Die Seniorenvertretung klagt inzwischen über dieselben Probleme wie jeder Verein oder andere gemeinnützige Institutionen. Kaum jemand wolle sich mehr längerfristig festlegen, stellt Helga Lingnau-Mayer fest, die selbst aus persönlichen Gründen nicht mehr antritt. Mehrere Mitstreiter im Stadtseniorenrat bestätigen ihre Erfahrung. Und unter den alt gedienten Kräften scheiden einige aus. Wegen dem Alter oder aus persönlichen Gründen stünden nun andere Aufgaben an.

Der Rat ist Teil zahlreicher Beiräte und Ausschüsse

Dabei hat der Stadtseniorenrat einige Erfolge vorzuweisen. Formal hatte er noch nie so viel Möglichkeiten zum Mitreden und Mitbestimmen wie jetzt. Er ist in so vielen Ausschüssen und Beiräten vertreten wie noch nie. „Wir haben uns das gegen große Widerstände erstritten“, sagt der Vorsitzende Hans-Peter Klauda.

Die Seniorenvertretung konnte auch einiges bewegen. Zu den jüngsten Erfolgsstücken zählt beispielsweise der Kampf um ermäßigte Einzeltickets auf Papier für Senioren im Bus. Anfangs sollte es nur digital ein Ermäßigung bei Kurzstrecken geben.

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Die Krise von 2016 schien zuletzt überwunden. Damals war die Vorsitzende Dorothee Schmidt zusammen mit anderen Mitstreitern zurückgetreten, um ein Zeichen zu setzen. Die damalige Vorsitzende kritisierte, der Stadtseniorenrat finde bei der Stadt kein Gehör und werde nicht wertgeschätzt. Er habe kaum finanzielle Mittel, etwas zu gestalten und keinen Einfluss.

Damals kam aus den eigenen Reihen der Vorschlag, es wäre wohl besser einen Seniorenbeauftragten bei der Stadtverwaltung zu etablieren als den Seniorenrat weiter arbeiten zu lassen. Es gebe ja schließlich auch einen Flüchtlings- und Behindertenbeauftragten, so die damalige Argumentation.

Nach der Krise übernahm Hans-Peter Klauda den Vorsitz. Den Schock im Rücken, den die Vorgängerin mit dem Rücktritt ausgelöst hatte, setzten der auf Ausgleich bedachte Mann und seine Mitstreiter einige Verbesserungen für den Seniorenrat durch. Der hat nun beispielsweise einen Etat, mit dem er auch mal Experten für Veranstaltungen nach Konstanz holen kann.

Das hat der Rat bisher erreicht

Der Stadtseniorenrat setzte sich unter anderem für eine zentrale Erfassungsstelle für Bewerber um einen Heimplatz ein, welche im Aufbau ist. Er kämpfte zusammen mit dem Behindertenbeauftragten für Barrierefreiheit etwa am Sternenplatz und am Bahnhof.

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Im Verbund mit der Verbraucherschutzzentrale informierte er über kostspielige Fallen, in die Senioren gern gelockt werden, und er hielt Schulungen für Senioren ab, die mit dem Rollator im Bus unterwegs sind. Aktuell stieß der Stadtseniorenrat das Thema generationenfreundliches Einkaufen an. Es geht zum Beispiel um extragroße Schriften oder Sitzmöglichkeiten in Läden für Menschen mit Handicaps.

Trotz aller Erfolge, einige altgediente Kräfte treten aus Alters- und persönlichen Gründen nicht mehr an. „Es ist einfach zu viel“, sagt beispielsweise Elisabeth Engesser, die sich auch bei anderen Organisationen engagiert.

Austausch zwischen Jugendgemeinde- und Seinorenrat gewünscht

Helga Lingnau-Mayer möchte sich nach elf Jahren im Stadtseniorenrat anderen Aufgaben widmen. Alle Bemühungen, neue Kräfte für den Stadtseniorenrat zu interessieren seien bisher ins Leere gelaufen, sagen Hans-Peter Klauda und der Schriftführer Wolf Biehler.

Klauda, der am Wahltag 80 Jahre alt wird, will sich ebenso wie sein Kollege wieder zur Verfügung stellen. Klauda ist überzeugt: Auch die Alten müssten um ihre Rechte kämpfen. Er würde sich aber auch sofort mit einem Jugendgemeinderat zum Austausch an einen Tisch sitzen, wenn es diesen denn in Konstanz gäbe.

Der OB Kandidat Luigi Pantisano hatte zuletzt die Etablierung mit Antrags- und Rederecht im Gemeinderat ins Gespräch gebracht. Auch die Zusammenarbeit zwischen Stadtseniorenrat und Gemeinderat hatte er als Anliegen in seinem Wahlprogramm formuliert.

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