Ganz ohne Theater geht es bei ihm nie. Christoph Nix wurde große Ehre zuteil, aber der einstige Intendant des Konstanzer Theaters bürstet nun mal fürs Leben gern gegen den Strich – und also macht er sich einen Spaß daraus. Wegen seines Einsatzes für Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, wurde er in den Stand eines Honorarkonsuls für den Binnenstaat in Südostafrika erhoben. Das bedeutet, dass er im Bedarfsfall in Baden-Württemberg und Hessen die Interessen des Landes und seiner Bürger vertritt. Seit Mitte Februar gehört er dem „Corps Consulaire“ an, befindet sich somit im diplomatischen Dienst und genießt – zumindest in Teilen – Immunität.

Ein Schalk im diplomatischen Dienst: Christoph Nix vor seinem Fiat Panda mit dem Aufkleber des „Corps Consulaire“ (CC).
Ein Schalk im diplomatischen Dienst: Christoph Nix vor seinem Fiat Panda mit dem Aufkleber des „Corps Consulaire“ (CC). | Bild: Gisela Kusche

Das wiederum lässt sich Christoph Nix für ein kleines Schauspiel auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten nicht nehmen, weshalb er sich für seinen Fiat (gelb, Marke Panda) den Aufkleber „CC“ (als Kürzel für den Status der Zugehörigkeit zum Corps Consulaire) besorgte. Welche Rechte konkret damit verbunden sind, weiß der Jurist selbst nicht so genau. Aber die Polizei könnte durchaus Probleme bekommen, wenn Christoph Nix zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle ins Röhrchen blasen soll. Er habe allerdings nicht vor, „angetüdelt bei Rot über die Ampel zu fahren“. Dass es ihm jedoch einen Heidenspaß machen würde, sich mit seinem Kleinwagen zwischen den schwarzen Limousinen einer internationalen Konferenz einzureihen – man glaubt es dem streitbaren Grau-Kopf aufs Wort.

Komödie wurzelt in einer Tragödie

Das komödiantische Spiel in der Welt des Überflusses freilich ist tief in der Tragödie eines Kontinents verwurzelt: Afrika ist bitterarm, wobei Malawi im binnenkontinentalen Ranking abgeschlagen im hinteren Bereich liegt. Internationalen Reports zufolge nimmt das Land Rang 172 von 189 untersuchten Staaten ein. Neben dem Gebot der Menschlichkeit, sollte es für Christoph Nix aber durchaus einen dem Eigennutz gehorchenden Grund zur Hilfe geben: Es ist die Pandemie, die nur dann dauerhaft in den Griff zu bekommen ist, wenn ihre globale Eindämmung gelingt.

Das könnte Sie auch interessieren

Malawi musste nach Angaben von Christoph Nix während der zweiten Corona-Welle ab Januar einen starken Anstieg der Corona-Infektionen verzeichnen. Rund 32.500 Menschen seien seit Beginn der Pandemie erkrankt, als Reaktion habe die malawische Regierung eine strikten Lockdown verhängt. Dazu gehört die verschärfte Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit. Während hierzulande gelegentlich über die dadurch empfundene Freiheitsbeschränkung geklagt wird, sind die Probleme in Malawi materieller Art. Masken sind Mangelware, insbesondere für die ländliche Bevölkerung. Zudem wissen die Menschen laut Christoph Nix wenig über das Virus und dessen Ansteckungswege.

Masken, Seife, Waschbehälter

Beides – den Mangel an Masken und an Kenntnissen – will der Konstanzer Verein „Theater für Afrika“ beheben. Dabei kann der Verein auf persönliche Kontakte zurückgreifen, die aus der Zeit vor der Pandemie bestehen. 2500 waschbare und damit wieder verwertbare Masken wurden vor Ort genäht, außerdem Seife und Waschbehälter in zwei ländlichen Gemeinden verteilt. Die Aktionen wurden kombiniert mit der Aufführung eines Theaterstücks, in dem es szenisch um die Aufklärung über das Virus geht.

Angesichts der globalen Herausforderung ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, und keiner weiß das besser als Gisela Kusche. Sie ist im Verein „Theater für Afrika“ für die Finanzen zuständig, die sich auf rund 40.000 Euro belaufen. Corona erweist sich aber auch hier als Schlag ins Kontor. Gut Dreiviertel des Etats speiste sich bislang aus den Einnahmen des Sommertheaters in Konstanz, die wegen des Lockdowns in den Wind geschrieben werden müssen.

Ein anderes Bild ergibt sich aus ihrer Sicht jedoch beim Blick auf sämtliche Initiativen, die es in Konstanz im Rahmen des Internationalen Forums gibt. „Es ist ein Puzzle“, sagt Gisela Kusche, „und die Aktion unseres Vereins beispielsweise passt sehr gut in die Black-lives-matter-Bewegung.“

„Ich will nicht mit einem Tourismusunternehmen nach Afrika reisen und bloß eine Safari machen. Ich möchte erleben, was es dort zu ...
„Ich will nicht mit einem Tourismusunternehmen nach Afrika reisen und bloß eine Safari machen. Ich möchte erleben, was es dort zu essen gibt, die Menschen kennenlernen und ein Verständnis für ihre Lebenssituation bekommen.“Gisela Kusche, beim Verein „Theater für Afrika“ zuständig für die Finanzen | Bild: Lucht, Torsten

Der Verein mit seinen rund 75 Mitgliedern hofft unterdessen, dass die Kombination aus Pandemie-Bekämpfung und dem eigentlichen Kernzweck des Vereins zeitlich begrenzt bleibt. Im Zentrum soll die Mission der Theaterkultur stehen – so wie etwa das Bauprojekt für ein Theater. Gisela Kusche bindet auch dies in einen größeren Kontext ein: Sie selbst beispielsweise war noch nie in Afrika und doch ist der Kontinent für sie von jeher ein Sehnsuchtsort. „Ich will aber nicht mit einem Tourismusunternehmen dorthin reisen und bloß eine Safari machen“, sagt sie. „Ich will erleben, was es dort zu essen gibt, die Menschen kennenlernen und ein Verständnis für ihre Lebenssituation bekommen.“