Bis in zwei Monaten werde der Testlauf starten, kündigte Ralph Stöhr im Technischen Ausschuss an, Leiter des Busbetriebs der Stadtwerke Konstanz. Die Busbetriebe, der Betriebsrat der Stadtwerke und die Polizei sprechen sich aus Sicherheitsgründen gegen jede Lösung aus, bei der der Bus wieder in die als Radstraße ausgewiesene Petershauser Straße zurück verlegt wird.

Bild: SÜDKURIER-Grafik

Auch mit einer Busampel seien zu viele Konflikte mit den Radfahrern zu erwarten, heißt es in einer zusammenfassenden Stellungsnahme. Es sei zu befürchten, dass zu viele Radfahrer das Rotlicht ignorieren würden. Ralph Stöhr bekräftigte in der Sitzung diese Einschätzung: „Ein sicherer Betrieb ist auch mit Ampel nicht möglich.“ Die Route über die Klingenbergstraße sei dagegen erprobt. Die Busse seien dort schon Umleitungen gefahren.

Stimmen der Konstanzer Fraktionen

Anwohner dagegen hätten die Wiederherstellung der alten Route über die gesamte Markgrafenstraße oder eine Kompromisslösung favorisiert, nach der der Bus nur stadtauswärts über die Reichenaustraße fährt, stadteinwärts aber über die Markgrafenstraße und mit Hilfe einer Busampel in die Petershauser Straße biegt.

Für eine bequeme Weiterfahrt über den Ebertplatz sollte dieser etwas umgestaltet werden. Der Vorteil dieser Lösung: Älteren Anwohnern und solchen mit Behinderungen wäre so das Queren der viel befahrenen Reichenaustraße erspart geblieben.

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In einem Brief an den SÜDKURIER fragt Raimund Stirmer, der am Ebertplatz wohnt, weshalb die Stadtwerke die frühere Haltestelle Tenbrinkstraße nicht mehr anfahren wolle. „Wir dachten immer, der Bus bedient die Menschen, und zwar dort wo diese wohnen und Bedarf besteht und nicht umgekehrt.“ Weiter heißt es in dem Brief: „Die Skepsis unter den Anwohnern, ob es den Stadtwerken Konstanz wirklich nur um Sicherheit geht, wird immer größer!“

Raimund Stirmer hält das Wiederherstellen der seit mehr als 30 Jahren bestehenden alten Route der Linie 6 durch Petershausen für sinnvoll und gefahrlos. Er schlägt vor, ähnlich wie am Döbele-Platz, eine Schranke einzubauen, mit deren Hilfe sich der Bus am Kreuzungspunkt zur Radstraße freie Fahrt verschafft.

Konflikte mit dem Busverkehr seien vorprogrammiert

In der Klingenbergstraße dagegen, so sagen er und andere Anwohner, müssten mehr als die von der Stadt genannten 14 Stellplätze wegfallen. 36 Bürger hätten zudem in einem Hof der Klingenbergstraße einen festen Stellplatz oder eine Garage. Wenn diese künftig auf die Straße biegen, seien Konflikte mit dem Busverkehr zu erwarten.

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Auch Anwohnerin Maria Vormittag gibt zu Bedenken: Bis zu acht Mal pro Stunde werde durch die kleine Straße bald ein Bus fahren. Zudem seien von beiden Seiten Räder und Autos unterwegs. „Hier sind Unfälle vorprogrammiert.“

SPD-Stadtrat Jürgen Ruff betrachtet es als Bankrott-Erklärung, wenn jetzt Verkehrspläne nach denen ausgerichtet werden, die sich an keine Regeln halten. Er hatte die Debatte im Ausschuss angeregt. Entscheiden durften die Stadträte aber in dieser Sache nicht.

Letztlich blieben die Schwächsten auf der Strecke

In einer unverbindlichen Probeabstimmung stärkte zwar eine Mehrheit den Stadtwerken den Rücken, so richtig glücklich zeigte sich dennoch keiner mit der Lösung. Der Behindertenbeauftragte der Stadt Konstanz, Stephan Grumbt, zeigte sich enttäuscht. Er habe angenommen, mit Hilfe der Technik könnten Busse die Radstraße sicher queren.

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Letztlich blieben die Schwächsten auf der Strecke, die Menschen, für die jeder Meter mehr zähle, die sie bis zum Erreichen einer Bushaltestellen gehen müssten. Auch er ist der Meinung: Mit einer Schranke wie es sie am Döbele gibt, hätten die Probleme gelöst werden können. Ob der Stadtteil Petershausen langfristig neue Busanschlüsse bekommt, ist offen. Die Stadtwerke sind dabei, das gesamte Buslinien-Netz zu überarbeiten.

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