas Mitzkus

Ist das Angebot ausreichend?

Dort haben 65 Personen Platz. An einem Wochenende nähmen sonst rund 800 Gläubige der Pfarrei an Gottesdiensten teil, sagt Mitzkus. Unter den strengen Hygieneauflagen können an den drei Tagen rund 200 Menschen die Heilige Messe feiern. Er kann noch nicht ganz abschätzen, ob das Angebot ausreichend ist. „Es kann sein, dass wir Warteschlangen haben oder dass weniger als 65 Personen pro Gottesdienst zu uns kommen.“

Jemand abweisen zu müssen sei eine schlimme Vorstellung

Zur Not könne man, wenn viel zu viele Gläubige kämen, am Sonntagabend spontan einen weiteren Gottesdienst anbieten. „Wir müssen schauen, wie es Sinn hat. Schritt für Schritt“, sagt der katholische Pfarrer. Für die drei ersten Gottesdienste am Wochenende gab es eine Voranmeldung. Ein Drittel der Plätze sei für Spontane vorgehalten, die eventuell nichts von der Voranmeldung mitbekommen hätten.

Voranmelden: Ja, nein, beides

Nicht alle Gemeinden verfahren gleich. Die Messen der Pfarrei Wollmatingen-Allensbach beispielsweise sind ohne Voranmeldung. Gläubige finden die Informationen auf den Webseiten der Kirchen und Aushängen vor den Gotteshäusern. Ein Blick darauf lohnt sich.

Pfarrer Markus Beile in der evangelischen Lutherkirche.
Pfarrer Markus Beile in der evangelischen Lutherkirche. | Bild: Lutherkirche

Auch die evangelische Pfarrei in der Altstadt startet am Sonntag um 10 Uhr in der Lutherkirche wieder mit dem Gottesdienst. Pfarrer Markus Beile wird die Liturgie halten. Hinter ihm und dem Kirchenteam liegen ebenfalls Tage der Vorbereitung: Plätze kennzeichnen, Abstände messen, Desinfektionsmittel bereitstellen. 700 Menschen passen normalerweise in die Kirche. Nun dürfen maximal 70 Personen in das Gotteshaus. Vorher anmelden musste man sich nicht. „Wir haben 42 Einzelplätze, auf diesen dürfen Familien beieinander sitzen“, erklärt Markus Beile.

Kein Gesang bei der Kantate

Der Gesang fällt aus. „Was ein bisschen grotesk ist, da wir Kantate feiern. Kantate heißt ja ‚Singt!‘“, sagt Beile. Singen darf nur eine Person und das ist die Solistin Mechthild Bach von der Empore. „Ich freue mich. Ich bin auch voller Erwartung. Ich glaube, die Menschen haben sich die Gottesdienste sehr gewünscht“, sagt Pfarrer Beile und fügt hinzu: „Ich weiß, dass manche sich sorgen. Doch wir tun alles dafür, dass der Gottesdienst sorgenfrei abgehalten werden kann.“ Ordner würden bei der Platzwahl helfen und desinfizieren jedem Besucher am Eingang die Hände. Auch in Wollmatingen geht es wieder los. Im Gegensatz zur Lutherkirche muss man sich für die Gottesdienste in der Christuskirche telefonisch anmelden.

In Wollmatingen in der evangelischen Christuskirche ist schon alles hergerichtet. Foto: Christuskirche
In Wollmatingen in der evangelischen Christuskirche ist schon alles hergerichtet. Foto: Christuskirche | Bild: Christuskirche

Auf dieses Gesetz beruft sich die Synagogen-Gemeinde:

Ganz so schnell wie bei den christlichen Konfessionen will die Synagogen-Gemeinde das gemeinsame Gebet nicht vorantreiben. „Bei uns Juden gibt es ein Gesetz“, sagt Benjamin Nissenbaum, Vorsitzender der Gemeinde in Konstanz: „Gesundheit und Leben ist wichtiger als alles andere.“ Deshalb habe sich die Synagogen-Gemeinde entschieden, die Planungen für ein gemeinsames Gebet noch aufzuschieben.

Möglicherweise Öffnung Ende Mai

Wenn sich die Infiziertenzahlen weiter gut entwickelten, könne man über eine Öffnung der neuen Synagoge Ende Mai nachdenken. In Israel sei man sehr streng mit der Corona-Prävention, erklärt Benjamin Nissenbaum. „Der Wunsch nach einem gemeinsamem Gebet ist groß – aber die Vernunft ist größer“, ergänzt er.

Vorerst bleiben die Bänke leer: In der Synagoge soll es Anfang Mai noch keine gemeinsamen Gebete geben.
Vorerst bleiben die Bänke leer: In der Synagoge soll es Anfang Mai noch keine gemeinsamen Gebete geben. | Bild: Lukas Ondreka

Ein weiterer Grund, warum die Synagoge noch nicht für Gottesdienste genutzt wird, ist das Platzproblem. Sie bietet 120 Personen Platz, nach jetzigen Hygieneregeln könne man aber höchstens 15 Personen unterbringen. Möglicherweise sei dies in einigen Wochen einfacher lösbar.

Jüngere helfen Älteren beim Einkaufen

In der Zwischenzeit sei der Zusammenhalt unter den Gemeindemitgliedern aber gut: Die Jüngeren erledigten Einkäufe für Ältere, über verschiedene digitale Gruppen hielten die Gläubigen Kontakt zueinander.

Ähnlich zurückhaltend gehen die Konstanzer Muslime mit der Situation um. „Uns nützt die jetzige Verordnung, dass wir die Moschee wieder öffnen dürften, vorerst nichts“, sagt Abdullah Doksanoglu, Vorsitzender der muslimischen Gemeinde.

Bleibt vorerst geschlossen: Die Mevlana-Moschee in Konstanz.
Bleibt vorerst geschlossen: Die Mevlana-Moschee in Konstanz. | Bild: Wagner, Claudia

Ein gemeinsames Gebet finde im Islam „Schulter an Schulter“ statt, es gehört zwingend dazu, dass die Gläubigen nebeneinander stehen. „Wir haben schnell beschlossen, dass das so nicht klappt“, sagt Doksanoglu. Deshalb soll die Moschee vorerst weiter geschlossen bleiben.

Aushang an der Moschee: Hinweise für die muslimischen Gläubigen zu Zeiten der Corona-Krise.
Aushang an der Moschee: Hinweise für die muslimischen Gläubigen zu Zeiten der Corona-Krise. | Bild: Wagner, Claudia

Ramadan-Gebet undenkbar zu Corona-Zeiten

Wenn sie geöffnet werde, werde es drei Gebetszeiten geben: morgens, mittags und abends, das Nachtgebet werde wegfallen. Weitere Vorschriften seien das Tragen von Mundschutz und das Mitbringen des eigenen Gebetsteppichs.

Zentral für Muslime ist das Fest zur Beendigung des Ramadan, dieses Jahr am 24. Mai. „Das ist zu früh, bis dahin werden wir nicht gemeinsam beten können“, sagt Doksanoglu. Zu diesem Gebet kämen normalerweise 700 bis 800 Personen, undenkbar zu Corona-Zeiten. Abdullah Doksanoglu ist es wichtig, dass die Gemeindemitglieder geschützt bleiben. Ein Feiern des Ramadan-Fests im familiären Rahmen sei die bessere Alternative.