Klaus Schenk ist zum Heulen zumute. Er ist Geschäftsführer von „Radurlaub Zeitreisen“ in Konstanz und bietet Reisen mit dem Fahrrad und Schiff an. Seit April hätten er und seine Mitarbeiter mit überdurchschnittlich vielen Stornierungen zu kämpfen. Mit seiner Reiseagentur macht er nur noch 30 Prozent Umsatz.

Reiseveranstalter Klaus Schenk wünscht sich, dass jeder wieder frei reisen darf. „Bei der Grippewelle haben wir uns auch nicht isoliert und es sind so viele Menschen gestorben“, sagt er.
Reiseveranstalter Klaus Schenk wünscht sich, dass jeder wieder frei reisen darf. „Bei der Grippewelle haben wir uns auch nicht isoliert und es sind so viele Menschen gestorben“, sagt er. | Bild: privat

Er vermisse klare Aussagen von Außenminister Heiko Maas, wann das Reisen wieder möglich ist. Seinen Kunden müsse er mindestens drei Wochen vorher sagen können, ob sie die Reise antreten können oder nicht. „Ich komme mir vor wie ein kleines Kind, das die Eltern fragen muss, wann es in den Urlaub darf“, sagt er verzweifelt.

Touristen bleiben erst mal aus

Auch Markus Waldraff, Mitinhaber von „SUP Horn“, der Stand up Paddle-Vermietung am Hörnle, geht ohne Urlauber und Touristen dieses Jahr leer aus, wenn er weiterhin nicht öffnen darf. Von den weiteren Lockerungen hänge alles ab, sagt der Fitnesstrainer.

Ein Archivbild zeigt Markus Waldraff am Hörnle auf dem Stand Up Paddle. Ob er dieses Jahr seinen Stand Up Paddling Verleih öffnen kann, steht noch in den Sternen.
Ein Archivbild zeigt Markus Waldraff am Hörnle auf dem Stand Up Paddle. Ob er dieses Jahr seinen Stand Up Paddling Verleih öffnen kann, steht noch in den Sternen. | Bild: Oliver Hanser

Die Saison gehe normalerweise ab Mai, je nach Wetterlage auch schon früher oder später, los. Spätestens an Pfingsten. Er hofft, dass es keinen zweiten Lockdown gibt. „Das wäre eine Oberkatastrophe.“

Lichtblick für Gastronomen

Positiver gestimmt ist Heinz-Josef Diestel, Inhaber des Staader Fährhauses. Seit Montag hat das Restaurant wieder geöffnet. Das Wichtigste sei, zur Normalität zurückzukehren. Die Hygiene-Verordnungen der Landesregierung stellen für ihn und sein Team eine große Hürde dar: „Für die Beachtung der Regeln könnte ich eine zusätzliche Servicekraft einstellen. Deswegen sind wir mehr am Rödeln“, sagt der leidenschaftliche Koch.

Er blickt positiv in die Zukunft und ist froh, dass er seit Montag wieder Gäste empfangen darf: Koch und Inhaber des Stadder Fährhauses Heinz-Josef Diestel.
Er blickt positiv in die Zukunft und ist froh, dass er seit Montag wieder Gäste empfangen darf: Koch und Inhaber des Stadder Fährhauses Heinz-Josef Diestel. | Bild: privat

Zusammenhalt in der Gesellschaft sei jetzt sehr wichtig. Daher verkaufe er den Wein von der Spitalkellerei Konstanz auf seiner Karte günstiger, um regionale Winzer zu unterstützen. Er kann der Krise aber auch etwas Positives abgewinnen. „Die Menschen denken mehr über ihre Gesundheit und daher auch über ihre Ernährung nach“, ist er sich sicher. Er blickt positiv in die Zukunft und hofft, dass andere nicht verzagen.

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Ein langer Weg zurück in die Normalität

Etwas betrübter ist die Stimmung bei Lederwaren Hämmerle in der Kanzleistraße. „Wir sind noch weit davon entfernt, wie es vor Corona war“, sagt Mitinhaber Johannes Hämmerle. Obwohl sie seit dem 27. April wieder öffnen dürfen, seien sie stark von der Krise betroffen.

Mitinhaber Johannes Hämmerle von Lederwaren Hämmerle hofft, dass bald ein Impfstoff gefunden wird. „Das ist aber noch nicht realistisch, daher hoffen wir, dass die Infektionszahlen zurückgehen, Einkaufstouristen wieder einreisen dürfen und sich die Kunden trauen, wieder in die Geschäfte zu kommen.“
Mitinhaber Johannes Hämmerle von Lederwaren Hämmerle hofft, dass bald ein Impfstoff gefunden wird. „Das ist aber noch nicht realistisch, daher hoffen wir, dass die Infektionszahlen zurückgehen, Einkaufstouristen wieder einreisen dürfen und sich die Kunden trauen, wieder in die Geschäfte zu kommen.“ | Bild: Elisabeth Hämmerle

Die Kundenfrequenz im Laden sei gering und der Umsatz stark eingebrochen. Daher versuchen sie durch Sonderangebote, Personaleinsparungen und mit Bildern auf Instagram den Verlust auszugleichen. Dass jemand etwas über das soziale Netzwerk kaufe, ist aber eher unwahrscheinlich, sagt Hämmerle.

Musiker und Sportler sehnen sich nach dem Publikum

Ebenso unrealistisch ist für Berufsmusiker Michael „Fish“ Maisch, dass er bald wieder vor Publikum Konzerte spielen darf. Die Kulturbranche trifft die Krise besonders hart. „Ich musste bis Oktober über 40 Auftritte absagen“, sagt er. Mit Musikunterricht per Videotelefonie und seinem Lehrauftrag an der HTWG versucht er sich über Wasser zu halten.

Musiker Michael Maisch lechzt danach, wieder auf der Bühne zu stehen und vor Publikum spielen zu dürfen. „Das macht den Beruf aus“, sagt er überzeugt.
Musiker Michael Maisch lechzt danach, wieder auf der Bühne zu stehen und vor Publikum spielen zu dürfen. „Das macht den Beruf aus“, sagt er überzeugt. | Bild: privat

Er vermisst sein Publikum „wahnsinnig“, sagt der bekannte Konstanzer Musiker betrübt. Momentan hat er jedoch für eines viel Zeit: Nächtelang spielt er mit einer App Akkorde von bereits über 300 Titeln für sein Soloprogramm ein. „Das macht richtig Spaß“, sagt er und lacht.

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Kurzarbeit wegen leeren Hallen

Vor vollen Rängen in der Halle Handball zu spielen, vermisst auch Felix Krüger. Der HSG-Spieler und Student der Wirtschaftswissenschaften hat gerade ungewöhnlich viel Zeit für sein Studium, die ihm normalerweise durch seine Handballkarriere fehlt. Anfang März hat er das letzte Mal vor Publikum ein Match bestritten.

Wann HSG-Spieler Felix Krüger wieder in der Halle vor Publikum spielen kann, ist noch ungewiss.
Wann HSG-Spieler Felix Krüger wieder in der Halle vor Publikum spielen kann, ist noch ungewiss. | Bild: Peter Pisa

Da keine Spiele mehr stattfinden können, ist er in Kurzarbeit. „Das tut weh, wenn das Geld fehlt“, sagt der 25-Jährige. Daher muss er nebenher in einem Café jobben, um den Verlust auszugleichen. Bis er wieder spielen kann, versuche er fit zu bleiben, indem er unter anderem mit seinen Mannschaftskollegen zu zweit joggen geht.

Eltern kommen an ihre Grenzen

Eine eigene kleine Mannschaft, die er im Heimunterricht betreuen muss, hat Thomas Albicker. Er ist von der Betreuungssituation „hochgradig betroffen“, sagt der vierfache Vater und Vorstand der Grundschulen im Gesamtelternbeirat Konstanz. Homeoffice und die Betreuung der vier Kinder, von denen eins im Kindergarten, zwei in der Grundschule und eines in der fünften Klasse ist, sei sehr anstrengend für alle, denn:

„Was Kinder stresst, stresst Eltern auch“, sagt Familienvater Thomas Albicker.
„Was Kinder stresst, stresst Eltern auch“, sagt Familienvater Thomas Albicker. | Bild: privat

Mit seiner Frau muss er sich neben seinem und ihrem Job mit der Betreuung der Kinder abwechseln, was auf Dauer keine Lösung ist. Abends falle er todmüde ins Bett. Bei drei Grundschulkindern sei das Lernen Zuhause ein hoher logistischer Aufwand, zum Beispiel das Ausdrucken aller Arbeitsblätter.

Heimunterricht bei Familie Albicker: Lara-Marie, Jule und Lionel machen zusammen Schularbeiten.
Heimunterricht bei Familie Albicker: Lara-Marie, Jule und Lionel machen zusammen Schularbeiten. | Bild: Thomas Albicker

Außerdem seien die Lernmethoden der Lehrer sehr unterschiedlich. Auf seinem iPad befinden sich vier verschiedene Lern-Apps. „Das ist unglaublich“, sagt er.

Förderung bleibt auf der Strecke

Verzweiflung macht sich auch bei Agnes Brandt breit. Sie wohnt im Paradies und ist derzeit in Elternzeit. Die Platzvergabe und die Eingewöhnungszeit für ihre jüngste Tochter Greta (1) für das kommende Kindergartenjahr verzögert sich aktuell wegen Corona. Ihre ältere Tochter Clara (4) geht normalerweise in den Kindergarten St. Stephan. Nun muss sie zuhause bleiben.

Agnes Brandt mit ihren Töchtern Clara (4) und Greta (1). Da sie für Greta wegen der Corona-Krise keinen Platz im Kindergarten bekommen hat, nimmt sie ein weiteres Jahr Elternzeit. Für die zweifache Mutter schwindet langsam die Akzeptanz, wenn der Europapark ab nächsten Freitag wieder öffnen darf, Kindergärten aber weiterhin für viele Kinder geschlossen bleiben.
Agnes Brandt mit ihren Töchtern Clara (4) und Greta (1). Da sie für Greta wegen der Corona-Krise keinen Platz im Kindergarten bekommen hat, nimmt sie ein weiteres Jahr Elternzeit. Für die zweifache Mutter schwindet langsam die Akzeptanz, wenn der Europapark ab nächsten Freitag wieder öffnen darf, Kindergärten aber weiterhin für viele Kinder geschlossen bleiben. | Bild: Marius Brandt

Bei der Diskussion, welche Kinder in die Notbetreuung dürfen, müsse es vorrangig um das Wohl aller Kinder gehen und nicht, welche Kinder aufgrund des Berufs der Eltern in den Kindergarten gehen dürfen, meint Brandt.

Soziale Entwicklung, Kontakte und Förderung der Kinder würden auf der Strecke bleiben. Das könne sie auf lange Sicht ihren Kindern daheim nicht bieten. Um mehr Kinder betreuen zu können und das Platzproblem zu entzerren, schlägt die Verlagsredakteurin vor, Räume zu nutzen, die gerade leer stehen, wie zum Beispiel Turnhallen.

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Konstanzer Heilpraktiker ist gegen die Maskenpflicht

So wie die Regelung der Kinderbetreuung für Agnes Brandt unverständlich ist, sind offizielle Maßnahmen der Regierung wie die Mundschutzpflicht für Heilpraktiker Andreas Schlegel in der Niederburg „sehr übertrieben und medizinisch nicht nachvollziehbar“, sagt er.

In die Praxis von Heilpraktiker Andreas Schlegel in der Niederburg kommen Patienten nur noch nach Terminabsprache. Viele seien verunsichert.
In die Praxis von Heilpraktiker Andreas Schlegel in der Niederburg kommen Patienten nur noch nach Terminabsprache. Viele seien verunsichert. | Bild: privat

Daher stellt er die Kompetenz der Politiker in Frage. „Wir bekommen eher mehr Kranke durch die Maskenpflicht als sie vor Krankheit schützt, zum Beispiel Heuschnupfenpatienten, da das Atmen unter der Maske erschwert ist.“

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Die Maske habe eher die psychologische Wirkung, dass sich jeder geschützt fühle. Für das Immunsystem sei Angst sehr schlecht, da es dadurch geschwächt sei und der Körper anfälliger für Krankheiten werde. Deshalb rät er, ruhig zu bleiben, achtsam zu sein und keine Angst zu haben. Damit sei schon viel getan.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen allerdings eine andere Sachlage: Denn vor wenigen Tagen hat die Universität Hong Kong eine Studie zur Reduzierung der Infektionsrate durch den Einsatz von Masken veröffentlicht. Laut dieser sinkt die Rate um mehr als 60 Prozent, wenn ein Mund-Nasenschutz verwendet wird.

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