Digital ist Luigi Pantisano vorgeprescht. Im Wahlkampf zum Konstanzer Oberbürgermeister hat er die sozialen Medien als erster von aktuell sechs Bewerbern intensiv beackert. Der 40-Jährige verlagert zudem – zwangsläufig – Veranstaltungen ins Internet und lud beispielsweise zum Video-Talk mit mehr oder weniger bekannten Konstanzer Persönlichkeiten ein.

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Dazu veranstaltet er regelmäßig Gespräche in Privatgärten mit bis zu 20 Teilnehmern, auf die man sich bewerben kann.

Einer größeren Besucherzahl präsentierte er sich zum Start seiner Kampagne im Konzil. Während im oberen Saal ein Abi-Ball stieg, lud Pantisano etwa 100 Gäste nach unten. Weil das die corona-bedingte Grenze ist, wurde die Veranstaltung via YouTube übertragen. Es sollte ein Abend unter Freunden jenseits von Kritik an den Ideen des Kandidaten werden, der von Linken und Grünen unterstützt wird.

Ein Abend unter Freunden – und ohne Kritiker: Unter den Gästen bei Luigi Pantisano waren auch (im Vordergrund von links) Filmemacher und Unterstützer Douglas Wolfsperger sowie die Konstanzer Stadträte Anne Mühlhäußer (Freie Grüne Liste) und Holger Reile (Linke Liste).
Ein Abend unter Freunden – und ohne Kritiker: Unter den Gästen bei Luigi Pantisano waren auch (im Vordergrund von links) Filmemacher und Unterstützer Douglas Wolfsperger sowie die Konstanzer Stadträte Anne Mühlhäußer (Freie Grüne Liste) und Holger Reile (Linke Liste). | Bild: Scherrer, Aurelia

Vorab – und weil sich der Abend im Konzil daran anlehnte – lohnt ein Rückblick: Als der Gemeinderat mit knappster Mehrheit ablehnte, Konstanz bis 2030 zu einer klimapositiven Stadt entwickeln zu wollen, hieß es Augenblicke später auf Luigi Pantisanos Facebook-Seite, dass die 20:21-Entscheidung „mit der Stimme des Oberbürgermeisters Uli Burchardt„ gefallen ist.

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Minuten danach veröffentlichte der 40-Jährige eine bearbeitete Version, in der aus der Stimme des Amtsinhabers die „entscheidende“ wurde. Er selbst würde als OB „ganz klar für ein klimapositives Konstanz im Jahr 2030 stimmen“.

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Wie bei der Veranstaltung im Konzil werden auch via Facebook vornehmlich Freunde erreicht – der Algorithmus macht‘s möglich. So musste sich Pantisano auch nicht die Frage gefallen lassen: Ist denn nicht jede andere Stimme im Gemeinderat gleich viel wert?

„Burchardt hätte nicht abstimmen müssen“

Nach dem offiziellen Programm wird er gegenüber dem SÜDKURIER sagen: Burchardts Stimme sei deshalb entscheidend gewesen, weil sie eine Patt-Situation aufhob.

Luigi Pantisano im Konzil in Konstanz bei der Vorstellung seiner Ideen.
Luigi Pantisano im Konzil in Konstanz bei der Vorstellung seiner Ideen. | Bild: Scherrer, Aurelia

„Er hätte nicht abstimmen müssen“, erklärt Pantisano. Sein Plan, sollte er gewählt werden: Einfach nochmal über ein klimapositives Konstanz 2030 entscheiden lassen. Die Gemeindeordnung ermöglicht eine neuerliche Abstimmung eines Themas nach sechs Monaten.

„Das wäre nur richtig,“, sagt Pantisano auf Nachfrage der Redaktion, „denn es behandelt eine Richtungsentscheidung für Konstanz.“

Klimaforscherin soll Argumente liefern

Die wissenschaftlichen Argumente für ein klimapositives Konstanz in zehn Jahren sollte Maike Sippel liefern. Die Professorin an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung forscht unter anderem zu Energie- und Klimaschutzstrategien und wirkte an einem Konzept für dieses Ziel mit.

Maike Sippel, Professorin an der HTWG und Klimaforscherin spricht beim Wahlkampfauftakt von Luigi Pantisano zum Thema „Konstanz klimapositiv 2030“.
Maike Sippel, Professorin an der HTWG und Klimaforscherin spricht beim Wahlkampfauftakt von Luigi Pantisano zum Thema „Konstanz klimapositiv 2030“. | Bild: Scherrer, Aurelia

Die Klimawissenschaftlerin zeichnete im Konzil ein düsteres Bild, was passiere, wenn sich unser Verhalten nicht ändere. Die Erderwärmung ist jetzt schon so deutlich, dass wir die Auswirkungen spüren: Baumschneisen im Lorettowald, Brände auch in Deutschland.

Forscherin Sippel: Die Klimakrise wird schlimmer als Corona-Krise

„Hitzesommer wie 2018 werden eher die Normalität“, sagte Sippel, die sich auch für Scientists for Future engagiert. Bis zum Ende des Jahrhunderts drohten auf der südlichen Halbkugel der Erde „regelrechte Todeszonen“, in denen nicht gelebt werden könnte.

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Eine Folge: Flüchtlingsströme, die weit über jenen seit 2015 hinausreichten. Die Krise, die uns bevorstehen könnte, wäre um ein vielfaches größer als die durch das Coronavirus verursachte.

Städtische Klimapolitik müsse „Chefsache“ werden

Für die Konstanzer Klimaforscherin müsste die Klimapolitik der Stadt daher „zur Chefsache“ werden, „und das ist ja irgendwie auch der Oberbürgermeister“, schloss Maike Sippel.

Dass sie – und mit ihr die Sympathisanten von Luigi Pantisano im Saal und in den sozialen Netzwerken – bereits wissen, wer das sein soll, ist klar. Für den derzeitigen Stuttgarter Stadtrat, der am Dienstag 41 Jahre alt wird, dürfte spannender werden, wie er jene überzeugen will, die er nicht bereits auf seiner Seite weiß – digital wie analog.

Nach der Auftaktveranstaltung kam OB-Kandidat Luigi Pantisano vor dem Konzil mit interessierten Besuchern ins Gespräch.
Nach der Auftaktveranstaltung kam OB-Kandidat Luigi Pantisano vor dem Konzil mit interessierten Besuchern ins Gespräch. | Bild: Scherrer, Aurelia

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