Zuerst kam sie in Stuttgart, kurz darauf in Freiburg: Nun gilt die von Gastwirten gefürchtete Sperrstunde auch in Konstanz. Seit Montagabend ist die Allgemeinverfügung gültig, wodurch Bars und Restaurants früher schließen müssen. „Von 23 bis 6 Uhr morgens darf nichts mehr ausgeschenkt werden“, erklärt Landratsamt-Pressesprecherin Marlene Pellhammer. Diese Maßnahme gelte im gesamten Landkreis.

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Damit sollen die Ausbreitung des Corona-Virus eingedämmt und die gestiegenen Zahlen der letzten Wochen unter Kontrolle gehalten werden. Zuletzt war im Landkreis Konstanz am Samstag der kritische Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Eiwohner in sieben Tagen überschritten worden, wodurch die schärferen Regelungen in Kraft traten.

Das sagen die Wirte

Für die Wirte gleicht die Sperrstunde einer wirtschaftlichen Katastrophe. Konzilpächter Manfred Hölzl ist seit 40 Jahren im Geschäft. Er sieht vor allem die kleinen Lokale gefährdet. „Bei den kleinen Bars und Kneipen, die auch oft keinen Außenbereich haben, wird das massiv zu Buche schlagen“, sagt er. „Das sind auch gleichzeitig die Betriebe, die über den Sommer nicht gut wirtschaften konnten. Über den Winter zu kommen, wird für uns und auch für die anderen sehr schwer.“

Er selbst prognostiziert einen düsteren, langen Winter für die Gastronomie in Konstanz. „Das sieht gar nicht gut aus“, sagt er.

Sperrstunde richtet schweren Schaden an

Dieser Meinung ist auch Feriet Gashi. Er arbeitet seit über sieben Jahren im Irish Pub Shamrock in der Innenstadt. „Die Sperrstunde wird uns sehr schaden“, sagt er. „Gerade uns als eine Bar, wo die Leute bis spät nachts bleiben, wird das treffen.“ Wie es weitergeht, darin ist er sich unsicher. Diese Woche wolle man weiterhin öffnen. Nächsten Montag werde sich das komplette Team zusammensetzen, um zu entscheiden, wie es weitergeht.

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Tuyen Kama von der Khi Bar ist indessen froh, bereits nach dem Lockdown eine Küche eingerichtet zu haben. „Deshalb öffnen wir nun früher“, sagt sie. „Aber natürlich waren wir trotzdem bis 1 Uhr immer gut besucht. Aber jetzt müssen wir eben kämpfen.“

Gastronomen konnten sich nicht vom Lockdown erholen

Auch Ines Kleiner, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, zeichnet ein düsteres Bild des Winters. Dem SÜDKURIER sagt sie: „Diese Maßnahmen werden der Gastronomie natürlich schaden. Die Gastronomen konnten sich trotz eines guten Sommers nicht von den Einschränkungen seit März erholen.“ Sie werden es deshalb auch weiterhin schwer haben, so Kleiner.

„Gastgewerbe ist kein Ausbreitungsschwerpunkt“

Die Dehoga sieht die drastischen Regelungen gespalten. Grundsätzlich wolle man deshalb auf die Unverhältnismäßigkeit der Sperrstundenregelung hinweisen. So sei das Gastgewerbe kein Ausbreitungsschwerpunkt für das Corona-Virus. Kleiner sagt: „Es ist nicht nachgewiesen, dass die Gastronomie ein besonders erhöhtes Infektionsrisiko darstellt.“

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Vielmehr verlagerten sich die privaten Partys in Privaträume und würden dies in Zukunft noch mehr tun. Dort halte man keine Abstände ein, und es müsse kein Hygienekonzept erstellt werden. In Berlin und Aachen wurde die Sperrstundenregelung bereits von den Verwaltungsgerichten gekippt. „Wir erwarten ebenfalls, dass unverhältnismäßige Auflagen gerichtlich geklärt werden“, betonte Kleiner.

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