Dabei war der Betrieb immer weiter gegangen, allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten und einem Einbruch beim Umsatz. Der ehrenamtliche Geschäftsführer Ralf Rosbach beziffert diesen für März auf rund 70 Prozent. Erst seit wenigen Tagen kämen wieder mehr Aufträge. Es reiche aber noch nicht, um alle Menschen mit Behinderung wieder in den Betrieb zu holen.

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Rosbach sagt, vor etwa vier Jahren habe Indigo (ein Tochterbetrieb der Paritätischen Sozialdienste und des Hilfsvereins für seelische Gesundheit, der unter den üblichen Marktbedingungen wirtschaftet) die schwarze Null erreicht. Jetzt beginne der Überlebenskampf von Neuem.

Auch die Radwerkstatt ist betroffen

Trotz aller Schwierigkeiten habe Indigo wegen der Mindestlöhne im Bügelservice von sich aus das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent aufgestockt. Teamleiterin Ulrike Schmidt blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft: „Wir hoffen, dass wir unsere Mitarbeiter zurückholen dürfen.“

Ob die Kurzarbeit, das Arbeiten von zu Hause und die geschlossenen Grenzen zur Schweiz auf längere Zeit den Bedarf an Bügelwäsche verändern werden, kann noch niemand sagen. Auch die Radwerkstatt von Indigo am Schnetztor sei durch die Corona-Krise stark getroffen worden, stellt Ralf Rosbach fest. Es seien keine Leihräder nachgefragt worden, kaum Aufträge fürs Radputzen eingegangen und deutlicher weniger für Reparaturen. Auch hier gilt Kurzarbeit.

Nur die geliebten Wellensittiche spenden Trost

Brigitte Matzke berichtet, wie hart sie diese treffe. Sie habe acht Jahre Arbeitslosigkeit hinter sich gehabt, als sie vor 15 Jahren im Haus am Briel bei der Paritätischen Wohlfahrt ein Praktikum machen und dann beim Bügelservice Indigo einsteigen konnte. Seit sie in Kurzarbeit ist, vermisst sie ihre Arbeitskollegen. Trost spendeten ihre „Raufbolzen“, die beiden geliebten Wellensittiche. Sie habe auch eine Betreuerin, die sie emotional und in Finanzfragen unterstütze. An ihrem Taschengeld habe sich unter dem Strich nichts geändert. Es reiche für sie, das Vogelfutter, und durch eisernes Sparen auch mal für neue Möbel.

Schwierige Zeiten erleben auch Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen in den Werkstätten Seewerk der Caritas. Diese haben 330 Mitarbeiter in den Niederlassungen im Landkreis, 80 in der Werkstatt in Stromeyersdorf. Alle behinderten Beschäftigten seien am 19. März nach Hause geschickt worden, als über die Corona-Verordnung ein Betretungsverbot kam, berichtet Matthias Ehret vom Caritas-Vorstand.

Ein geregelter Alltag ist wichtig

Behinderte zählen zu den besonders gefährdeten Personenkreisen. Für geistig Behinderte gelte: „Es ist elementar, dass sie einer Arbeit nachgehen können.“ Weniger zu arbeiten sei kein Problem. Wenn aber die Tätigkeit komplett wegfalle, dann drohten erlernte Fähigkeiten verloren zu gehen.

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Die Caritas bemühe sich, den Wiedereinstieg zu ermöglichen, eventuell in Teilzeit und Schichten, so dass immer ausreichend Abstände gewährleistet sind. Man sei dabei, die Abläufe auf die Infektionsgefahren auszurichten, etwa mit einer Fieber- und Symptomkontrolle, neuen Laufwegen und Beschilderungen. „Wir wollen so schnell wie möglich jedem was anbieten können.“

Ein Speisesaal als Werkstatt

Für die Bewohner des Hauses St. Franziskus hatte die Caritas schnell eine einfache Lösung gefunden. Damit diese den Wohnkomplex gar nicht verlassen müssen, wurden Turnhalle und Speisesaal des angeschlossenen Konradihauses zur Werkstatt umfunktioniert.

Um die Kontakte zu minimieren, hätten Personen, die in einer Gruppe wohnten, auch eine Arbeitsgruppe gebildet. Mitarbeiter aber, die aus anderen Einrichtungen oder Familien kamen, durften nicht in die Ersatzwerkstatt. Für sie habe man nach einiger Zeit Notgruppen einrichten dürfen, vergleichbar denen in den Kindertagesstätten. „Familien erwachsener Behinderter haben die gleichen Probleme wie Eltern mit kleinen Kindern“, stellt Matthias Ehret fest.

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