Inzwischen geht es schon fast wieder mit acht Stunden Schlaf. Zunächst aber muss Luisa Rische ihre Erschöpfung und das Jetlag ausschlafen. Die ersten Tage in Deutschland sind surreal, ermüdend und kurz.

Rückblick: Mitte März sitzt Luisa Rische in Ibarra, Ecuador, fest. Drei Jahre ist sie um die Welt geradelt, dann registriert sie, dass es nicht weiter geht: Ecuador und seine Nachbarstaaten machen die Grenzen dicht wegen des Corona-Virus. Die Gastfreundschaft lässt schlagartig nach, die Konstanzerin fühlt sich nicht mehr wohl und kontaktiert die deutsche Botschaft.

Das war noch im Nationalpark am Vulkan Chimborazo in Zentralecuador, eine Woche vor dem Lockdown.
Das war noch im Nationalpark am Vulkan Chimborazo in Zentralecuador, eine Woche vor dem Lockdown. | Bild: Luisa Rische

Eine Mail mit erlösender Botschaft

Am 23. März, nach bangen Tagen des Wartens, erreicht sie endlich eine Mail aus der Botschaft: sie könne am nächsten Tag den Rückflug nach Deutschland antreten, wenn sie wolle.

Mit 50 Kilo Gepäck gestartet, mit 12 Kilo zurück

Sie will. Das Packen geht schnell. Mit knapp 50 Kilo Gepäck sei sie vor drei Jahren gestartet, sagt Luisa Rische, jetzt sind es noch etwa zwölf. Der Helm kommt wieder mit nach Deutschland, das Fahrrad bleibt zurück. Luisa Rische schenkt es einem Bekannten aus Cuenca, der dort eine Fahrradschule für Kinder betreibt und sich fürs Radfahren begeistert. Klar ist: die Botschaft mahnt, auf sämtliche Gepäckstücke, die Probleme verursachen könnten, zu verzichten.

Transit über leere Straßen

Am nächsten Tag folgt der Transit per Taxi zum Flughafen der Hauptstadt Quito über menschen- und Fahrzeugfreie Straßen. Dazu braucht es auch einen Passierschein der Botschaft, um sich in Ecuador überhaupt fortbewegen zu dürfen. Am Flughafen ist außer der deutschen Gruppe niemand, alles ist abgesperrt.

230 Deutsche – Urlauber, aber auch Familien, die seit Jahren in Ecuador leben – dürfen nach mehreren Checkpoints das Flugzeug besteigen.

Alles irgendwie surreal

Das alles kommt der 31-Jährigen inzwischen surreal vor – auch, wie die Fluggäste in Frankfurt aufgefordert werden, das Flugzeug zu kleinen Gruppen von je 15 Personen zu verlassen; Stichwort Abstandsregel. Dabei hatten alle zuvor 13 Stunden auf engstem Raum miteinander im Flugzeug verbracht.

Das Desinfektionsmittel musste mit

Nach Konstanz hat Luisa Rische neben Fahrradhelm und wenigen Kleidungsstücken Desinfektionsmittel mitgebracht. „Ich wusste nicht so genau, ob man das hier überhaupt noch kaufen kann“, sagt sie und grinst. Für die nächsten Monate ist sie bei Freunden untergekommen.

Respekt vor der Logistik der Rückholung

Bei allem Frust über die abrupt abgebrochene Weltreise: Die Rückholaktion hat der Radfahrerin Respekt abgenötigt. „Organisatorisch war das super – und ich bin froh, dass ich mich entschieden habe, in dieser Situation Ecuador zu verlassen.“

Wie es weiter geht? Erst einmal durchatmen. Kraft sammeln und Geld verdienen für die nächste Reise. Ein Virus kann eine Weltreisende ja nicht ewig aufhalten.

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