Durch Kurzarbeit und Homeoffice verbringen wir mehr Zeit in den eigenen vier Wänden. Verbrauchen die Konstanzer deshalb auch mehr Strom und Wasser? Überraschenderweise nicht.

„Der Verbrauch geht aktuell zurück“, sagt Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz. Der Grund: „Die Privathaushalte wiegen nicht auf, was die Unternehmen normalerweise verbrauchen.“ Beim Strom waren es im März 7 Prozent weniger und im April rund 19 Prozent.

Bild: SÜDKURIER-Grafik
„Im April kommt hinzu, dass wir aufgrund des schönen Frühlingswetters einen hohen Teil Solareinspeisung hatten. Die sieben Prozent aus dem März dürften nach unserer Einschätzung aber den Rückgang des Stromverbrauchs wiedergeben, der durch die Corona-Krise bedingt ist“, sagt Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz.
„Im April kommt hinzu, dass wir aufgrund des schönen Frühlingswetters einen hohen Teil Solareinspeisung hatten. Die sieben Prozent aus dem März dürften nach unserer Einschätzung aber den Rückgang des Stromverbrauchs wiedergeben, der durch die Corona-Krise bedingt ist“, sagt Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz. | Bild: Michael Buchholz

Beim Wasserverbrauch seien die Zahlen in den ersten drei Monaten ebenfalls rückläufig. Siebler vermutet aber, dass der Rückgang mit Leckstellen im Netz zusammenhängt, die im vergangenen Jahr behoben wurden. „Hier gibt es keine zuverlässige Aussage im Hinblick auf die Krise.“ Auf den Verbrauch wirke es sich jedenfalls nicht aus, ob die Hände am Arbeitsplatz oder im Homeoffice gewaschen werden.

Wasseroberfläche des Bodensees wirkt klarer

Konstanzerin Ute Kledt ist beim Schwimmen aufgefallen, dass die Wasseroberfläche des Bodensees klarer wirkt und weniger Verunreinigungen zu erkennen sind.

Auch Leserin Tanja Brost ist von dem klaren Wasser des Bodensees begeistert.
Auch Leserin Tanja Brost ist von dem klaren Wasser des Bodensees begeistert. | Bild: Tanja Brost

Der Eindruck täuscht nicht. Dies bestätigt das Institut für Seenforschung der Landesanstalt für Umwelt Baden Württemberg. „Aufgrund einer geringeren Befahrung und Nutzung des Sees während der Corona-Verordnung ist es möglich, dass es im Uferbereich zu einer größeren Sichttiefe und damit zu einem klareren See gekommen ist“, sagt Pressesprecherin Tatjana Erkert.

Das könnte Sie auch interessieren

Messbare Daten liegen für diesen kurzen Zeitraum allerdings nicht vor. Josef Siebler geht von einer geringeren Trübung in der Flachwasserzone aus, „da es keine oder deutlich weniger Touristen gibt“. In der Flachwasserzone stehen die Wurzelbereiche der Pflanzen teilweise oder ganz im Wasser.

Stadtreinigung hat 30 Prozent weniger Müll zu beseitigen

Hingegen sind die Auswirkungen der Corona-Krise bei der Stadtreinigung deutlich zu spüren. „Infolge der Ausgangsbeschränkungen und Sperrungen der Sport- und Grillplätze kam es zu einem deutlichen Rückgang der Müllmengen“, sagt Henry Rinklin, Abteilungsleiter Stadtreinigung der Technischen Betriebe Konstanz (TBK). Er beziffert diesen auf 30 Prozent.

Die Müllbehälter seien zwar nicht so voll und der wilde Müll liege „nicht so dicht“ umher, „geleert werden müssen sie trotzdem“, sagt Rinklin.

„Durch den To-Go-Verkauf der Gastronomiebetriebe können solche Situationen entstehen“, sagt Henry Rinklin, Abteilungsleiter Stadtreinigung der Technischen Betriebe Konstanz. Die Müllmengen in öffentlichen Abfalleimern gehen zwar zurück, überquellende Mülleimer gibt es dennoch.
„Durch den To-Go-Verkauf der Gastronomiebetriebe können solche Situationen entstehen“, sagt Henry Rinklin, Abteilungsleiter Stadtreinigung der Technischen Betriebe Konstanz. Die Müllmengen in öffentlichen Abfalleimern gehen zwar zurück, überquellende Mülleimer gibt es dennoch. | Bild: privat

Bei den häuslichen Müllmengen zeichnet sich hingegen keine Veränderung ab. „Alles sehr unspektakulär“, sagt Julia Gunsilius, Pressesprecherin der Entsorgungsbetriebe der Stadt Konstanz (EBK). Es sei weder ein Rückgang noch eine Steigerung zu erkennen. „Die März-Mengen waren insgesamt schon sehr unauffällig. Im April sieht es nicht viel anders aus. Es sind absolut keine Auffälligkeiten bei Gelben Säcken, Papier und Glas zu erkennen“, sagt Gunsilius.

Hier landen unter anderem die gelben Säcke: Ein Archivbild von der Umladestation und dem Werstoffhof Dorfweiher der Entsorgungsbetriebe Konstanz.
Hier landen unter anderem die gelben Säcke: Ein Archivbild von der Umladestation und dem Werstoffhof Dorfweiher der Entsorgungsbetriebe Konstanz. | Bild: Jonas Schönfelder

Die Abfallmengen aus Haushalten, zum Beispiel Kartonagen und gelbe Säcke, wurden laut Gunsilius dadurch ausgeglichen, dass bei vielen Firmen in Kurzarbeit oder durch Stilllegung von Betrieben keine Abfälle angefallen seien. „Somit waren es lediglich Mengenverlagerungen“, bilanziert sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Einfluss des Verkehrs auf die Luftqualität

Im Vergleich zum Müll sei bei der Luftqualität schwieriger zu beurteilen, ob sich diese durch geringeres Verkehrsaufkommen seit der Corona-Pandemie verbessert habe, sagt Tatjana Erkert, Pressesprecherin bei der Landesanstalt Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).

An der Messstelle in der Wallgutstraße werden von der LUBW Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid und Feinstaub gemessen. Auffällig sei, dass vom 1. Januar bis 16. März der Stickstoffdioxid-Mittelwert 23 Mikrogramm pro Kubikmeter betrug, ab dem 17. März bis 10. Mai nur noch 15 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Neben dem Rückgang des Verkehrs spielt Windstärke und Regen bei einer Abnahme von Luftschadstoffkonzentrationen in der Atmosphäre eine entscheidende Rolle.
Neben dem Rückgang des Verkehrs spielt Windstärke und Regen bei einer Abnahme von Luftschadstoffkonzentrationen in der Atmosphäre eine entscheidende Rolle. | Bild: SÜDKURIER-Grafik

Der Rückgang der Stickstoffdioxid-Konzentrationen in Konstanz hängen also zum einen von den geringeren Emissionen durch den Verkehr ab. Zum anderen von der Wetterlage. In welchem Ausmaß der wegen der Corona-Krise reduzierte Verkehr geleistet habe, sei jedoch nicht genau zu beziffern, sagt Erkert.

Was jedoch erfreulich ist: „Generell sind in Konstanz die Belastungen durch Luftschadstoffe in den letzten Jahren zurückgegangen“, sagt Erkert.

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.