Eine Schule, eine Kirche, von zwei Seiten Geschäfte, die den Platz umrahmen – und in der Mitte: Autos. Das ist der Stephansplatz heute. In Zukunft soll es hier anders aussehen, das planen Stadtverwaltung und Gemeinderat schon lange. Im Jahr 2021 soll die Umgestaltung beginnen, unter Einbeziehung der einzelnen Interessengruppen rund um den Platz.

Alle Akteure sollen mitreden können

Mitgestalten sollen die Stephansschule, die Anwohner, Einzelhändler und nicht zuletzt die Kirchengemeinde. Auf grobe Ziele haben sich Verwaltung und Gemeinderat bereits geeinigt: Die Aufenthaltsqualität auf dem Platz soll besser, der Markt am Stephansplatz attraktiver, der Baumbestand erhalten und erweitert werden. Mehr Grün soll dazu beitragen, den Platz zu kühlen. Wie er künftig genau aussehen wird, ob es Bänke oder Spielelemente oder Wasserspiele gibt, das ist noch unklar.

Markttag am Stephansplatz im Mai 2020. (Archivbild)
Markttag am Stephansplatz im Mai 2020. (Archivbild) | Bild: Eva Marie Stegmann

Nach Beschlusslage müssen allerdings die Autos vom Platz weichen. Das Büro Planstatt Senner schlägt vor, auf dem Platz ein Blätterdach zu schaffen, das den Vorteil habe, sich kühlend auszuwirken. Drei Bäume sollen bereits gepflanzt werden, bevor die Interessensgruppen an der Umgestaltung beteiligt werden.

Christian Koßmehl schlägt Handwerkerstellplätze vor

Allerdings sind längst nicht alle, die etwa am oder um den Stephansplatz ihr Geld verdienen, überzeugt davon, dass dort keine Autos mehr stehen sollen. Christian Koßmehl (FW) spricht für die Handwerker im Technischen Ausschuss: „Wir Handwerker dürfen im Moment lediglich zum Be- und Entladen in die Innenstadt fahren, das müssen wir anmelden. Wenn ich aber eine Baustelle in der Innenstadt habe und dort täglich beschäftigt bin – wo parke ich dann?“

Koßmehl plädiert dafür, auf der Rückseite des Stephansplatzes bei der Turnhalle Handwerkerparkplätze zu schaffen. „Ich denke an etwa 20 Stellplätze, aber über die Anzahl kann man diskutieren.“

„Forderung ungenügend durchdacht“

Auch andere wollen sich den Stephansplatz nicht ohne seine Funktion als Parkplatz vorstellen. Evelyne Fritschi, Inhaberin des Reformhauses, will den Erhalt von Stellplätzen zumindest nicht ausschließen. „Ich sehe die Abschaffung des Parkplatzes kritisch, da wir auf ihn angewiesen sind“, sagt sie und bezieht sich auf ihre Schweizer Kunden, die es schätzten, nahe ans Geschäft heranzufahren.

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„Autofrei ist für die Zukunft natürlich ein Thema“, räumt Fritschi ein – doch sie sehe im Moment längst nicht genügend alternative Mobilitätsangebote, um auf Stellplätze verzichten zu können. „Es kommt mir vor, als würde im Hau-Ruck-Verfahren eine Forderung durchgesetzt, die ungenügend durchdacht ist.“ Eine Neugestaltung sei immer willkommen – aber sie glaube, dass bisher eine zündende Idee fehle. Und angesichts der Corona-Krise hätten es die Händler im Moment schwer genug.

Eine Markthalle als Gestaltungsvorschlag

Auch Frank Neu, Inhaber eines Bekleidungsgeschäfts, ist nicht überzeugt von den Zielen der Umgestaltung. „Wenn hier Stellplätze wegfallen, dann muss man anderswo Ersatz schaffen“, sagt er. Er weist darauf hin, dass die Stadt die Steuereinnahmen durch die Händler brauche, andererseits aber auch die Gelder, die sie durch Stellplatzgebühren und Strafzettel einnimmt.

Bild: Wagner, Claudia

Er befürchtet, dass auch nicht bedacht werde, wo die Eltern, die ihre Kinder zur Stephansschule bringen, parken sollen. Frank Neu hat einen anderen Vorschlag, den er schon mehrfach in die Debatte eingebracht habe: Warum man am Stephansplatz nicht Markthallen nach dem Freiburger Vorbild einrichte mit regionalem Gemüse- und Obstangebot, sodass die Konstanzer täglich und überdacht dort einkaufen könnten. Er glaube, dass ein solches Konzept attraktiv wäre.

Mehr Platz fürs Café ist gewünscht

Auch Petra Gänsslen, Team-Leiterin bei Marc O‘Polo, sieht es als wichtig an, dass ein Teil des Parkplatzes erhalten bleibt. „Ich würde ein paar Stellplätze erhalten und noch mehr Radstellplätze schaffen, sagt sie. „Ganz autofrei wäre aus meiner Sicht nicht gut. Für die Optik fände ich es schön, wenn sich das Cafe neben uns ausbreiten dürfte. Parkbänke und mehr Bäume wären toll.“ Nicht alle Händler setzen auf einen Parkplatz direkt vor ihrem Geschäft.

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Gunda Kiderlen, Inhaberin des Blumengeschäfts am Platz, freut sich, dass künftig keine Autos mehr am Stephansplatz abgestellt werden. „Lieferanten sollten weiterhin liefern können“, sagt sie, und ein Kurzzeitparken wäre auch eine Option. Aber sie könne gut damit leben, wenn die Fahrzeuge ganz vom Platz verbannt würden. Sie wäre auch für eine Verlegung der Radstellplätze, etwa hinter die Turnhalle. In den 15 Jahren, die sie hier sei, habe sich vieles geändert, „die Kunden passen sich daran an. Angst vor Umsatzverlusten habe ich nicht.“