Natürlich gönnen die Stammkunden dem Friseur-Ehepaar Petra und Werner Schien den Ruhestand; vermissen werden sie die beiden trotzdem. Friseur Schien in Allmannsdorf war für sie immer die feste Adresse. Hier fühlten sie sich aufgehoben. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hören wir jetzt auf“, sagt Werner Schien.

„Im Oktober wären wir 50 Jahre selbständig“, sagt der 74-Jährige. Eine lange Zeit, welche die Eheleute jedoch nicht missen wollen. Zu sehr lieben sie ihren Beruf, zu sehr schätzen sie ihre treuen Stammkunden, mit denen sie sich verbunden fühlen, als dass ihnen der Abschied leichtfallen würde. Und doch: Petra Schien freut sich darauf, „die Freiheit genießen zu können“.

Seit 1989 in Allmannsdorf präsent

51 Jahre sind Petra und Werner Schien verheiratet und eröffneten vor knapp 50 Jahren ihr erstes Geschäft in Ulm. Der Litzelstetter Werner Schien wäre zwar gerne in der Heimat geblieben, aber: „Wir waren jung, wollten uns eine Existenz aufbauen, und mit unserer kleinen Tochter brauchten wir nicht nur einen Salon, sondern auch eine bezahlbare Wohnung.“ Und all das fanden sie in Ulm; auch diese Zeit wollen sie keinesfalls missen.

„Ein Kollege hat uns wieder an den See gelockt“, erzählt Werner Schien, der sofort freudig anfügt: „See und Fasnacht.“ Beides konnten Schiens mit der Übernahme des Friseurgeschäfts in Meersburg ab 1974 genießen. 1989 eröffneten sie dann zusätzlich einen Salon in Allmannsdorf. „Das war in der Mainaustraße 170. Seit 1996 sind wir am jetzigen Standort“, erklärt Schien.

Knapp 50 Jahre waren Petra und Werner Schien selbständig. Mit ihrem Friseursalon sind sie seit 1989 in Allmannsdorf präsent. Jetzt verarbschieden sie sich von ihrer treuen Stammkundschaft, um den Ruhestand zu genießen.
Knapp 50 Jahre waren Petra und Werner Schien selbständig. Mit ihrem Friseursalon sind sie seit 1989 in Allmannsdorf präsent. Jetzt verarbschieden sie sich von ihrer treuen Stammkundschaft, um den Ruhestand zu genießen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Engagement für den Berufsstand war Petra und Werner Schien immer wichtig. Zum einen hatten sie immer Freude daran, sich weiterzubilden, zum anderen brachen sie stets eine Lanze für ihren Handwerksberuf. „Lange war ich im Innungsvorstand Bodenseekreis in verschiedenen Positionen, denn mir war das Fortkommen für den gesamten Beruf immer wichtig“, sagt Werner Schien.

Der Beruf werde – gerade in Zeiten der sozialen Medien und des Do-it-yourself-Hypes – unterschätzt. Auch die Nachwuchsgewinnung sei ein großes Problem. „Der Personalmangel ist dramatisch“, sagt Werner Schien. „Das Problem beschäftigt uns seit mehr als zehn Jahren.“ Von knapp 30 Lehrlingen würden gerade einmal etwa zehn die Prüfung ablegen, schildert Schien.

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Petra Schien kann das nicht verstehen, denn sie schätzt den Beruf, verbunden mit dem lebenslangen Lernen. Immer wieder gebe es neue Trends, neue Techniken, neue Farben. „Da muss man am Ball bleiben, um erfolgreich zu sein“, sagt sie.

Wie ein englischer Starfriseur den Berufsstand neu prägte

Unvergesslich ist ihr die Zeit Ende 60er/Anfang 70er Jahre. Die große Veränderung – Schien spricht sogar von einer „Revolution“ – sei die Einführung der englischen Schnitttechnik gewesen, die von einem britischen Starfriseur entwickelt wurde und den Schnitt auch nach längerem Wachsen der Haare sichtbar hält. „Schneiden wurde lehrbar gemacht“, so Werner Schien, was gleichzeitig eine Aufwertung des Berufs mit sich gebracht habe.

„Man nimmt immer ein Stück weit Anteil an dem Leben anderer“

Das Arbeiten mit und an den Menschen zeichne den Friseurberuf ebenfalls aus. „Geburtstag, Hochzeit, Taufen, Erstkommunion – man nimmt immer ein Stück weit Anteil an dem Leben anderer“, das gefällt Tochter Katrin, die im elterlichen Betrieb gearbeitet hat, besonders.

Aber auch die 51-Jährige hört jetzt gemeinsam mit ihren Eltern auf. „Es ist für mich Zeit, etwas anderes, etwas Neues zu machen“, sagt Katrin Schien. Einen konkreten Plan hat sie noch nicht. Falls die Umorientierung nicht gelingen sollte: „Der Weg zurück ist kein Problem“, ist sie überzeugt.

Eine Frisur für Königin Silvia

Viel erlebt hat die Familie Schien im Laufe der Jahrzehnte. Unvergesslich ist Petra Schien, dass sie einmal Königin Silvia von Schweden auf der Mainau frisieren durfte. Mit der Mainau hatten sie ohnehin ein enges Verhältnis, denn das Ehepaar wirkte bei der Hofnarrenzunft Mainauer Paradiesvögel viele Jahre lang hinter den Kulissen und war für Frisuren und Maske zuständig.

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Hart waren die Corona-Pandemie und der Lockdown. „Schließung von heute auf morgen, März und April Kurzarbeit, sechs Wochen haben wir zu gehabt und dann beim Wiederstart richtig hingelangt“, skizziert Werner Schien in kurzen Worten. „Wir waren sehr eingeschränkt durch die Verordnungen. Den ganzen Tag mit Mundschutz zu arbeiten, ist brutal“, sagt Petra Schien.

Dankbarkeit für die Kunden

Beide sind ihren Kunden dankbar, weil sie für alle Einschränkungen sehr viel Verständnis entgegengebracht hätten. Überrascht waren die Schiens ob der großen Nachfrage zur Wiederöffnung. „Es war ein Run“, so Werner Schien, der den Eindruck hat, dass jetzt Friseure wieder gefragter sind.

Mit den renommierten Friseursalons der Familie Schien in Konstanz und Meersburg geht es weiter. Beide Betriebe werden von Mitarbeiterinnen übernommen.

„Ein Glücksfall“, freut sich Werner Schien über den fließenden Übergang. Dabei denkt er vor allem an die etwa 90 Prozent Stammkunden, die sich nicht oder zumindest nur kaum umstellen müssten. Eben jenen ist er nämlich dankbar, denn: „Treue Kunden sind eine hohe Anerkennung.“

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