Kevin Heider und Bastian Taudt tragen eine Kiste nach der anderen in den Lastwagen. Sie sind Mitarbeiter des Konstanzer Unternehmens Studentenhelfer Umzüge und übernehmen gerade einen Auftrag in der Schottenstraße.

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„Schleppen mit Maske ist ganz schön anstrengend“, sagt der 29-jährige Bastian Taudt. „Wenn man eine Waschmaschine mit gefühlt 350 Kilogramm Gewicht aus dem Keller hochträgt, zieht man den Mundschutz gerne mal aus.“ Aber dann achten die Mitarbeiter genau auf den vorgeschriebenen Mindestabstand.

Landesverordnung sorgt für Verunsicherung

„Da unsere Mitarbeiter aufgrund der Maske öfter Pause machen müssen als früher, dauern die Umzüge länger und kosten für die Kunden momentan mehr Geld“, erläutert Florian Reinbold, Inhaber von Studentenhelfer Umzüge.

Ob dieses Vorgehen allerdings Pflicht ist, weiß Reinbold nicht: „Bei der aktuell gültigen Landesverordnung vom 19. Januar ist nicht ganz klar, ob Umzugshelfer unter die Maskenpflicht fallen, da ihre Arbeiten als Schwerstarbeiten gelten und hierdurch eine Befreiung vorliegen könnte. Rechtssicherheit sieht anders aus.“

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Ansonsten bleibt vieles beim Alten: Auch jetzt sind Umzüge in die Schweiz erlaubt, auch jetzt dürfen die Mitarbeiter in Wohnungen kommen, um Möbel ab- oder aufzubauen oder Kostenvoranschläge vorzunehmen. Die Kunden müssen sich dabei an bestimmte Regeln halten.

Doch trotz aller Vorkehrungen nehme in seinem Unternehmen die Zahl der Aufträge stark ab, sagt Florian Reinbold: „Im Frühjahr 2020 ging die Auftragslage um 35 Prozent zurück und erholte sich zwar bis Ende des Jahres. Doch seit dem 19. Januar 2021 geht es wieder deutlich bergab. Wir erwarten einen Umsatzrückgang von 55 Prozent für den Januar im Vergleich zum Vorjahr; der Februar wird sich ähnlich gestalten.“

Aus Sicherheitsgründen wechseln die Teams

Michael Hornstein, Inhaber des Umzugsunternehmens „Die Wichtelmänner“, macht etwas andere Erfahrungen: „Wir sind weiterhin ausgebucht. Unser Geschäftsfeld verschiebt sich durch Corona nur – wir haben weniger Umzüge in die Schweiz, dafür mehr private“, sagt der 52-Jährige. Denn Freunde dürfen beim Kistenschleppen kaum noch helfen.

Allerdings bieten die Wichtelmänner aufgrund der Pandemie keine Samstagstermine mehr an und verzichten daher auf den Zuschlag. „Wir haben unsere Mitarbeiter in drei Teams mit je drei bis vier Leuten aufgeteilt“, erklärt Michael Hornstein. Aus Sicherheitsgründen bleibt im Wechsel immer ein Team zu Hause.

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„Falls eine Gruppe ausfiele, könnten wir die Termine dieses Teams an einem Samstag nachholen. Aber darauf mussten wir bislang zum Glück nicht zurückgreifen“, sagt Hornstein. Auch für seine Mitarbeiter sei die Arbeit mit Maske nicht angenehm. „Jammern hilft nicht, die Leute müssen ja aus ihren Wohnungen raus oder in neue hinein“, sagt der Wichtelmänner-Chef.

Odyssee quer durch Deutschland

So wie auch Carmen und Torben Schultz. Sie haben einiges zu erzählen von ihrem Wohnungswechsel kurz vor Heiligabend 2020. Denn sie lebten im 940 Kilometer entfernten Heide in Schleswig-Holstein, bevor sie nach Konstanz zogen – in die Geburtsstadt von Carmen Schultz.

Ein Umzugsunternehmen kam dabei nicht in Frage: „Das günstigste Angebot lag bei 7000 Euro, die anderen kamen auf bis zu 12.000 Euro“, berichtet sie. Zwei Touren mit einem Mietwagen mussten die beiden fahren, um all ihre Sachen an den Bodensee zu bringen.

Ein Umzug durch viele Bundesländer mit unterschiedlichen Corona-Bestimmungen: Carmen und Torben Schultz kamen von Schleswig-Holstein nach Konstanz.
Ein Umzug durch viele Bundesländer mit unterschiedlichen Corona-Bestimmungen: Carmen und Torben Schultz kamen von Schleswig-Holstein nach Konstanz. | Bild: Kirsten Astor

Torben Schultz erzählt: „Dass wir einige Bundesländer durchqueren mussten, war wegen der überall unterschiedlichen Corona-Regeln nicht einfach.“ Seine Frau Carmen ergänzt lachend: „Da alle Raststätten geschlossen hatten, mussten wir viel Proviant und Kaffee einpacken.“ Das war aber das geringste Problem.

Schwierig gestalteten sich eher die unterschiedlich strengen Vorgaben, was Kontakte anbelangt. So erzählt der 32-Jährige: „In Heide durften damals noch fünf Personen aus egal wie vielen Haushalten zusammenkommen. In Konstanz waren die Regeln strenger.“ Um kein Risiko einzugehen, verteilten die beiden das Kisteneinladen in Norddeutschland auf zwei Vor- und zwei Nachmittage, mit je unterschiedlichen Helfern.

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Ein Freund aus dem Norden wollte dann eigentlich im Umzugswagen mitfahren. „Wegen Corona hat er darauf verzichtet. Weil er auch nicht zehn Stunden lang mit Maske im Zug sitzen wollte, fuhr er uns im eigenen Auto hinterher und half beim Ausladen“, sagt Torben Schultz. „Ohne Corona wäre das alles entspannter gewesen.“

Wettlauf gegen die Ausgangssperre

Das galt auch für den Wettlauf gegen die Uhr: „Damals wurde in Baden-Württemberg die Ausgangssperre eingeführt und wir sind ganz früh losgefahren, um vor 20 Uhr anzukommen“, so der 32-jährige Ingenieur. Da – durch Corona – wenig los war auf den Autobahnen, gelang dies auch.

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„Aber wir hatten immer Sorge, kontrolliert zu werden. Uns war nicht klar, ob ein Umzug ein triftiger Grund ist, der die Ausgangssperre aufhebt“, sagt Torben Schultz. Nun ist ihr Hab und Gut sicher in Konstanz angekommen, doch ganz fertig ist das Ehepaar noch nicht. „Wir haben ein Zimmer mehr als früher und müssten Möbel kaufen“, sagt die 35-jährige Psychotherapeutin. Da die Läden geschlossen sind, stapeln sich in einem der Räume noch zehn Kisten.