Konstanz Burkiniverbot in Konstanzer Bädern sorgt für hitzige Diskussionen

Die Forderung einer Konstanzerin, mit einem Ganzkörper-Badeanzug im Hallenbad zu schwimmen, beschäftigt nun auch überregionale Medien. Nach der Berichterstattung im SÜDKURIER haben die Deutsche Presseagentur (dpa), Focus Online und die Südwest Presse das Thema aufgegriffen. Auf SÜDKURIER Online und den zugehörigen Facebook-Präsenzen wird der Burkini von Lesern kontrovers diskutiert.

Das Burkiniverbot in Konstanzer Bädern erregt die Aufmerksamkeit der überregionalen Medien. Das Nachrichtenportal Focus Online und die Deutsche Presseagentur (dpa) haben die Debatte aufgegriffen.

Unter den SÜDKURIER-Lesern hat das Thema eine hitzige Debatte ausgelöst. Ist ein Burkiniverbot in Konstanzer Bädern angemessen oder überzogen? Auf Facebook wurde der Artikel über die Muslima, die fürs Baden im Burkini kämpft, über 130 mal kommentiert und mehr als ein Dutzend mal geteilt. Ela B. (Name von der Redaktion geändert) war im Sommer vergangenen Jahres der Eintritt ins Hallenbad verwehrt worden, weil sie zum Baden einen Burkini tragen wollte. Mit dem Ganzkörper-Badeanzug würde die gläubige Muslima ihre Haare und den gesamten Körper verhüllen. Die Badeordnung in den städtischen Bädern sieht jedoch das Tragen "üblicher Badekleidung" vor, zu der keine Ganzkörperkleidung gehöre. Nun hat Ela B. den Entwurf einer Klageschrift an die Stadt geschickt.

Auf Facebook und auf SÜDKURIER Online sind die Menschen geteilter Meinung. Einige Leser des SÜDKURIER-Artikels scheinen sich von der Forderung der Muslima nahezu bedroht zu fühlen. "Wenn es so weitergeht sind wir Fremde im eigenen Land, ich hoffe, dass die Klage abgeschmettert wird", schreibt Oliver Schmidt bei der SÜDKURIER-Präsenz auf Facebook. Ein anderer Nutzer mit dem Namen "Man Sla" schreibt: "Sorry, aber mit T-Shirt darf ich auch nicht ins Wasser, also wenn es ihr nicht passt, sollte sie doch in ein Land ziehen, wo es erlaubt ist.
Was müssen wir eigentlich noch alles für Ausländer ändern in unserem Land? Komischerweise sind es immer die Muslime, die alles in unserem Land geändert haben wollen."

Gordon Hügel schreibt auf SÜDKURIER Online: "Der Burkini ist eine große Peinlichkeit. Das fängt schon beim Wort an, das aus Burka und Bikini zusammengefügt ist. Die Burka soll den weiblichen Körper total verhüllen, nicht aus Achtung, sondern aus Verachtung für ihn."

Hygiene oder Hysterie?

Dem entgegnet Andreas Kopatsch: "Es braucht keinen Burkini, um sich im Schwimmbad lächerlich zu machen. Das schaffen viele auch mit ,normaler' Badebekleidung." Auch bei Facebook erhält die Konstanzerin von verschiedenen Lesern Zuspruch: "Eben weil wir in Deutschland sind, gehört es nicht verboten. Wir leben in einem Land, in dem Religionsfreiheit herrscht", schreibt Stephanie Mitterer.



"Soll doch jeder anziehen was er will und in dem er sich wohl fühlt", stimmt eine Nutzerin mit dem Namen Stephanie Sunshine der Muslima zu. "Ich glaube kaum, dass sich jemand in seinem Urlaub anpasst und einen Burkini trägt anstelle eines Bikinis oder Badeanzugs. Die Türkei ist das gastfreundlichste Land in dem ich bisher Urlaub gemacht habe", so Stephanie Sunshine. Und auch der Facebooknutzer Peter Von Der Osten bezieht sich auf das deutsche Gesetz: " Die Gleichberechtigung in Deutschland trat am 1. Juli 1958 in Kraft. Da brauchen wir nicht auf andere Kulturen herabschauen, die noch nicht so weit sind. Das gehört zu der freien Entfaltung der Persönlichkeit, sich so zu kleiden wie man es mag. Ein Bukini verstößt nicht gegen die guten Sitten. Da gibt es weitaus schamlosere Badebekleidung."



Der Facebooknutzer Pat Riot befürchtet gesundheitliche Konsequenzen: "Hygienisch wäre es falsch, sowas zu erlauben. Es geht einfach nicht." Daniela Degele versucht, die Vergleiche mit T-Shirts und Jeans abzuwehren: "So' n Ding ist genauso aus Elastan, wie auch deine Badehose. Also warum sollte es denn nicht erlaubt sein?"



"Schade, dass Konstanz es immer wieder schafft, mit solchen Artikeln in die Presse zu kommen", bedauert Andreas Kopatsch auf SÜDKURIER Online. Er schreibt: "Die Erfindung des Burkini war für viele Muslima in anderen Ländern ein Stück mehr Freiheit. Das BVG-Urteil spricht für sich. Andere Städte wie Berlin und Frankfurt sind toleranter, dort ist das Tragen eines Burkini in den Badeanstalten gestattet." Kopatsch stellt folgende These auf: "Vielleicht haben die Bäder in Konstanz auch nur Angst davor, andere zahlungskräftige Kunden zu verlieren, die schon früher gegen Minarette gestimmt haben."

Manche SÜDKURIER-Leser nehmen es mit Humor

Andere Kommentatoren scheinen die hitzige Diskussion mit Humor abkühlen zu wollen: "Die Erlaubnis des Ganzkörperbadeanzuges würde zweifellos zur Attraktivität der öffentlichen Bäder beitragen und den Betrieb lebhafter gestalten. Und mich einmal wieder ins Schwimmbad locken", schreibt Fritz W. Menke auf SÜDKURIER Online. Und Sascha Buchholz tippt: "Ein echter Konstanzer geht sowieso in den See", schreibt er. Damit wird die Debatte aber wohl nicht so schnell beendet werden.
Brisanz erhält das Thema auch deshalb, weil nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom September 2013 muslimische Schülerinnen keinen Anspruch auf die Befreiung vom gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen haben. Das Gericht begründet dies damit, dass die Schülerinnen entsprechende Schwimmkleidung tragen könnten, die zur Wahrung der muslimischen Bekleidungsschriften entwickelt wurden. Dies ist der Burkini. In anderen Bäderbetrieben, wie in Frankfurt und Berlin, ist das Tragen des Burkinis erlaubt.

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