Dimitri Vedel ist in seiner Studentenzeit schon von Haustür zur Haustür gegangen. Damals verteilte der gelernte Forst- und Umweltwissenschaftler in Diensten der Post Briefe. Jetzt ist der Projektleiter der Bodenseestiftung wieder zu Haushalten unterwegs, aber im Auftrag des Zensus, der großen Volkszählung.

Der 44-Jährige gehört zu den 80 Freiwilligen, die in Konstanz rund 10.000 Bürger in Haushalten und Wohnheimen befragen. Ziel: Herausfinden, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten.

Die Wohnadressen für den Zensus sind dabei nach dem Zufallsprinzip ausgelost. Erst kommt ein Brief mit einem Terminvorschlag, und dann steht zum festgelegten oder vereinbarten Datum der Befrager vor der Tür. So wie Dimitri Vedel.

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Die erste Erkenntnis des 44-Jährigen: Es geht schneller als gedacht. Manche Befragten hätten schon Tee oder Kaffee bereit gestellt, erzählt Vedel. „Die Leute haben die Vorstellung, dass das was ganz Großes wird.“ Doch nur auf ausdrücklichen Wunsch betrete er überhaupt die Wohnung.

Mit Haustürgespräch ist es getan

Die Daten, die er vor Ort abfrage, ließen sich in wenigen Minuten im Flur an der Haustür klären, sagt der Interviewer. In der persönlichen Befragung gehe um den Namen, den Geburtstag, das Geschlecht, die Staatsangehörigkeit, den Familienstand, ob eine Person noch andere Wohnungen bewohnt und wie viele Personen in der Wohnung leben.

(Symbolbild) Der Zensus findet eigentlich alle zehn Jahre statt, wegen der Corona-Pandemie wurde er diesmal von 2021 auf 2022 verschoben.
(Symbolbild) Der Zensus findet eigentlich alle zehn Jahre statt, wegen der Corona-Pandemie wurde er diesmal von 2021 auf 2022 verschoben. | Bild: Daniel Karmann/dpa

Ein Teil der Haushalte bekommt im Anschluss an die persönliche Befragung noch persönliche Zugangsdaten für einen Online-Fragebogen. Für Personen ohne Internetzugang stehen Papierfragebögen zur Verfügung. Bei der weiteren Befragung geht es um den Bildungsabschluss, die Erwerbstätigkeit und den Beruf. Und darum, wie viele Personen am 15. Mai in einer Wohnung wohnten.

44-Jähriger wollte sich ehrenamtlich einbringen

Der 44-Jährige hat sich freiwillig gemeldet, um einfach mal etwas anderes zu machen und sich ehrenamtlich einzubringen. Wenn eine Stadt nicht wisse, wie viele Bürger in ihr lebten, dann könne sie sich auch nicht gut aufstellen und vorausschauend planen, sagt Vedel, der immer mit FFP2-Maske unterwegs ist.

Bis jetzt habe er noch keine Befragungen gehabt, bei der Bürger Kritik am Verfahren übten. Um Betrügern keine Chance zu geben, gälten einige Sicherheitsvorschriften: Die Befrager haben Ausweise. Sie kommen nie spontan, sondern immer nur zu dem im Brief angekündigten oder persönlich vereinbarten geänderten Termin. Niemals will ein Befrager Bankdaten, Geld, Unterschriften oder Passwörter.

Verena Häuptle leitet für die Stadt Konstanz die Abläufe der Volksbefragung.
Verena Häuptle leitet für die Stadt Konstanz die Abläufe der Volksbefragung. | Bild: Rindt Claudia

Verena Häuptle, die Leiterin des Zensus für die Stadt Konstanz, unterstreicht die Wichtigkeit der statistischen Daten: Sie werden für die Planungen benötigt, und sie entscheiden auch mit über die Höhe der Gelder, die eine Stadt vom Land, vom Bund und der EU bekommt. „Es geht darum, die Realität abzubilden.“ Diese könne von den erfassten Meldedaten abweichen.

Konstanz mit seinen vielen Studenten und der vergleichsweise hohen Fluktuation sei eine Herausforderung, sagt Häuptle. Sie geht davon aus, dass wahrscheinlich mehr Menschen in der Stadt leben als offiziell erfasst sind.

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Persönliche Daten würden beim Zensus nur erhoben, um sicher zu gehen, dass die befragte Person wirklich existiert und es auch keine Dubletten gibt, betont Häuptle. Danach würden sie zum schnellstmöglichen Zeitpunkt gelöscht.

Es gehe ausschließlich um die statistischen Daten, deren Auswertung anonymisiert erfolgt. Nur diese würden auch dauerhaft gespeichert. „Wir fragen auch nicht nach dem Einkommen oder dem Impfstatus“, räumt sie mit zwei weiteren Mythen auf. Die intimste Frage sei vielleicht die nach dem Bildungsabschluss.

Mitmachen ist eine Bürgerpflicht

Aus den erhobenen Daten von etwa acht bis zwölf Prozent der Bevölkerung entstünden Hochrechnungen, aus denen sich die Gesamtzahlen ermitteln lassen, so Häuptle weiter. Grundsätzlich seien Bürger verpflichtet, beim Zensus mitzumachen. Wer sich nicht melde, der bekomme einen zweiten Terminvorschlag.

(Symbolbild) Zensusbriefe liegen im Briefzentrum Offenburg der Deutschen Post in Logistikbehältern. Von dort werden im Rahmen der ...
(Symbolbild) Zensusbriefe liegen im Briefzentrum Offenburg der Deutschen Post in Logistikbehältern. Von dort werden im Rahmen der Volkszählung rund 3,5 Millionen Briefe für die Wohnungs- und Gebäudezählung des Landes verschickt. | Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Mit Ergebnissen der Auswertung ist übrigens erst im November 2023 zu rechnen. Die Stadt Konstanz hat für die Erhebung extra drei Vollzeitstellen sowie eine zu 75 Prozent und eine zu 50 Prozent geschaffen – die laufen aber nur bis März, so Häuptle.