Steigende Infektionszahlen in der Schweiz, gelebte Sorglosigkeit auf beiden Seiten der Grenze: Wie gehen Konstanzer und Kreuzlinger damit um, dass es eine zweite Welle von Corona-Erkrankungen geben könnte?

So idyllisch wie an diesem Sonntag ist es diesen Sommer nicht jeden Tag: An der Kunstgrenze, wo bis vor Kurzem noch ein doppelter Zaun die Städte nachdrücklich voneinander trennte, liegen Familien und Kleingruppen in der Sonne oder grillen.

Zwei Konstanzer fordern mehr Rücksicht

Daniel Mattmüller und Evelyn Asllani, beide aus Konstanz, haben sich ihren Platz ein paar Meter jenseits der Landesgrenze gesucht. Beiden ist bei der zunehmenden Sorglosigkeit der Ansteckungsgefahr gegenüber mulmig zumute. „Ein Drittel der Menschen tragen im Nahverkehr schon keine Maske mehr“, sagt Mattmüller. Asllani hat beobachtet, dass zum Teil im Konstanzer Handel an den Kassen kaum noch Abstand gehalten werde – auch von Schweizern. Dass die Grenze geöffnet wurde, befürworten sie dennoch. „Aber mehr Rücksichtnahme wäre unbedingt nötig“, betont Mattmüller.

Evelyn Asllani und Daniel Mattmüller möchten mehr Rücksichtnahme von ihren Mitbürgern.
Evelyn Asllani und Daniel Mattmüller möchten mehr Rücksichtnahme von ihren Mitbürgern. | Bild: Anthony Anex

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Ein Schausteller macht sich Sorgen

Ein paar Meter weiter steht ein Riesenrad am Rand des Seeburgparks. Der Andrang ist mäßig, aber für Frequenz ist doch gesorgt. Das ist ganz im Sinne von Martin Schmidt, Betreiber der Confiserie Martin, der Softeis und gebrannte Mandeln an Kinder und Erwachsene verkauft. Schmidt macht sich Sorgen. „Niemand hat mehr Hemmungen“, sagt er. „Am Anfang haben wir Abstandsstriche eingezeichnet. Aber das bringt nichts mehr.“ Er fürchtet um seine Existenz, sollte es einen zweiten Lockdown wegen steigender Infektionszahlen geben: „Dann leiden alle.“

Auch Semira und Thomas Sacilik aus Tägerwilen haben Zweifel, ob die Lockerungen der momentanen Lage gut tun. „Das Tanzen und die Cluböffnung halte ich für verfrüht“, sagt Semira Sacilik. Sie gehe im Moment nicht nach Konstanz zum Einkaufen, die Stadt sei ihr viel zu voll.

Semira und Thomas Sacilik aus Tägerwilen sind der Meinung, dass viele Corona-Lockerungen zu früh kamen.
Semira und Thomas Sacilik aus Tägerwilen sind der Meinung, dass viele Corona-Lockerungen zu früh kamen. | Bild: Wagner, Claudia

Der Gastronom hätte auf die Grenzöffnung vorerst verzichtet

Fabrizio Ribezzi teilt Schmidts Bedenken. Er ist Betreiber des Restaurants Alti Badi, kulinarisches Herzstück im Seeburgpark. „Die Hygieneregeln interessieren hier keinen mehr“, sagt er. Das mache ihn wütend – schließlich habe er als Gastronom ein aufwendiges Hygienekonzept aufstellen müssen. Ribbezzi befürchtet, dass die Landesgrenzen zu früh geöffnet wurden. „Der Staat hat eine Entscheidung getroffen – und sie dann wieder aufgerissen.“

Fabrizio Ribezzi und seine Tochter Maxine Mayer im Restaurant Alti Badi.
Fabrizio Ribezzi und seine Tochter Maxine Mayer im Restaurant Alti Badi. | Bild: Wagner

Verständnis für die Clubszene

Der Gastronom versteht, dass die Clubszene auf Öffnung gedrängt habe. Wirtschaftlich sei die Schließung nicht durchzuhalten. Deshalb hätte er eben dafür plädiert, vorerst die Grenzen geschlossen zu halten. Im Moment gleicht seine Arbeit einer Aufholjagd, die kaum zu gewinnen ist. Immerhin: An sonnigen Tagen läuft das Geschäft. Wenn nur keine zweite Infektionswelle folgt.