Das in Konstanz zum Zweck der Pandemie-Eindämmung eingeführte Angebot eines Seniorentaxis wird durchschnittlich 45 Mal pro Tag genutzt. Stadtkämmerer Ulrich Schwarz bewertet dies als sehr gut, angesichts eines Zuschussbedarfs von 14 Euro pro Fahrt reicht der vom Gemeinderat für die Aktion zur Verfügung gestellte Betrag in Höhe von 30.000 Euro aber nur noch bis zum März.

Nach seiner Berechnung sind weitere 10.000 Euro erforderlich, damit das Angebot des Senioren-Taxis bis zum Frühjahr beziehungsweise bis Ostern aufrecht erhalten werden kann.

Knappe Ratsmehrheit für Berechtigung ab 70

Doch bei den Stadträten sitzt das Geld inzwischen nicht mehr so locker wie zu Beginn der zweiten Corona-Welle. Grundsätzlich werden die Vorkehrungen zur Kontaktvermeidung quer durch die Fraktionen insbesondere für die hauptsächlich von der Pandemie betroffene ältere Bevölkerungsschicht zwar als sinnvoll erachtet, dennoch soll das Angebot eingeschränkt werden.

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Eine knappe Mehrheit der Stadträte entschied sich für die Anhebung des Alters bei der Nutzung des Senioren-Taxis auf die Personengruppe jenseits von 70 Jahren – gültig ab März. Bis dahin gilt noch die bisherige Regelung, wonach das Angebot ab einem Alter von 60 Jahren genutzt werden kann. Mit der beschlossenen Beschränkung kommt die Stadt nach Einschätzung des Kämmerers mit dem bisherigen Betrag von 30.000 Euro über die Runden.

Wie wird eine Vorerkrankung definiert?

Den Wortführer bei der Begründung für die Einschränkung der Berechtigten machte Alfred Reichle von der SPD. Er stört sich vor allem an pauschalen Ausrichtung der Berechtigung zur Nutzung des Seniorentaxis. Bei einem in der Stadt unter der Marke von 50 liegendem Inzidenzwert sei die Fortführung des Angebots nach bisherigem Muster kaum noch zu rechtfertigen.

Ein gezielteres Vorgehen wünscht er sich ferner wegen des prinzipiell nicht an ein Lebensalter gebundenes Kriteriums der Vorerkrankung. „Eine reine Gehbehinderung beispielsweise sehe ich nicht zwangsläufig als eine für den Verlauf einer Corona-Infektion relevante Vorerkrankung an“, so Alfred Reichle.

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Verena Faustein vom Jungen Forum Konstanz (JFK) unterstützte ihren Ratskollegen mit dem Hinweis, dass nach ihrer Beobachtung zurzeit nur wenige oder gar keine Fahrgäste mit den städtischen Bussen unterwegs seien. Die Gefahr eines Kontakts beziehungsweise einer Corona-Infektion bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in der Innenstadt stuft sie von daher als gering ein.

Till Seiler (FGL) schloss sich der Mehrheitsmeinung an und hält ein „kritisches Hinterfragen“ der Aktion für berechtigt – wollte sich persönlich allerdings nicht allzu sehr aus dem Fenster lehnen, da er selbst der Altersgruppe der unter 60-Jährigen angehört.

Linken-Stadtrat will auf Nummer sicher gehen

Für die Beibehaltung der bisherigen Regelung und der damit verbundenen Aufstockung des Zuschussbetrags um 10.000 Euro sprachen sich unter anderem Marcus Nabholz (CDU) und Holger Reile (Linke Liste Konstanz) aus. Der CDU-Stadtrat führte dabei seine jahrzehntelange berufliche Erfahrung im Pflegebereich ins Feld, wonach es bei den den über 60-Jährigen bis auf wenige Ausnahmen so gut wie niemanden ohne Vorerkrankung gebe.

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LLK-Stadtrat Holger Reile plädierte für die Aufrechterhaltung des Senioren-Taxis nach bisherigen Muster, weil er auf Nummer sicher gehen möchte. „Wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen“, argumentierte er, „und allein schon wegen der Gefahr von Virus-Mutationen am Angebot ab 60 Jahren festhalten.“