In den Wäldern zeigen sich weitere Folgen des extrem trockenen Sommers 2018. Der Hitzestress setzt vor allem den Buchen zu. Bereits im Oktober 2019 mussten im Lorettowald beim Waldheim-Sportplatz etliche von ihnen gefällt werden. Nun trifft es den südlichen Teil des Taborbergs. Von ausgetrockneten Buchen im Stadtwald geht Lebensgefahr aus, daher wurden ein Hauptweg, der sogenannte Mittelweg, und mehrere Nebenwege gesperrt.

Wer schnell vom Schwaktenbad hoch will zum ehemaligen Taborturm muss derzeit einen Umweg laufen oder radeln. Zu sehen gibt‘s dort oben nicht mehr viel. Der massive Betonsockel steht noch. Der Holzturm war 2002 wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Attraktiv wirkt der Ort nicht, obwohl eine Grillstelle und eine Sitzbank zum Verbleib einladen. Was aber sagen Spaziergänger und Ausflügler zur Sperrung und der Situation im Wald?

Nicht alle halten sich an das Passierverbot

Ein junger Mountainbiker lupft kurz sein Gefährt über die Absperrung und radelt getrost den gesperrten Weg entlang. Zwei Männer zu Fuß und in Hundebegleitung umgehen dieselbe Absperrung und verschwinden ebenfalls im Wald. Verständlich, dass sie nicht unbedingt mit Namen und Gesicht im SÜDKURIER erscheinen wollen.

Ihre Meinung zur neuen Situation haben sie durch ihr Verhalten deutlich gemacht: Desinteresse. Mountainbiker kommen den Berg hoch, wenden sofort und sind schnell wieder weg.

Ein Blick in die Buchenkronen offenbart die Schäden: Deutlich sind an mehreren Stellen die ausgetrockneten Äste zu erkennen. Diese können plötzlich herabbrechen und so zu einer Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden. Durch den Laien nicht ohne weiteres zu erkennen ist, ob Wurzelwerk geschädigt ist und ein Baum umstürzen kann.
Ein Blick in die Buchenkronen offenbart die Schäden: Deutlich sind an mehreren Stellen die ausgetrockneten Äste zu erkennen. Diese können plötzlich herabbrechen und so zu einer Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden. Durch den Laien nicht ohne weiteres zu erkennen ist, ob Wurzelwerk geschädigt ist und ein Baum umstürzen kann. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Beim Verein für Schutz- und Polizeihunde sitzen einige Mitglieder zusammen. Diana Wernhöfer hat kurz vorher mitbekommen, dass unter anderem der sogenannte Mittelweg gesperrt ist. „Wir laufen oft den Mittelweg rauf. Wir nehmen einfach einen anderen Weg. Der Wald hat genug Wege. Ich bin einfach unten herum gelaufen“, erzählt sie. „Die Hinweisschilder sind so groß, dass man sie nicht übersehen kann“, sagt sie nachdrücklich.

„Da kommen schon richtige Prügel runter“

Alexandra Reimann hat mit der Sperrung ebenfalls keine Probleme. Dafür aber mit manchen radelnden Zeitgenossen. „Die Mountainbiker kommen von oben heruntergeschossen. Da habe ich echt Schiss“, berichtet sie. Auch in den Kurven seien diese sehr schnell. „Da sind viele Kinder unterwegs. Das ist ein heißes Eisen.“

Der Vereinsvorsitzende Günter Eckert läuft ebenfalls oft im Taborwald spazieren. „Die Sperrung ist berechtigt, bevor einer zu Tode kommt. Da kommen schon richtige Prügel runter“, sagt er.

Ausgetrocknete Buchen-Kronen besonders gefährlich

Diese Gefahr ist es auch, die Revierförsterin Irmgard Weishaupt zur Sperrung veranlasst hat. Gefahr gehe insbesondere von den ausgetrockneten Kronen der Buchen aus, betont sie. Aber auch ganze Bäume könnten umstürzen, da auch Wurzelwerk geschädigt sein kann.

Diese Entwicklung kommt für sie und ihren Chef, Kreisforstamtsleiter Walter Jäger, nicht überraschend. Nach der Trockenheit im Sommer 2018 sei dies zu erwarten gewesen. Der trockene Winter 2019/2020 und der Sommer hätten die Situation nicht verbessert. Ab Oktober sollen die kranken Bäume gefällt werden. Erst wenn alle Bäume entlaubt sind, können die Schäden genau begutachtet werden.

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Die Försterin gibt einen Tipp, der Leben retten kann: „Wenn Sie es krachen hören, laufen Sie schnell weg vom Geräusch und schauen Sie sich nicht um oder nach oben“, appelliert sie. „So ein Ast kann jemanden erschlagen“, betont Jäger und formt mit der Hand einen Durchmesser von etwa sieben Zentimeter. „Auch wir Förster bekommen da mehr Respekt. Die Äste können sehr schnell herunterbrechen“, erklärt Jäger.

„Das Holz der Buche ist kurzfaserig und verhält sich ähnlich wie Glas“, erläutert Weishaupt die Bruchgefahr. Andere Bäume seien anders, etwa die Eiche. „Die hat langfaseriges Holz. Da bleiben die brechenden Äste am Stamm hängen“, erklärt die Revierförsterin.

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