Es gibt sie noch, die guten Nachrichten – selbst im Moment des großen Unheils. Man stelle sich folgende Situation vor: Tiefe Nacht, zwischen 3.30 und 4 Uhr, alles ist ruhig. Doch plötzlich plätschert und dann rauscht es.

Video: Julia Berger

„Ich dachte erst, dass es ganz schön hageln muss draußen“, sagt Julia Berger. Kurz darauf habe sie die Geräuschkulisse an einen „rauschenden Wildwasser-Fluss erinnert“, sagt die Anwohnerin der Hardergasse 9.

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1,5 Millionen Liter sind ausgelaufen

Kein Wunder: Direkt neben ihrem Haus rauschten tatsächlich Fluten eine Treppe hinab. Am Ende werden es 1,5 Millionen Liter sein, die nach einem schweren Wasserrohrbruch in dem Wohngebiet im Stadtteil Allmannsdorf auslaufen.

Bild: Feuerwehr Konstanz

In der Hardergasse stand das Wasser am Samstagmorgen teils einen halben Meter hoch. Laut Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz, waren sieben Häuser mit zwanzig bis 25 Bewohnern unmittelbar betroffen. Eine knappe Woche später erinnert vor allem ein mehrere Meter tiefer Krater an das gerissene 40-Zentimeter-Rohr.

Am 6. August erinnert vor allem ein mehrere Meter tiefer Krater an das gerissene 40-Zentimeter-Rohr am Ruländersteig.
Am 6. August erinnert vor allem ein mehrere Meter tiefer Krater an das gerissene 40-Zentimeter-Rohr am Ruländersteig. | Bild: Brumm, Benjamin

Lob und Dankbarkeit

Julia Berger und andere Anwohner sind inzwischen vor allem dankbar.

Erstens dafür, dass niemand verletzt wurde. „Das Wichtigste ist doch: Es sind nur Sachen kaputt und uns geht es gut“, sagt Berger. Zweitens gibt es Lob für die Stadtwerke, deren Haftpflichtversicherung und die an den Aufräumarbeiten beteiligte Firmen.

„Die Stadtwerke waren umgehend vor Ort, haben sofort reagiert und sind bei Fragen erreichbar“, sagt Wolfgang Börsig, der in der Hardergasse 11 lebt. Laut Stadtwerke seien am Samstag 15 und bei den folgenden Aufräum- und Ausräumarbeiten der Wohnungen bis zu zwölf ihrer Mitarbeiter im Einsatz gewesen.

Bild: Feuerwehr Konstanz

Börsig hat als Eigentümer im Gegensatz zu den Mietern auch schon Informationen zum Schaden in seiner Wohnung: 14.000 Euro seien es laut einem Mitarbeiter seiner Versicherung, wie er am Donnerstagmorgen erfahren habe.

Zu diesem Zeitpunkt waren zumindest die größten offensichtlichen Schäden beseitigt. Auch der Erdrutsch, den die rauschenden Wassermassen auslösten, wurde mit Schotter stabilisiert.

Der Erdrutsch, den die rauschenden Wassermassen auslösten, wurde mit Schotter stabilisiert.
Der Erdrutsch, den die rauschenden Wassermassen auslösten, wurde mit Schotter stabilisiert. | Bild: Brumm, Benjamin

Rund um und vor allem in den Kellern der betroffenen Häuser sind die Auswirkungen jedoch noch immer sichtbar: An den Fassaden ist zu erkennen, wie hoch das Wasser dort stand, und Trockengeräte im Dauerbetrieb ziehen die Feuchtigkeit aus Wänden und Böden.

Wohnungen bleiben unbewohnbar

Und trotzdem will auch Franciska Gogesch, Studentin an der Universität, nicht klagen. Sie wohnt ebenerdig in der Hardergasse 12 und gehört zu jenen, die aktuell kein Zuhause haben. Laut Stadtwerke-Sprecher Josef Siebler können zwei Wohnungen mit zusammen drei Mietern zurzeit nicht bewohnt werden. „Ich glaube auch nicht, dass ich dort so bald wieder einziehen können werde“, sagt Franciska Gogesch.

Anders als mitunter nach Bränden ist auch die Stadt Konstanz nicht kurzfristig eingesprungen, wie Anja Fuchs vom Pressereferat bestätigt. „Niemand musste von uns notfallmäßig untergebracht werden“, erklärt sie. „Entweder konnten sich die Personen selbst behelfen oder die Häuser blieben bewohnbar.“ Josef Siebler von den Stadtwerken ergänzt: „Wir wurden nicht nach Ausweichwohnungen gefragt.“

Schwierige Suche nach neuem Zuhause

Für Franciska Gogesch heißt das: Sie wohnt aktuell mit einer Freundin in deren Einzimmerwohnung. Das könne aber keine Dauerlösung sein. „Ich muss etwas Neues finden, aber das ist in Konstanz kaum möglich, wenn man als Studentin nicht besonders viel Geld hat.“ Sie hofft daher auch auf einen positiven Effekt durch die Berichterstattung im SÜDKURIER.

Und doch sagt Gogesch: „Ich will mich bei der Versicherung der Stadtwerke bedanken, sie hat schnell Hilfe zugesichert und will meine Schäden und für den Transport meiner Möbel bezahlen.“ Auch die Miete für eine Ersatzwohnung würde die Stadtwerke-Haftpflicht übernehmen – wenn sie denn eine neue Wohnung hat.

Geld von der Versicherung ist schon da

Während sie noch sagt, sie hoffe, dass das Geld bald auch auf ihrem Konto ist, zeigt die Übersicht auf ihrem Handy: Es ist schon da. Hilfe gab es schon deutlich früher. Neben den Stadtwerken war zur Unterstützung die Feuerwehr im Einsatz – nicht zuletzt, weil durch den Hangrutsch eine akute Gefahr bestand.

So sah es am Morgen des 1. August in der Hardergasse aus.
So sah es am Morgen des 1. August in der Hardergasse aus. | Bild: Feuerwehr Konstanz

Dazu Fremdfirmen für die Kanalreinigung, die Gebäudetrocknung sowie Reinigungsarbeiten. Was zudem nicht jedem bekannt ist: Wenn in Konstanz Leitungen oder Rohre beschädigt sind, arbeiten die Stadtwerke mit einem festen Vertragspartner zusammen. Gerade in Notfällen wie jenem in Allmannsdorf kommt es dabei auch auf das schnelle Eingreifen dieser privaten Handwerker an.

Bauarbeiter fand den Riss

So rückten am Samstagmorgen mehrere Arbeiter der Bau-Firma WD Dittus aus Konstanz aus. „Es gibt rund um die Uhr eine Rufbereitschaft für zwei Mitarbeiter, die im Wochenturnus durch die Belegschaft rolliert“, erklärt Susanne Marquardt vom Unternehmen. „Diesmal mussten sechs Leute raus“, ergänzt sie.

Anwohner bemerkten, wie einer von ihnen sogar das Leck am defekten Rohr fand. „Das war unser Bruno Silipo“, bestätigt Marquardt. Der seit den 90er-Jahren bestehende Zeitrahmenvertrag sehe eine Bezahlung nach Einsätzen vor, „deshalb können wir auch keine genaue Summe sagen“, meint Susanne Marquardt über das Geschäft mit den Stadtwerken.

Wenn alles fertig ist soll es ein Straßenfest geben

Das gemeinsame Pech hat einige Anwohner in der Hardergasse zusammengeschweißt. Wolfgang Börsig stellt schon jetzt mit einem Lachen klar: „Wenn wir hier fertig sind, sperren wir die komplette Hardergasse und machen ein großes Straßenfest.“ Noch so eine gute Nachricht nach dem Unglück. Und da Feste aktuell schließlich rar gesät sind: Vielleicht schaut ja auch der ein oder andere Mitarbeiter der Stadtwerke vorbei.

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