„Wenn ich von meiner Wohnung aus irgendwo hin fahren möchte, fahre ich meistens vom Petershausener Bahnhof aus“, sagt Levin Eisenmann. „Manchmal stehe ich dann dort und schaue mich um und finde, dass sich in den letzten acht Jahren viel getan hat. Vor einigen Jahren stand hier noch gar nichts.“

Levin Eisenmann
Levin Eisenmann | Bild: Laurenz Krueder

Der Konstanzer ist 23 Jahre alt, studiert Jura im achten Semester und ist einer von rund 16.500 Studierenden in Konstanz. Als Mitglied der Jungen Union Konstanz und als CDU-Landtagskandidat ist er politisch sehr aktiv. Seinen Wahlzettel für die zweite Runde der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag hat er bereits abgegeben.

Beim ersten Wahlgang am 27. September 2020 lieferten sich Amtsinhaber Uli Burchardt und sein Herausforderer Luigi Pantisano ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Pantisano lag mit 38,3% knappe drei Prozentpunkte vor Burchardt, erreichte aber dennoch nicht die absolute Mehrzahl der Stimmen.

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Wichtige Themen bei der OB-Wahl waren unter anderem die Klima- und Umweltpolitik oder das Schaffen von günstigem Wohnraum. Das sind aber auch die Themen, die viele Studenten und Studentinnen in Konstanz interessieren und betreffen. Vor allem in urbaneren Gebieten, also wo viele Menschen auf wenig Raum leben, war Luigi Pantisano seinem Konkurrenten Uli Burchardt voraus.

Wo Konstanz besonders urban ist, ist das Quartier besonders von Studenten geprägt: Allein im Paradies reihen sich fünf Studentenwohnheime entlang der Rheingutstraße. Dort gingen 46,4% der Stimmen an Luigi Pantisano. Sehen die Wahlberechtigten, die in Konstanz ihr Studium absolvieren, also eher Pantisano an der Spitze?

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Sven Väth ist 19 Jahre alt und wohnt seit einem Jahr in Konstanz. Er ist für sein Physikstudium in die Stadt gezogen, seine Stimme bei der OB-Wahl vor knapp zwei Wochen hat er Luigi Pantisano gegeben. „Konstanz ist eine Studentenstadt“, sagt Sven. „Viele wollen herziehen, weil die Uni gut ist. Aber die Mieten kann man sich teilweise einfach nicht leisten“.

Sven Väth
Sven Väth | Bild: Julian Vögt

Dass die Mieten in Konstanz hoch sind und sich die Wohnungssuche unter anderem deshalb als schwierig erweist, ist kein Geheimnis. Das ist ein Problem, auf das auch viele Studenten stoßen, sobald sie sich dazu entscheiden, ihr Studium in Konstanz zu absolvieren. Pantisano wirbt unter anderem damit, städtische Grundstücke und Immobilien nicht an Investoren, sondern an die städtische WOBAK zu verkaufen.

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„Ich finde, das ist ein Ansatz, den man zumindest probieren sollte“, sagt Sven. Er findet aber, dass sich Amtsinhaber Uli Burchardt in den vergangenen acht Jahren für Studenten eingesetzt hat, beispielsweise bei der Neugestaltung von Klein-Venedig. „Aber gerade als Pantisano bei den Fridays-For-Future-Demonstrationen mitgelaufen ist, hat sich gezeigt, dass er junge Leute einfach ernst nimmt.“

Die Klimapolitik spielt beim Wahlkampf eine große – wenn nicht vielleicht sogar die größte – Rolle. Verena Faustein ist Studentin und gleichzeitig Stadträtin für das Junge Forum Konstanz. Sie studiert Umweltingenieurwesen an der HTWG und nimmt an allen großen Veranstaltungen von Fridays For Future teil.

Verena Faustein
Verena Faustein | Bild: Julian Vögt

Als Burchardt für Konstanz als erste Stadt Deutschlands den Klimanotstand ausrief, freute sich die 24-Jährige noch. Wie viele andere Klimaschützer war sie allerdings enttäuscht, als der jetzige Amtsinhaber gegen das Jahr 2030 als Ziel für ein klimapositives Konstanz stimmte.

„Für mich ist das ein Widerspruch und somit wirkt er nicht glaubwürdig“, sagt Verena Faustein. Ihrer Auffassung nach muss man sich Ziele setzen und diese dürfen ruhig sehr ambitioniert sein. „Ich bevorzuge jemanden an der Spitze, denn man bei seinem Vorhaben und Innovationen bremsen muss, anstatt ihn anzutreiben.“

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Was die einen unter Ambition verstehen, sehen andere als unrealistisch. „Es ist besser, realistisch und ehrlich zu sein und keine Luftschlösser zu bauen“, sagt Levin Eisenmann. Auch er glaubt, dass viele junge Leute Luigi Pantisano nicht zuletzt wegen seiner Klima- und Umweltpolitik gewählt haben. Für ihn ist Nachhaltigkeit ist aber nicht nur in diesem Bereich wichtig, sondern beispielsweise auch bei der Wohnungspolitik.

„Mit dem Handlungsprojekt Wohnen und dem Bau des neuen Wohnviertels Hafner hat Burchardt Weitsicht und Langfristigkeit gezeigt“, findet der Student. „Ich finde, in den letzten acht Jahren hat sich viel getan und vieles ist auf Burchardt zurückzuführen“. Als CDU-Mitglied gäbe es zwar Überschneidungen bei vielen Themen, sagt Levin, am meisten schätzt er Burchardt aber wegen seine pragmatischen und realistischen Politik.

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Elias Frese ist 19 Jahre alt und studiert Life Science an der Universität Konstanz. Er hat seine Stimme Uli Burchardt gegeben – unter anderem, weil er gegen eine autofreie Innenstadt ist. „Es ist nicht sinnvoll, die gesamte Innenstadt zur autofreien Zone zu erklären, denn irgendwie müssen die Leute ja nach Konstanz reinkommen und die Stadt lebt nunmal von Tagestouristen und Schweizern“. Er findet ebenfalls, dass sich die Stadt mit Uli Burchardt „gut weiterentwickelt hat“. Gerade aufgrund der Corona-Pandemie sei es außerdem wichtig, dass jemand mit Erfahrung an der Spitze ist.

Viele junge Menschen in Konstanz engagieren sich für das Klima und die Umwelt. Das Thema Klimaschutz spielt für sie die also kaum überraschend eine große Rolle bei der OB-Wahl. Aber auch von den Fragen rund ums Wohnen sind sie direkt betroffen. Und, egal ob sie noch zwei Semester hier in Konstanz sind und dann neue Ziele anstreben oder ob sie eine langfristige Perspektive in Konstanz suchen: Wer Oberbürgermeister wird, ist auch für sie von Bedeutung.

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