„Zwangsläufig spiele ich – mit zwei Kindern. Zuhause steht ein großer Schrank mit Spielen“, erzählt der in Konstanz geborene und aufgewachsene Schauspieler Oliver Wnuk. Dazu gehört auch die Junior-Version von „Die Siedler von Catan“, das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert.

Aus diesem Anlass hat die Insel Mainau ein riesiges, begehbares Spielfeld aufgebaut, das als Catan-Welt erfahrbar ist. Pflanzen, Steine, Holz und Lehm bilden die vorindustriellen Rohstoffe des Spieles ab. Umgeben ist es von einem Blumenmeer aus 14 verschiedenen insektenfreundlichen Pflanzen. „Als Kind habe ich gespielt, wenn wir mit der Familie unterwegs waren, etwa im Urlaub; aber weniger daheim. Ich habe gerne Schach gespielt. Später habe ich dann als Schauspieler gespielt. Dass ich jetzt wieder mehr spiele, liegt an den Kindern. Mit ihnen habe ich oft Karten gespielt, zum Beispiel Uno“, berichtet Wnuk.

Viele Mainau-Mitarbeiter waren beteiligt

Stefan Mayer íst eigentlich als Fahrer und Maschinist auf der Mainau angestellt. Aber an der Verwirklichung des Catan-Spielfeldes hat er einen großen Anteil. „Das war etwas, wo man hirnen muss“, sagt er stolz. „Wohl 95 Prozent von dem verwendeten Material ist irgendwo hier herumgelegen“, ergänzt er. Erfahrungen habe er bereits bei Installationen fürs Jahresmotto sowie bei den Herbst- und Frühlingsausstellungen gesammelt. „Aber ganz alleine habe ich das nicht gemacht“, fügt er hinzu.

Stefan Mayer hat maßgeblich am Catan-Spielfeld auf der Mainau mitgebaut.
Stefan Mayer hat maßgeblich am Catan-Spielfeld auf der Mainau mitgebaut. | Bild: Nikolaj Schutzbach

In Bereichen mitzuhelfen, die sonst nicht zu seinen eigentlichen Aufgaben gehören, ist für Mayer selbstverständlich: „Das gehört für uns zum normalen Tagesgeschäft“. In den vergangenen Monaten war dies noch deutlicher zu spüren.

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Da wegen der Corona-Pandemie die Mainau für gut zwei Monate geschlossen hatte, waren vor allem Mitarbeiter der Gastronomie in Kurzarbeit versetzt worden. Bei der Vorbereitung des Catan-Spielfeldes haben laut Geschäftsführerin Bettina Gräfin Bernadotte auch Gastro-Mitarbeiter „mit viel Begeisterung mitgewirkt und für überraschende Momente gesorgt“.

„Benutzt, aber nicht schäbig“

Gartendirektor Markus Zeiler erzählt von der Umsetzung: „Es sollte rustikal aussehen. Es durfte kein perfektes Mainau-Blumenbeet sein. Das wäre der falsche Ansatz gewesen“. Matthias Wagner, Leiter des Referats Gartenplanung, ergänzt: „Wir haben von Anfang an versucht, es alt, belebt und benutzt aber nicht schäbig aussehen zu lassen. Neue Materialien zu bekommen ist kein Problem. Das Team wusste, was das Ziel ist. Die Mainauer wissen einfach, wo was zu finden ist, um etwas Neues als Alt zu bauen. Wir haben einen relativ großen Fundus, weil wir immer wieder irgendwas brauchen“, erläutert Wagner.

Ein Goldfund in der Wüste: Gartenplaner Matthias Wagner schöpft aus dem Vollen.
Ein Goldfund in der Wüste: Gartenplaner Matthias Wagner schöpft aus dem Vollen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Stefan Mayer fand die Umsetzung vom zweidimensionalen Spielbrett in drei Dimensionen anspruchsvoll. „Eine Herausforderung war auch, einen Wald auf 23 Quadratmeter darzustellen. Wir haben drei Monate fast täglich daran gebaut. Nach vier Wochen sah es schon ähnlich aus wie heute. Den Rest der Zeit haben wir für den Feinschliff benötigt, um die Grundstruktur zum Leben zu erwecken. Vorher waren es nur leere Spielfelder“, berichtet Wagner.

„Spiele zu erfinden war mein Refugium“

Klaus Teuber ist der Erfinder von Catan. „Vor 40 Jahren war ich mit meiner Frau auf der Mainau. Da habe ich noch gar nicht daran gedacht, einmal Spiele zu erfinden“, erzählt der 68-Jährige. Nach einem Studium der Chemie bis zum Vordiplom trat er in das familiäre Dentallabor ein, machte eine Lehre und brachte es bis zum Meister. Aber es habe viel Ärger und Stress gegeben.

„Spiele zu erfinden war mein Refugium. Da konnte mir keiner reinreden. Das habe ich gemacht, ohne jemals daran zu denken, einen Verlag zu finden. Das war reine Freude am Tun. 1998 habe ich mich entschlossen das Labor den Kollegen zu überlassen und Spieleautor zu werden“.

Catan-Geschäftsführer Benjamin Teuber, Schauspieler Oliver Wnuk, Mainau-Geschäftsführer Bettina Gräfin Bernadotte und Catan-Erfinder Klaus Teuber stehen im übergroßen Catan-Spielfeld auf der Insel Mainau.
Catan-Geschäftsführer Benjamin Teuber, Schauspieler Oliver Wnuk, Mainau-Geschäftsführer Bettina Gräfin Bernadotte und Catan-Erfinder Klaus Teuber stehen im übergroßen Catan-Spielfeld auf der Insel Mainau. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Schon als Kind habe er gerne gespielt: „In der Pubertät hat sich das verflüchtigt. Erst bei der Bundeswehr habe ich das Spielen wieder entdeckt. Anfang der 1980er Jahre habe ich einen Fantasy-Roman von Patricia A. McKillip gelesen. Der hat mir gut gefallen. Ich war traurig, dass er zu Ende war. Da habe ich ein paar Elemente aus dem Buch herausgenommen und in einem Spiel wiedererweckt“, erzählt Klaus Teuber.

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Das Catan-Spielfeld auf der Insel Mainau

  • Größe: Das Catan-Spielfeld auf der Insel Mainau ist dem Original-Brettspiel nachempfunden. Jedes der 19 Felder hat rund 23 Quadratmeter, zusammen 437 Quadratmeter. Zusammen mit dem umliegenden Blütenmeer, das auch ein Meer darstellen soll, sind es sogar rund 10.000 Quadratmeter.
  • Öffnungszeiten: Besucht werden kann das Spielfeld während der Mainau-Öffnungszeiten. Die Spieleausgabe ist bis zum 13. September während der Zeit von 11 bis 17 Uhr besetzt. Dort können Catan und andere Spiele des Kosmos-Verlags ausgeliehen werden. Auf einer „Spielwiese“ mit Bänken und Tischen, die bei heißen Temperaturen mit Sonnenschirmen beschattet werden, kann nach Lust und Laune gespielt werden.
  • Erfolg: Catan wurde weltweit über 32 Millionen Mal verkauft, ist in über 70 Ländern erschienen und in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Um das Spiel international mit einem einheitlichen Namen vermarkten zu können, wurde das ursprünglich „Die Siedler von Catan“ genannte Spiel vor fünf Jahren in „Catan“ umbenannt.
  • Verlag: Catan erscheint im Stuttgarter Franckh-Kosmos Verlag (kurz Kosmos). Nachdem großen Erfolg von Catan baute der Verlag sein Spieleprogramm deutlich aus. Sein Programm umfasst Ratgeber, Naturführer, Sachbücher, Kochbücher, DVDs, Kinder- und Jugendbücher, Spiele, Experimentierkästen, E-Books und Apps. (nea)

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