Reginald Rudd ist mehr als zufrieden. Sein sechs- bis siebenköpfiges ehrenamtliches Team steht seit einem Jahr jeden Samstag pünktlich um 9 Uhr im Hockgraben für den Parkrun parat. „Wir stemmen alles selbst. Es gibt immer jemanden, der die Laufleitung übernimmt, und Helfer unter anderem für die Zeitnahme, Zielmarkenausgabe und als Streckenposten.“

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Niemand kann Letzter werden

Nicht zu vergessen die Schlussbegleitung! „Denn die Idee hinter Parkrun ist ja, dass jeder mitlaufen kann, und zwar in dem Tempo, wie er es schafft“, erklärt Rudd. Parkrun heiße auch, dass niemand als Letzter ins Ziel kommen soll. Deshalb sei einer der Organisatoren immer hinten mit dabei und passe sich dem Tempo an.

An diesem Sommersamstag übernimmt Anna-Brit Scharper diese Rolle und begleitet Katja Keßler mit ihrer Tochter Lotte ins Ziel, wo sie von den anderen mit großem Jubel empfangen werden. Rudd: „Man kann joggen, walken oder auch spazieren gehen“ – hinter der Parkrun Idee steht kein Leistungsgedanke, sondern die Gemeinschaft. Meine einzige Konkurrenz bin, wenn überhaupt, nur ich selbst!“

Video: Aline Gizzi

Reginald Rudd kennt das Konzept aus seinem Heimatland England und wollte es unbedingt hier in Konstanz etablieren. Gemeinsam mit einer Bekannten testete er unterschiedliche Routen und bekam im August 2021 die Genehmigung für die Fünf-Kilometer-Strecke im Hockgraben als offiziell anerkannte Parkrun-Tour. Nun feiert Parkrun in Konstanz den ersten Geburtstag.

Zeitgleich auf der ganzen Welt

„Das Gute ist: Man muss sich bei Parkrun nur einmal registrieren und kann fortan immer spontan kommen, und zwar auf der ganzen Welt, immer Ortszeit samstags 9 Uhr“, erklärt Rudd. In manchen Städten gebe es auch mehrere Laufstrecken.

Teresia Gromann (rosa Shirt) mag die schöne Atmosphäre beim Parkrun.
Teresia Gromann (rosa Shirt) mag die schöne Atmosphäre beim Parkrun. | Bild: Jana Mantel

„Wir haben mal nachgerechnet, im letzten Jahr waren hier in Konstanz insgesamt 300 Läufer mindestens einmal da. Und es kommen immer wieder neue Menschen dazu, heute sind es mindestens drei.“ In der Regel laufen oder gehen jeden Samstag 15 bis 20 Freizeitsportler mit, und zwar von jung bis alt.

Viele Läufer nutzen die festgesteckte Fünf-Kilometer-Strecke mit Zeitmessung auch als Training und um sich selbst zu verbessern. Zu ihnen gehört Emil Hetz, der erst seit Kurzem wieder in Konstanz lebt und nun zum ersten Mal dabei ist. Er mag das positive Lebensgefühl, das er nach einem Lauf verspürt, und kommt als Erster ins Ziel.

Von Singapur nach Konstanz

Kurz darauf folgt der in der Schweiz lebende Österreicher Sebastian Ebenhoch: „Ich war beruflich in Singapur und habe das Konzept Parkrun entdeckt. Als ich zurück in St. Gallen war, habe ich sofort nachgeschaut, wo es hier am See einen Parkrun gibt. Und bin heute Morgen extra für den Lauf hierher nach Konstanz gekommen.“ Er liebt die positive Atmosphäre bei den samstäglichen Lauftreffs und mag es, dass man sich auch gegenseitig motiviert.

Sebastian Ebenhoch kam extra aus St. Gallen, um beim Parkrun mitzulaufen.
Sebastian Ebenhoch kam extra aus St. Gallen, um beim Parkrun mitzulaufen. | Bild: Jana Mantel

Aline Gizzi gehört seit Beginn zum Team des Parkruns und erklärt: „Dieser Lauftreff ist eine wunderbare freiwillige Plattform für Läufer, und zwar ganz egal, auf welchem Fitnesslevel sie gerade sind. Hier kann man in lockerer Atmosphäre andere Laufbegeisterte kennenlernen, denn die meisten laufen ja doch oft allein.“

Die Strecke könne von jedem bewältigt werden, egal in welchem Tempo. Da sie weder Treppen noch eine starke Steigung hat, sei sie zudem auch integrativ. „Laufen macht glücklich“, sagt Gizzi, „und das Beste ist doch, wenn man Glück teilen kann!“

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Initiator Rudd läuft, wenn er gerade keinen Dienst hat, auch mit: „Wir Engländer haben irgendwie ein Wettkampfgen in uns drin, glaube ich.“ Dieses Gen scheint auch seine Enkelin Clara Storz in sich zu tragen. Die Elfjährige ist regelmäßig dabei und hat sich das Ziel gesetzt, ihre eigene Zeit zu verbessern. „Am Anfang dachte ich, ich mache das nie wieder, aber nun bin ich doch immer wieder und gern dabei“, erzählt sie stolz.

Peter Grinda läuft regelmäßig mit seinem Hund mit.
Peter Grinda läuft regelmäßig mit seinem Hund mit. | Bild: Jana Mantel

Stolz ist auch der 78-jährige Peter Grinda, der seit einem Jahr mit seinem Hund Milas zum Parkrun kommt. „Ich laufe schon seit Jahrzehnten“, so Grinda, „man fühlt sich super dabei, und hinterher ist es ein ganz großartiges Gefühl.“

Mit einem leichten Gefühl nach Hause

Auch Teresia Großmann läuft regelmäßig mit: „So früh am Morgen hat man dann das Gefühl, schon ganz viel gemacht zu haben, das fühlt sich super an!“ Das bestätigt Heike Görlitz, die an diesem ersten Parkrun-Geburtstag die Zeiten der Teilnehmer nimmt: „Ich gehe immer mit einem leichten Gefühl nach Hause!“

Seit acht Wochen ist Andrea Koeder im Kernteam dabei. „Ich bin durch Zufall zur Gruppe gekommen. Mein erster Lauf war an Fastnacht kostümiert“, so Koeder, die je nach Lust und Laune joggt oder walkt.

Auf die Plätze, fertig, los. Die Parkrun-Strecke ist exakt fünf Kilometer lang.
Auf die Plätze, fertig, los. Die Parkrun-Strecke ist exakt fünf Kilometer lang. | Bild: Jana Mantel

Egal auf welche Art man es ins Ziel schafft, eine herzliche Begrüßung und Anfeuerungsrufe der anderen auf den letzten Metern sind jedem sicher, bis zum letzten Läufer mit der Schlussbegleitung.

Wenn dann alle erschöpft und verschwitzt, mit einem Strahlen im erhitzten Gesicht und ihrem Becher Wasser in der einen und Obst in der anderen Hand im Zielbereich beisammenstehen, spürt man diesen ganz besonderen Parkrun-Geist. „Jeder wie er kann und mag“, sagt Reginald Rudd, „Hauptsache, man ist dabei!“

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