96 Jahre ist Eva Gohm alt und saß vergangene Woche bei Dr. Heike Granzwo in der Praxis. Hier bekam sie ihre dritte Impfung, die sogenannte Booster-Impfung. Ein stolzes Alter, das die Ärztin dazu bewegte, kurz mal genauer in ihren Akten nachzuschauen. „Dr. Granzow musste schauen, ob sie nicht die älteste Patientin war“, erklärt Gohms Tochter, Inge Koppenhagen, die die Impfung für ihre Mutter organisierte. Und ja, die Vermutung von Heike Granzow war richtig. Eva Gohm ist die bisher älteste Patientin, die sich in ihrer Praxis eine Booster-Impfung abholte, wie Koppenhagen erzählt. Granzow sei so begeistert gewesen von der alten Dame, dass ein Erinnerungsfoto her musste.

Auch die 70-jährige Koppenhagen ließ sich am gleichen Tag wie ihre Mutter ein drittes Mal impfen. „Jetzt bei der Booster-Impfung ging das Ruckzuck“, erklärt Koppenhagen. Gerade einmal zwei Wochen dauerte es, bis sie den Termin erhalten hatte. Bei den ersten beiden Impfungen sah das noch anders aus. Damals musste sie ihre Mutter beispielsweise noch nach Singen bringen – extrem lange Wartezeiten vor Ort und Regen inklusive. Und auch überhaupt möglichst früh einen Termin zu bekommen, sei damals sehr schwer gewesen.

Die Bereitschaft in der Familie ist groß

Überreden musst Koppenhagen ihre Mutter aber nicht. Weder bei den ersten Malen, noch bei der Booster-Impfung. „Meine Mutter wohnt im betreuten Wohnen. Alle die dort wohnen waren bei der Impfung sofort dabei“, so Koppenhagen. Und auch in der Familie braucht es keine große Überredungskunst für den Pieks in den Arm. Ihre Tochter, eine Erzieherin, bekam alle Impfungen wegen ihres Berufs immer zuerst. Mittlerweile folgt die mit 13 Jahren Jüngste der Familie dem Beispiel der Uroma. Auch für das Nesthäkchen sei die Impfung selbstverständlich gewesen, schließlich wolle sie die Großeltern wieder besuchen. Nur bei Umarmungen ist sie weiterhin zurückhaltend.

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So wie Eva Gohm, ihrer Tochter Inge Koppenhagen und der Familie geht es aktuell vielen Menschen. Viele wollen sich die Auffrischungsimpfung abholen, wissen aber nicht, ob sie das müssen, wo sie zu bekommen sind und was sie bringt. Andere sind noch verunsichert. Wir haben zusammengefasst, was Sie zur Booster-Impfung wissen müssen.

Was ist die Booster-Impfung?

Dass die Anzahl der Corona-Infizierten wieder steigt, hat verschiedene Gründe. Laut aktuellen Erkenntnissen ist einer davon, dass die Wirkung der Impfungen schneller nachlässt, als man zu Beginn der Impfkampagne vermutet hatte. Besonders bei Geimpften im höheren Alter fiel die Immunantwort insgesamt schwächer aus, wodurch Impfdurchbrüche nun wahrscheinlicher werden.

Um dieser Entwicklung vorzubeugen, werden seit September Bundesweit die ersten Auffrischungsimpfungen, die sogenannten Booster-Impfungen, verabreicht. Laut den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg haben so im Landkreis Konstanz bereits 6.763 Menschen eine dritte Impfung erhalten (Stand: 14. November).

Wer sollte sich boostern lassen?

Grundsätzlich ist eine Booster-Impfung für diejenigen möglich, deren Grundimmunisierung bereits mehr als sechs Monate zurückliegt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) weißt aber darauf hin, dass es Personengruppen gibt, die beim Impffortschritt priorisiert werden sollten – beispielsweise ältere Mitbürger, wie Inge Koppenhagen und ihre Mutter. Nicht nur das Alter spielt hier aber eine Rolle. Auch das Pflegepersonal und das Personal in medizinischen Einrichtungen sollten nach aktuellem Stand Priorität haben, wie die Stiko in einer Stellungnahme zur Priorisierung vom 8. November erklärt.

Gerade bei den aktuell steigenden Zahlen macht eine Priorisierung Sinn, um Impfdurchbrüche zu verhindern und damit auch die Zahl der belegten Intensivbetten möglichst gering zu halten. Langfristig sei es laut der Stiko aber sinnvoll, auch über die Risikogruppen hinaus die Impfungen aufzufrischen.

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Was ist mit Johnson&Johnson?

Eine weitere Ausnahme sind Personen, die sich mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson impfen ließen. Nach aktuellen Erkenntnissen lässt der Impfschutz hier früher nach als bei anderen Impfstoffen. So traten auch die meisten Impfdurchbrüche bei Menschen auf, die mit diesem Impfstoff geimpft wurden. Deshalb empfiehlt das Bundesministerium für Gesundheit eine weitere Impfung frühestens vier Wochen nach der Spritze mit diesem Impfstoff. Bei Unsicherheiten betreffend des Schutzes bleibt es aber weiter ratsam, ärztlichen Rat hinzuzuziehen.

Wo gibt es Impfangebote in der Stadt Konstanz?

Prinzipiell können alle Haus- und Fachärzte jeden in Deutschland zugelassenen Impfstoff anbieten. Eine Liste der Praxen, die diese im Landkreis Konstanz anbieten, finden Sie auf der Website des Landratsamtes Konstanz. Zusätzlich wird es künftig auch wieder mehr Impfaktionen in Konstanz geben, wie Walter Rügert, Sprecher der Stadtverwaltung, auf Anfrage des SÜDKURIER erklärt.

Der nächste Impftag im Bürgersaal findet beispielsweise am 20. November von 10 bis 16 Uhr statt. „Wir haben für diesen Termin das Personal aufgestockt, müssen aber dennoch darauf hinweisen, dass mit längeren Wartezeiten zu rechnen ist“, so Rügert.

Die Mobilen Impfteams werden aber nicht von der Stadt, sondern Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN) organisiert. Die Stadt als Partner unterstütze die Aktionen der Mobilen Impfteams mit Räumen, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und auch Personal, wie Rügert im Gespräch mit dem SÜDKURIER sagt. Er erklärt weiter: „Wir planen mit dem Landratsamt und dem GLKN kurzfristig eine deutliche Ausweitung der Impftermine. Wer also am 20. November nicht zum Zuge kommt, für den gibt es noch eine ganze Reihe von Alternativterminen.“ Über die Termine werde die Stadt demnächst informieren.

Ob es künftig auch wieder ein Impfzentrum geben wird, ist aber noch nicht klar, das liege in der Hand des Sozialministeriums. Die Stadt habe sich aber früh engagiert, dass es wieder ein solches geben werde, so Rügert.