Bärbel Wiedemann, Mitinhaberin des Hotels Viva Sky in Konstanz, ist guter Stimmung: „Pfingsten war schon so gut wie ausgebucht – bevor wir überhaupt erst die Verordnung zur Hand hatten – zum Glück“, sagt sie und lacht. Die Hoteliers der Stadt können aufatmen und gleichzeitig in die Saison starten: Ab heute, 29. Mai, dürfen sie nach langer Corona-Pause ihre Hotels wieder für Gäste öffnen, auch für Touristen.

Jetzt dürfen auch Touristen wieder kommen

Bisher war in den vergangenen Wochen nur ein eingeschränkter Betrieb für Geschäftsreisende möglich. Im Hotel Viva Sky ist jetzt alles auf die touristischen Ankünfte vorbereitet: Die Tische auf der Dachterrasse stehen im Abstand von 1,50 Meter zueinander, die Rezeption ist durch Plexiglas geschützt.

Viva Sky verzichtet im Moment aufs Buffet

„Was ein wenig bitter für uns ist: Unser Frühstücksbuffet können wir nicht wie gewohnt anbieten“, sagt Bärbel Wiedemann. Zwar ist es laut Landesverordnung erlaubt, Buffets anzubieten. Es sei aber sehr personalintensiv. Jeweils ein Mitarbeiter müsste hinter dem Buffet stehen und Speisen ausgeben: Joghurt, Eier, Marmelade.

Das Frühstück im Viva Sky: während der Pandemie muss es an den Tisch serviert werden, ein Buffet gibt es nicht.
Das Frühstück im Viva Sky: während der Pandemie muss es an den Tisch serviert werden, ein Buffet gibt es nicht. | Bild: Wagner, Claudia

Das Viva Sky setzt auf ein anderes System: Jeder Gast darf ein Frühstück wählen, das ihm an den Tisch gebracht wird. Ebenfalls kompliziert: Bei schlechtem Wetter ist beim Frühstück im Viva Sky zu wenig Platz für alle Hotelgäste, sie müssen also in vier Schichten frühstücken. Da bleibt, auf gutes Wetter zu hoffen.

Gespräche auf ein Minimum reduzieren

Überhaupt, die Kommunikation mit den Gästen: Einerseits befürchtet Wiedemann, „dass wir unsere eigentliche Stärke, die direkte Betreuung, gar nicht richtig einsetzen können“. Gespräche mit Gästen sollen möglichst auf das Nötigste reduziert werden. Andererseits entstehe gerade eine neue Form des Austauschs: „Noch nie gab es so viel Austausch mit Gästen im Vorfeld – und so viel Verständnis“, sagt Wiedemann.

Bärbel Wiedemann, mit ihrem Mann Inhaberin des Hotels Viva Sky, freut sich bereits auf die ersten Gäste nach der langen Corona-bedingten Schließung.
Bärbel Wiedemann, mit ihrem Mann Inhaberin des Hotels Viva Sky, freut sich bereits auf die ersten Gäste nach der langen Corona-bedingten Schließung. | Bild: Wagner, Claudia

Auch Dehoga-Vertreter ist optimistisch

Auch Dieter Wäschle, stellvertretender Vorsitzender der Dehoga Baden-Württemberg und Betreiber des Hotels Petershof in Petershausen, ist optimistisch: „Wir müssen die Hygiene besonders beachten, es gibt einige Regeln. Aber ich sehe keine großen Probleme.“ Sein Team und er sowie alle anderen Hoteliers in Konstanz freuten sich sehr, wieder Gäste beherbergen zu dürfen.

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Sogar eine volle Belegung sei möglich, sofern die Abstandsregeln eingehalten werden könnten. Wirtschaftlich ist das für alle Hotelbetriebe bitter nötig: „In den vergangenen Wochen hatten wir zwischen zwei bis vier Prozent der üblichen Übernachtungszahlen“, sagt Wäschle, das seien Geschäftsreisende gewesen. Die Umsatzverluste lägen bei 95 bis 100 Prozent für April und Mai – ein Schaden, der nicht ohne Weiteres zu kompensieren sei.

Desinfektionsmittel empfängt den Gast im Viva Sky. Im Hintergrund sind die Tische im nötigen Abstand aufgestellt.
Desinfektionsmittel empfängt den Gast im Viva Sky. Im Hintergrund sind die Tische im nötigen Abstand aufgestellt. | Bild: Wagner, Claudia

Finanziell wird es bei vielen eng

„Für viele ist es ein finanzielles Fiasko“, sagt der Hotelier, und die Gefahr sei groß, dass es sich noch verschlimmere. Bisher waren bei geschlossenen Hotels auch die Kosten heruntergefahren worden, manche Pacht wurde ausgesetzt. Jetzt aber müsse jeder Betreiber bei vollen Kosten mit geringem Umsatz überleben.

Erst künftig zeigt sich, wer die Krise überlebt

Dieter Wäschle ist überzeugt, dass es sich erst in den nächsten Monaten zeigen werde, welche Betriebe es schaffen, zu überleben. Das hänge stark vom Saisonverlauf ab. Im Moment seien die meisten Hotels zu 50 bis 70 Prozent belegt, das reiche auf Dauer nicht aus.

Bärbel Wiedemann ist auch in dieser Hinsicht vorsichtig optimistisch: Die Pfingstferien seien bereits gut gebucht, wenn auch nicht komplett. Es gebe Buchungen für Juli und August und schon für den Oktober. „Die Stornowelle gibt es immer noch – aber im Moment nur noch ein Drittel Stornierungen gegen zwei Drittel Buchungen.“

Mitarbeit dürfen wieder Vollzeit arbeiten

Trotz aller Ungewissheit über die wirtschaftliche Zukunft: Die festangestellten Mitarbeiter des Viva Sky dürfen alle die Kurzarbeit ab sofort beenden. Zwölf Personen seien dann im Einsatz. Manche hatten auch in der Zwischenzeit gut zu tun – die Buchhaltung etwa sei überlastet gewesen und auch beim Renovieren hätten einige Mitarbeiter geholfen. Dass das Personal jetzt gebraucht wird, bestätigt Dieter Wäschle: In den meisten Betrieben werde eine Person mehr als sonst wegen des erhöhten Aufwands eingesetzt.

Die letzten Vorbereitungen

Im Viva Sky geht es jetzt um die letzten Handgriffe, bevor die Gäste kommen. Leonie Wagner, Studentin im Hotelmanagement, überprüft nochmals die Buchungen, ein Kollege richtet die neuen Thermoskannen, die für die nächste Zeit beim Frühstück eingesetzt werden müssen. Am Hoteleingang und auf den Toiletten steht Desinfektionsmittel bereit.

Das alles bedeutet Urlaub unter besonderen Umständen, das ist Bärbel Wiedemann bewusst. Aber es ist auch eine vorsichtige Rückkehr zu einer Normalität. Denn am See Urlaub zu verbringen, das ist in Konstanz schon ziemlich normal.

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