Als sie dieses Mal den Briefkasten leert, will Jasmin Schneider am liebsten den Brief gar nicht mehr aufmachen. Sie hat Angst vor schlechten Nachrichten und erhofft sich keine guten mehr.

Dann öffnet sie den Brief doch. Es ist ein Änderungsbescheid vom Jobcenter. Die Summe, die ihr monatlich an Unterstützung zustehen soll, liegt jetzt bei 1034 Euro. Zuvor hatte ihr das Jobcenter mitgeteilt, dass sie 171 Euro bekommen solle.

Es überwiegt die Wut

Jasmin Schneider freut sich. Aber wenn sie ehrlich ist, überwiegt die Wut. Sie versteht das Vorgehen des Amtes nicht. „Hätte ich das Geld, das mir zusteht, von Beginn an gehabt, hätte ich mir vieles ersparen können“, sagt Jasmin Schneider.

Die vielen Zweifel daran, dass sie über die Runden kommen werde. Die schlaflosen Nächte. Das Nachdenken darüber, von wem sie sich noch Geld leihen könnte.

Vermutlich ein Berechnungsfehler

Der Berechnungsfehler sei vermutlich entstanden, weil ihr Mann als Grenzgänger sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland Steuern zahlen müsse. Das deutsche Finanzamt ziehe diese direkt vom Lohn ab, dies sei aber bei der ersten Berechnung nicht berücksichtigt worden. Daher sei sein Netto-Einkommen höher eingeschätzt worden als es tatsächlich ist, so zumindest die Vermutung Schneiders. Folglich steht ihr nun auch mehr Geld zu, da beide vom Jobcenter als Bedarfsgemeinschaft gesehen werden.

Warum hat das alles vier Monate gedauert?

Nach wie vor versteht Schneider die Diskrepanz nicht: Warum hat die Bundesregierung so häufig betont, in der Krise würde schnell und unbürokratisch geholfen? Und warum hat es vier Monate gedauert, bis sie vom Jobcenter einen gültigen Bescheid und Geld bekam?

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Viele Privatpersonen bieten Hilfe an

Es gibt auch eine andere Seite. Als Reaktion auf den SÜDKURIER-Artikel haben einige Konstanzer sich gemeldet und Jasmin Schneider Hilfe angeboten. Über Facebook hätten ihr junge Frauen geschrieben, die bereits in ähnlicher Lage waren und sogar Anwälte empfohlen. Es habe Jobangebote gegeben, allerdings habe sich daraus nichts Konkretes ergeben. Eine Konstanzerin, die anonym bleiben möchte, spendete einen größeren Betrag an Jasmin Schneider, um ihr zu helfen.

Auch Max Kasper wollte helfen, er hat der 35-Jährigen einen kleineren Betrag zur Verfügung gestellt. „Frau Schneider wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgehängt, nicht, weil sie es selbst verschuldet hat“, erläutert der Rentner seine Motivation. Er habe sich geärgert, dass so oft betont wurde, dass bei Corona-Notsituationen schnell geholfen werde. „Und wenn so etwas dann passiert, dann gibt es schließlich doch keine schnelle Hilfe“, sagt er.

Wie geht es jetzt weiter?

Jasmin Schneider will sich nicht lang auf staatliche Hilfe verlassen. Die Zusage für die das Arbeitslosengeld II gelte ohnehin nur bis September, danach müsse sie vermutlich neu beantragen. Die 35-Jährige hat Bewerbungen geschrieben, zwei laufen noch, an beiden Stellen hätte sie Interesse. „Und falls nichts davon funktioniert, dann suche ich mir im Oktober einen Job in der Gastronomie„, sagt sie. Eine längere Zeit wolle sie nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein.