Mit seinem Tod hat Franz Götz sich, wie könnte es bei ihm auch anders sein, seit langem beschäftigt und alles umfassend geregelt. Er war tief im christlichen Glauben verwurzelt mit sich und der Welt im Reinen und bereit, vor seinen Herrgott zu treten. Das sagte er bei meinen letzten Besuchen bei ihm ganz deutlich und empfand jeden Tag als Geschenk seines Schöpfers.

Franz Götz, der gern zur Verdeutlichung eines Sachverhalts das Idiom der einheimischen Hegauer anwendete, war kein gebürtiger Hegauer. Vater und Mutter stammten von der Baar und als Sohn des Münstermesners wuchs er im Schatten des Freiburger Münsters auf. Das hat ihn geprägt und begünstigte seine Karriere bis zum „Hofministranten“ von Erzbischof Gröber. Franz Götz war ein Mensch der Sprache, der Philosophie und der Theologie.

Seit 1959 Kreisarchivar im Landkreis Konstanz

Da wäre eine theologische Karriere nicht weit weg gewesen, doch er wurde Archivar. Schon während des Studiums hatte er in dem zwar staubigen, aber ungemein kreativen und informativen Beruf gearbeitet, indem er Gemeindearchive inventarisierte. Sein frühes Meisterstück lieferte er in Langenstein, wo der die ungeheuren Massen an Urkunden, Büchern und Akten des Gräflich Douglas‘schen Archivs mithilfe tausender Karteikarten erschloss.

Als dann der Landkreis Konstanz 1959 unter dem kunstsinnigen Landrat Ludwig Seiterich den Kreisarchivar im badischen Landesteil einstellte, hatte Franz Götz seine Idealstelle gefunden. Eine Zeitlang war er sogar auch für die damaligen Kreise Überlingen und Stockach zuständig.

Immer nahe am Volk

Bei aller Wissenschaftlichkeit arbeitete Franz Götz praxisorientierter als mancher seiner Kollegen und hatte bei seiner Arbeit immer den Bürger im Blick, der vom Archivar Informationen über die Geschichte, das „Früher“, die Menschen in vergangenen Zeiten wünscht. Franz Götz ist das Paradebeispiel für einen solchen Archivar, der nahe beim Volk ist, ohne sich bei diesem anzubiedern.

Er hat zahlreiche Stadt- und Gemeindearchive auf Vordermann gebracht und die vielen kleinen Ortsteilarchive im Zuge der Gemeindereform zusammengeführt. Das war archivische Kärrner-Arbeit.

Seine Publikationsliste umfasst weit mehr als 350 Positionen

Doch daneben war Franz Götz – und das hat ihn weit über den Landkreis hinaus bekannt gemacht – der Historiograph, der historische Artikel verfasst, Bücher geschrieben und herausgegeben (seine Publikationsliste umfasst weit mehr als 350 Positionen) und unzählige Vorträge zu vielerlei Themen gehalten hat. Hier hatte er seine vielen Fans, die bei jedem Götz-Vortrag auf ihre Kosten kamen.

Denn die Götz‚schen Vorträge waren nie langweilig, schon weil er „staubtrockene“ Vorträge selbst gehasst hat. Er wollte die Zuhörerschaft präzise informieren und dabei unterhalten und hatte hierfür ein großes Instrumentarium zur Hand. Legendär ist seine Reimkunst. Ein Götz‘scher Gedichtvortrag gehörte zu den absoluten Höhepunkten eines jeden Festes.

Mitglied in der Kommission für geschichtliche Landeskunde

Der Konstanzer Kreisarchivar Franz Götz war trotz seiner Volksnähe in der Kollegenschaft und in der Wissenschaft geachtet. So hatte er als erster das Amt des Vorsitzenden der baden-württembergischen Kreisarchivare (1981-1992) inne und war Mitglied in der hoch angesehenen Kommission für geschichtliche Landeskunde von Baden-Württemberg.

Das Fasnachtsmuseum Langenstein und die Fasnachtsforschung waren seine Steckenpferde, die er beruflich „reiten“ konnte. Er war der wissenschaftliche Kopf hinter den vielen „Häsern und Masken“ im Langensteiner Museum und vor allem als Präsident des Museumsvereins der unvergleichliche Zeremonienmeister bei der Verleihung des Alefanzordens, den er im Gegensatz zu vielen anderen Auszeichnungen wie Bundesverdienstkreuz und Hegaupreis der Gemeinde Steißlingen nie bekommen hat.

Er war auch mal Vorsitzender des CDU-Ortsvereins Singen

Franz Götz war an vielen Orten des gesellschaftlichen Lebens präsent und aktiv: von der katholischen Kirchengemeinde, über den Rotary Club bis zum Hegau-Geschichtsverein, dem er über 20 Jahre vorstand und den er nachhaltig prägte. Und er war auch mal als Vorsitzender des CDU-Ortsvereins Singen politisch aktiv. Bei aller Konzilianz scheute er nicht das direkte und offene Wort, wenn ihn etwas störte.

Seine beeindruckende Ausstrahlung, seine umfassende Bildung, sein hoher Bekanntheitsgrad und sein unerschöpfliches Wissen über die Geschichte der Region haben ihn zu einer von allen Seiten anerkannten Institution im Hegau werden lassen.

Eine Persönlichkeit, die wir auch heute noch dringend brauchen würden

Franz Götz ist zu einer Zeit gegangen, in der die von ihm geliebte und von vielen Seiten bedrohte Hegau-Landschaft Persönlichkeiten von seinem Schlage dringend brauchen könnte.