Bei den Sonderpädagogen der Säntisschule in Konstanz finden die Kinder und Jugendlichen Unterstützung. „Wir sind an der Belastungsgrenze“, sagt der Schulleiter Johannes Schmidt allerdings im Bildungsausschuss.

85 Kinder besuchen derzeit die Schule und deren Außenklassen. Das seien 15 mehr als noch im vorherigen Schuljahr und 30 mehr als noch vor zehn Jahren, rechnet Barbara Stetter vor, Geschäftsführerin des SkF, dem Träger der Schule.

Barbara Stetter, Geschäftsführerin (Archivbild)
Barbara Stetter, Geschäftsführerin (Archivbild) | Bild: SkF Konstanz

Und die Schüler werden immer jünger. Probleme zeigten sich verstärkt schon ab der ersten Klasse, so Schulleiter Schmidt. Dabei kämen manche wegen Wartelisten derzeit gar nicht zum Zug.

Johannes Schmidt, Schulleiter (Archivbild)
Johannes Schmidt, Schulleiter (Archivbild) | Bild: SkF Konstanz

Die Säntisschule hat auch sogenannte Außenklassen, wo Schüler an ihrer Schule bleiben, aber in kleinen Lerngruppen zeitweise an ihren emotionalen und sozialen Kompetenzen arbeiten können oder dabei in der Regelklasse unterstützt werden.

Üblicherweise sollten die Schüler nur kurze Zeit sonderpädagogische Förderung erfahren, und dann in ihre Klasse zurück kehren. „Das wird immer schwieriger“, stellt Schulleiter Schmidt fest.

Die Lernenden haben ganz individuelle Bedürfnisse

Unter den Kindern in der Säntisschule seien unter anderem solche, bei denen sich die Folgen emotionaler Vernachlässigung zeigten, etwa in Form von Unruhe und emotionalen Ausbrüchen.

Auch besondere Zurückgezogenheit könne ein Grund für eine sonderpädagogische Unterstützung sein. Manche Schüler hätten autistische Züge, andere Züge der Aufmerksamkeitsstörung ADHS.

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Eine der wesentlichen Aufgaben bestehe darin, den Kindern Orientierung und Halt zu geben, den sie in den Familien nicht finden, sagt Anne Mühlhäußer, Stadträtin der Grünen, die selbst in dem Bereich tätig ist. Sie berichtete von Kindern, die ohne Frühstück und ohne Pausenbrot, oder Geld dafür, in die Schule geschickt werden.

In Konstanz gibt es einen hohen Anteil an Schülern, die sonderpädagogisch unterstützt werden

Markus Schubert, Leiter der Sozialen Dienste der Stadt Konstanz, weist im Bildungsausschuss darauf hin, dass in Konstanz möglicherweise die Sensibilität für verhaltensauffällige Schüler besonders hoch sei. Die Stadt gehöre in Baden-Württemberg zu den Kommunen mit dem höchsten Anteil an Schülern, die wegen emotionaler Probleme sonderpädagogisch unterstützt werden.

Die Strategie der Jugendhilfe sei es aber, auf Prävention und ein Frühwarnsystem zu setzen, und nicht auf den Ausbau der Plätze in der Sonderpädagogik. Unter anderem hat die Stadt flächendeckend Startpunkte aufgebaut für die Begleitung von Eltern kurz vor und kurz nach der Geburt.

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Die Kosten für einen sonderpädagogischen Platz beliefen sich auf 20.000 Euro im Jahr. „Jeder Ausweitung stehen wir kritisch gegenüber“, sagt Schubert im Bildungsausschuss. Er weist darauf hin, dass ein Teil der Jugendlichen, die vor wenigen Jahren als Bande Konstanz in Atem hielten, sich auf der Säntisschule gefunden hatte. Möglicherweise sei es keine gute Idee, zu viele Schüler mit individuellen Problemen in eine Schule gehen zu lassen.

„Wenn ich hinschaue, sehe ich mehr“

Barbara Stetter geht davon aus, dass in Konstanz der Blick für Kinder mit Problemen geschärft ist: „Wenn ich hinschaue, sehe ich mehr.“ Sie weist auch auf gesellschaftliche Entwicklungen hin, hinter denen Gründe für emotionale Vernachlässigung bei Kindern stehen können.

Zunehmend zeigten Eltern Zeichen der Überforderung. Sie rieben sich auf im Spagat zwischen Beruf und Erziehung, litten unter Stress und Zeitmangel. Das Problem sei quer durch alle Schichten anzutreffen.

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