Das Problem wird kleiner, und das ist das Problem! „Mikroplastik ist eine unsichtbare Gefahr“, sagt Dimitri Vedel. Der Diplom-Forstwirt, der in Litzelstetten wohnt, vertritt die Bodensee-Stiftung ab 6. Dezember bei einer Konferenz am Titicacasee in Peru. Am größten Süßwassersee Südamerikas spricht er darüber, wie sich Mikroplastik vermeiden lässt. Schon einen Tag vorher gibt es Vorgespräche dazu.

Dimitri Vedel sorgt sich wegen Mikroplastik um die Seen.
Dimitri Vedel sorgt sich wegen Mikroplastik um die Seen. | Bild: Claudia Rindt

Die winzigen Kunststoff-Partikel sind weltweit ein Problem. Sie kommen überall vor, auch im Bodensee, das haben mehrere Studien nachgewiesen. Die Menge im Bodensee ist aber noch nicht alarmierend. Vedel setzt sich dafür ein, dass es vor Ort so bleibt und dass es in Regionen besser wird, die schlimmer vom Müll betroffen sind. Letztlich gehe es darum, Plastikabfälle zu vermeiden.

Mikroplastik in der Nahrungskette

Denn ist Mikroplastik erst einmal im Wasser, bekommt man es nicht mehr heraus. „Je kleiner, desto schwieriger wird es.“ Gefährlich ist demnach Plastik, das sich im Wasser zersetzt. Auch der Abrieb von Reifen, der mit dem Regenwasser in den See geschwemmt wird, könne zu Problemen führen.

Grundsätzlich weiß noch niemand, welche Auswirkungen es hat, wenn Mikroplastik in die Nahrungskette und so in den Körper des Menschen gelangt. Aber es sei ein Fremdkörper, der nichts im Wasser zu suchen habe, sagt Vedel.

Blick über den Titicacasee.
Blick über den Titicacasee. | Bild: SK-Archiv

Er will in Peru das Projekt Blue Lakes vorstellen, das der Global Nature Fund gemeinsam mit der Bodensee-Stiftung und mehreren italienischen Partnern ins Leben gerufen hat. Es wird von der Europäischen Union unterstützt und befasst sich mit der Vermeidung und Verringerung des Eintrags von Kunststoffabfällen in Seen.

Für das Projekt hatten im Frühjahr Elias Fauser (Yachtclub Konstanz) und Max Gasser (Wassersportclub Wäschbruck Radolfzell) bei ihrer besonderen Spendenaktion gesammelt. Mit ihren Jollen umrundeten sie den Bodensee ohne Pause.

Vedel erinnert sich noch, wie es vor 15 Jahren am Titicacasee aussah. Der Müll wurde ins Wasser gelassen. Heute sei das anders. Wie die einzelnen Länder handeln wollen, müssten diese selbst entscheiden, sagt der 45-Jährige. Ihm gehe es darum, aufzurütteln und zu sensibilisieren. Auch hierzulande sei Plastik lange Zeit als wertvoller Rohstoff gesehen worden, der im Gelben Sack gesammelt wird. „Aber es bleibt Müll.“

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In vielen Ländern sei Recycling kein Thema. „Da braucht es andere Lösungen.“ Wichtig sei, dass etwas unternommen wird, bevor sich Kunststoffe zu Mikroplastik zersetzt haben. „Wir wollen die Möglichkeiten bewusst machen. Nicht nur Probleme beklagen, sondern Lösungen aufzeigen.“ In Konstanz könne zum Beispiel jeder am See seinen Plastikmüll mitnehmen. Kommunen könnten ebenso wie die Konzilstadt Tonnen zur Verfügung stellen und durch Mehrwegsysteme helfen, Müll zu vermeiden.

Dimitri Vedel geht davon aus, dass in 3800 Metern Höhe bei der Konferenz in Peru eine Resolution verabschiedet wird. Er hofft zudem auf Rückenwind durch Beschlüsse der Vereinten Nationen. Denn diese wollen einen Vertrag zur Eindämmung der Verschmutzung durch Einwegplastik, Geisternetze und Mikroplastik aushandeln. Bis Ende 2024 soll dazu eine Konvention erarbeitet sein.

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Vedel hofft, dass dies Auswirkungen auf die Förderkulisse hat. Denn Seenlandschaften spielten dabei noch keine Rolle. Er hofft, dass sich das ändert und dass der See als besonders schützenswerte Einheit anerkannt wird.

Klimawandel auch vor Ort

Bei der Konferenz soll es auch um die Folgen des Klimawandels gehen. „Der hört ja nicht an den Grenzen auf.“ Am Bodensee mache der Klimawandel deutlich, dass das Gewässer eben kein Schwimmbad ist, sondern ein Ökosystem. „Es reagiert auf Einflüsse wie die hohen Temperaturen im Sommer.“

Die Zeiten, in denen die Menschen am See in die Welt blicken mussten, um die Folgen des Klimwandels zu sehen, seien vorbei. Jeder erlebe ihn vor Ort, und das sei erst der Anfang. Die Bemühungen, ihn einzudämmen, bezeichnet Vedel als „enttäuschend“. „Es gibt Mittel und Wege, das schneller hinzukriegen.“

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Eine Kommune wie Konstanz könnte dies beschleunigen. Er sieht es zum Beispiel kritisch, dass es nach dem Ausrufen des Klimanotstands noch einmal Jahre dauerte, bis die ersten Elektrobusse in Konstanz fuhren.