James Bond ist ein absoluter Kassenschlager. Doch er wurde wie andere große Filme vom Stile von „Fast & Furious 9“ verschoben. Denn die Kinos sind geschlossen. Während sonst bis zu 120 Millionen Zuschauer jährlich die Kinosäle Deutschlands stürmen, herrscht momentan Flaute – ausgerechnet in der Hochsaison zwischen November und März. Das trifft auch die Konstanzer Kinos schwer.

Cinestar fehlen 70 Prozent Umsatz

Um die Kinos zu retten, hat der Bund Überbrückungshilfen und das Zukunftsprogramm Kino beschlossen. In diesem Jahr soll das Programm laut Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf 25 Millionen Euro aufgestockt werden. Doch welche Hilfen kommen überhaupt bei den Konstanzer Kinos an? Und wie gehen sie mit den leeren Besuchersälen um?

Die Besuchersäle im Cinestar bleiben leer, ebenso die Kassen. Beide Kinos haben daher bereits Staatshilfen beantragt.
Die Besuchersäle im Cinestar bleiben leer, ebenso die Kassen. Beide Kinos haben daher bereits Staatshilfen beantragt. | Bild: Cinestar

Normalerweise macht das Cinestar in Konstanz zwischen Oktober und März knapp 60 Prozent seines Umsatzes. Der fällt jetzt komplett weg. Insgesamt fehlen 2020 sogar mehr als 70 Prozent an Umsatz und Besuchern, rechnet Geschäftsführer Hans-Detlef Rabe vor.

„Deshalb mussten wir Überbrückungsgeld I und II und die Novemberhilfe beantragen“, sagt er. Die erste Überbrückungshilfe und die Anzahlung der Novemberhilfe seien schon da. „Demnächst müssen wir auch die Dezemberhilfe beantragen“, führt er weiter aus. Zudem waren Einschnitte nötig: So sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit und einige auslaufende Verträge wurden nicht verlängert.

Die Existenz ist noch gesichert

Doch trotz der Hilfen könne das Cinestar aktuell nur überleben, da es zuvor gut gewirtschaftet habe und über Reserven verfüge, verrät der Geschäftsführer. So habe die wirtschaftliche Lage im Sommer nach dem ersten Lockdown noch gut ausgesehen. Aktuell sei die Existenz erst einmal gesichert.

„Dennoch ist das keine schöne Situation. Wir wollen wieder loslegen, sobald es erlaubt ist“, sagt Rabe. Eine Alternative habe er nicht: Streaming-Angebote lohnen sich für das Cinestar nicht, da man nicht gegen große Anbieter wie Netflix ankomme. Deshalb sei die Lage problematischer als im Einzelhandel, der Webshops anbieten könne, urteilt Rabe.

„Wir wollen wieder loslegen, sobald es erlaubt ist“, sagt Hans-Detlef Rabe, Geschäftsführer des Cinestar.
„Wir wollen wieder loslegen, sobald es erlaubt ist“, sagt Hans-Detlef Rabe, Geschäftsführer des Cinestar. | Bild: Oliver Hanser

Etwas anders sei die Lage dagegen beim Zebra Kino. „Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht ganz so groß, weil wir ein gemeinnütziges Kino und ein Verein sind. Deshalb müssen wir keinen Gewinn machen“, gibt Geschäftsführer Christoph Sinz leichte Entwarnung.

Zudem verhindern Spenden und der Zuschuss durch die Stadt Konstanz das Schlimmste, da sie die Fixkosten auch ohne Betrieb decken. Der städtische Zuschuss sei trotz der Pandemie für 2020 komplett ausbezahlt worden.

Dank der städtischen Förderung kommt das Zebra Kino relativ gut durch die Pandemie. Und bietet jetzt auch online Filme an.
Dank der städtischen Förderung kommt das Zebra Kino relativ gut durch die Pandemie. Und bietet jetzt auch online Filme an. | Bild: SK

Da das Zebra Kino auch in diesem Jahr wieder institutionell gefördert werde, bleibt Sinz zuversichtlich: „Solange die Krise nicht ein oder zwei Jahre anhält, kommen wir über die Runden.“ Bedrohlich werde es erst, wenn die Stadt ihre Förderung überdenke.

Auch hier hilft das staatliche Überbrückungsgeld. „Wir haben im Sommer bereits eine kleine Summe in Anspruch genommen und arbeiten momentan daran, die Novemberhilfen zu beantragen“, gibt Sinz Auskunft. Rosig sei Lage dennoch nicht. Beide Geschäftsführer seien in Kurzarbeit. Und durch die Schließung des Kinos fehle das Geld für wichtige Investitionen.

„Ohne die Ehrenamtlichen kann das Zebra Kino nicht weiter existieren“, betont Christoph Sinz, Geschäftsführer des Zebra Kino.
„Ohne die Ehrenamtlichen kann das Zebra Kino nicht weiter existieren“, betont Christoph Sinz, Geschäftsführer des Zebra Kino. | Bild: Jörg-Peter Rau

Sinz sieht die größte Gefahr für sein Kino jedoch darin, die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter durch den langen Ausfall zu verlieren. Grund hierfür: Ehrenamtliche Studenten scheiden aus, können aber wegen der Pause keine Nachfolger einlernen – es fehlt an Nachrückern. Deshalb werde es nötig sein, in den kommenden Jahren neue Kampagnen zu starten, um Filmbegeisterte für das Zebra Kino zu gewinnen, erklärt er.

Die Kinobranche könnte sich wandeln

Zudem teilen beide Kinobetreiber die gemeinsame Sorge um die generelle Zukunft der Filmbranche. „Viele Menschen werden sich daran gewöhnen, Filme einfach zu Hause zu streamen“, erklärt Sinz. Deshalb könne es sein, dass die Zuschauerzahlen nach einer Neueröffnung nicht sofort das alte Niveau erreichen werden – besonders bei außergewöhnlich aufwendigen Filmen.

Das könne vor allem für das Cinestar zu einem Problem werden, weil Gelegenheitszuschauer wegbleiben. So hat zum Beispiel Warner, eine der großen Film- und Fernsehgesellschaften, angekündigt, dass viele Kinostarts 2021 parallel auch online zu sehen sein werden.

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Auch Hans-Detlef Rabe sieht daher die Gefahr nachhaltiger Folgen: „Ich hoffe, dass die Menschen danach dass Bedürfnis nach Kino, Ausgehen und Gemeinschaft haben. Aber niemand kann die langfristigen Veränderungen auf die Filmbranche durch Streaming-Dienste vorhersagen.“

Es gibt Anlass für Hoffnung

Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer für ihn: Große Filme wie Tenet haben im vergangenen Jahr auch unter Corona-Einschränkungen viele Zuschauer angelockt und sehr gute Ergebnisse erzielt.

Auch Christoph Sinz blickt optimistisch auf die Zukunft des Zebra-Kinos: „Die ganz großen Filme könnten es im Kino schwer haben. Doch Leute, die wegen bestimmter Arthouse-Filme ins Kino gehen, werden nach Corona wieder kommen. Und genau solche besonderen Titel werden im Zebra Kino gezeigt.“