Die neue Vorsitzende des Stadtseniorenrats sagt, sie wolle weg vom Denken, ein Senior sei alt und krank und nur mehr zum Entenfüttern im Stadtgarten unterwegs. Vielmehr handle es sich um erfahrene Menschen. Deren Stimmen sollten von den Jüngeren gehört werden: „Wir können voneinander lernen.“ Ältere Menschen seien Mit- und keine Gegenspieler. „Wir wollen gemeinsam diese Stadt voranbringen.“ Der Stadtseniorenrat biete seine Expertise an.

Das neu zusammengesetzte Gremium würde sich wünschen, automatisch bei Entscheidungen wie zum Seniorentaxi angefragt zu werden. Vor der Weihnachtspause war im Gemeinderat eine Fahralternative für ältere Menschen beschlossen worden, die ansonsten den Bus nutzen würden.

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Um sie vor dem Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, soll ab Mitte Januar ein Taxi entlang der Linien des Stadtbusses fahren und nicht mehr kosten als eine normale Busfahrt. Irene Heiland begrüßt das Angebot, möchte aber noch einige Fragen geklärt wissen. Sie bedauert, dass die Seniorenvertretung nicht gleich in dieser Sache angefragt worden sei.

„Nun gehen wir in Massen in den Ruhestand“

Eines der zentralen Anliegen des neu zusammengesetzten Gremiums sei die Mitwirkung am Handlungsprogramm Pflege der Stadt Konstanz. Der Seniorenrat sei deswegen schon angesprochen worden. Irene Heiland weiß, dass ihre Generation zur Masse der Menschen gehört, die Kindergärten, Schulen und Arbeitsplätze füllte. „Nun gehen wir in Massen in den Ruhestand.“

Viele hätten keine Familie mehr im Rücken, die im Alter einspringen könne. Es sei im wirtschaftlichen Interesse einer Kommune, Bedingungen zu schaffen, die es den alternden Menschen ermöglicht, lange zu Hause zu bleiben und keinen der raren Pflegeplätze zu belegen.

In Konstanz entstehen neue Pflegeheime, doch die Plätze bleiben knapp. Hier ist die Visualisierung des Neubaus der Caritas an der Stelle der früheren Schule Zoffingen zu sehen. Der Stadtseniorenrat hat Heime im Blick, will aber auch, dass alte Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können.
In Konstanz entstehen neue Pflegeheime, doch die Plätze bleiben knapp. Hier ist die Visualisierung des Neubaus der Caritas an der Stelle der früheren Schule Zoffingen zu sehen. Der Stadtseniorenrat hat Heime im Blick, will aber auch, dass alte Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können. | Bild: Caritas Konstanz / Arge Pflegeheim Zoffingen

Es sei unsinnig, jetzt massenweise Pflegebetten zu schaffen, die später, wenn der Pillenknick seine Folgen zeigt, gar nicht mehr nötig seien, sagt Irene Heiland. Es gelte klügere Konzepte zu verfolgen. Das gemeinschaftliche Wohnen gehöre ebenso zu den sinnvollen Modellen wie nachbarschaftliche Hilfen.

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In der Pandemie habe sich gezeigt, wie groß die Bereitschaft in der Bürgerschaft sei, älteren Menschen unter die Arme zu greifen. Viele hätten sich gemeldet, um das Einkaufen und andere Gänge zu übernehmen.

„Wir brauchen physisch jemanden, der ansprechbar ist“

Die Menschen im Alter über 60 Jahre seien zudem gefordert, jetzt dafür zu sorgen, dass sie als Hochbetagte noch in der eigenen Wohnung bleiben können. Sie könnten dies mit Umbauten erreichen, aber auch durch Aufbau der persönlichen Fitness. Neben den individuellen Vorstößen sei eine zentrale Anlaufstelle für Fragen des Alterns nötig, am besten in jedem Stadtteil. „Wir brauchen physisch jemanden, der ansprechbar ist.“

Irene Heiland plädiert dafür, das Alter neu zu denken und Prozesse wie den Wegzug vom Land zu hinterfragen. Es lohne, sich Gedanken zu machen, wie Dörfer als Gemeinschaften weiter bestehen können und so den Zug der Senioren in städtische Regionen wie Konstanz abzuschwächen.

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Viele ältere Menschen sehen derzeit auf dem Land wenig Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Doch ein Dorf und seine Gemeinschaft blieben nur dann stabil, wenn es Angebote für Jung und Alt gebe. So sei beispielsweise der Arzt vor Ort ein Schlüssel für das Weiterbestehen einer Dorfgemeinschaft.

„Das ist keine One-woman-Show“

Für Heiland ist der Stadtseniorenrat, den manche im Gemeinderat für überflüssig halten, genau das richtige Gremium, um sich zu engagieren. Er sei überparteilich und überkonfessionell. Hier müsse sie keine Rücksicht auf Positionen der Parteien nehmen. Sie sagt, die Seniorenorganisation sei nur so stark wie alle Mitglieder gemeinsam: „Das ist keine One-woman-Show.“

Alle Mitglieder im neuen Stadtseniorenrat seien hochmotiviert, und sie seien sofort bereit gewesen, Aufgaben zu übernehmen. Sie freue sich, dass die ersten drei Plätze an Frauen gingen. „Das ist ein Signal in Konstanz.“

Als Stimmkönigin und neue Vorsitzende wolle sie ihren ehrenamtlichen Einsatz und das Private klar trennen und deshalb auf das Büro im Seniorenzentrum zurückgreifen. Dieses teilt sich der Stadtseniorenrat mit dem Altenhilfeverein, der es bislang quasi allein nutzte. Der Raum am Rande der Altstadt solle nun bis Mitte Januar zur „Schaltzentrale“ der Seniorenvertretung werden.

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