Als Grund nennt Dieter Wäschle Konflikte mit der BSB, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz, die wiederum der Stadt selbst gehören. Und erhebt Vorwürfe. Die BSB habe ihn in der Corona-Pandemie im Stich gelassen.

„Seitens der Stadt wird Wasser gepredigt, aber Wein getrunken. Während die Verwaltungsspitze öffentlich dazu aufruft, Pächtern in dieser Ausnahmesituation entgegenzukommen, entzieht ein städtisches Unternehmen mit seinem Verhalten einem mittelständischen Gastronomiebetrieb die wirtschaftliche Grundlage“, sagt er. Wäschle habe Vorschläge unterbreitet, wie man die Weiße Flotte trotz Pandemie und mit Infektionsschutzkonzept bewirten könne.

Timeout: Dieter Wäschle vom Hotel Petershof geht von Bord und hört als Schiffs-Caterer auf. Er hat den Vertrag mit den Bodensee Schiffsbetrieben (BSB) gekündigt.
Timeout: Dieter Wäschle vom Hotel Petershof geht von Bord und hört als Schiffs-Caterer auf. Er hat den Vertrag mit den Bodensee Schiffsbetrieben (BSB) gekündigt. | Bild: Scherrer, Aurelia

Die BSB, zürnt Wäschle, habe die nicht nur kategorisch abgelehnt. Sondern auch selbst keine Vorschläge für einen wirtschaftlich vertretbaren Gastrobetrieb getätigt. „Für den aus gastronomischer Sicht finanziell entscheidenden Bereich der Charter- und Eventfahrten fehlt bislang jedes Konzept“, sagt Dieter Wäschle. So sei ihm nur die außerordentliche Kündigung geblieben. Für die Gäste tue es ihm sehr leid.

BSB-Geschäftsführer widerspricht in vielen Punkten

Die Schiffsbetriebe haben Wäschles Kündigung akzeptiert. Da hört es aber auch schon auf mit der Einigkeit. Den Darstellungen des Hotel-Petershof-Inhabers widerspricht BSB-Geschäftsführer Frank Weber in den meisten Punkten. „Die Vorschläge von Herrn Wäschle zum Infektionsschutz in der Bord-Gastronomie beschränkten sich auf die Aufforderung an die BSB, an den Theken Schutzscheiben zu installieren.“

Zudem habe Wäschle die Bedingung gestellt, dass die Schiffsbetriebe auf die vertraglich vereinbarte Pacht und die Erstattung von Energiekosten verzichten. Und Vorschläge gemacht, um sein unternehmerisches Risiko zu reduzieren, wie etwa, dass der Petershof nur für die Fahrten Essen anrichtet, die wirtschaftlichen Erfolg versprechen.

Verlust von mehreren Millionen Euro befürchtet

Dazu Weber: „Die BSB werden nicht von der öffentlichen Hand subventioniert, wir sind eine eigenständig agierende Gesellschaft. Wirtschaftlich sind wir nicht in der Lage, die Bordgastronomie zu subventionieren. Wir befürchten in diesem Jahr einen Verlust von mehreren Millionen Euro.“

Laut Weber habe die BSB tatsächlich keine eigenen Vorschläge bis zum Zeitpunkt der Kündigung, in der ersten Maihälfte, machen können. Weil noch unklar gewesen sei, ab wann, in welchem Umfang und mit welchen Vorschriften ein Schiffsbetrieb möglich sein könnte. „Natürlich wären wir bereit gewesen, zum gegebenen Zeitpunkt eine Lösung zu suchen, die beiden Seiten gerecht wird.“

Nicht der erste Streit zwischen BSB und Petershof

Dazu ist es nun zu spät. Es ist nicht der erste Streit zwischen BSB und Petershof. Schon Anfang des Jahres, als von Corona noch keine Rede war, teilte Wäschle öffentlich mit, dass man ab 2021 aussteige. Grund war unter anderem, dass die BSB weniger Restaurantbetrieb und mehr Bistrocharakter auf den Schiffen haben wollte – basierend auf einer Umfrage unter Gästen.

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Deftige Speisen sind vorerst vom Speiseplan der Weißen Flotte gestrichen. Weber: „Nach der Kündigung haben wir uns aufgrund der absolut unsicheren Situation entschieden, nur Getränke, Eis und Schokoriegel durch eigene Mitarbeiter anzubieten.“ Ein gastronomisches Konzept gibt es mittlerweile. Ausgearbeitet wurde es mit den neuen Pächtern. Wer die sind, will die BSB mitteilen, wenn der Vertrag unterschrieben ist.

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