Für die Stammgäste des Strandbades Hörnle, die seit Jahrzehnten hierher kommen, war es ein Schock, als sie von der möglichen Schließung der Einrichtung wegen zahlreicher Verstöße gegen das Badeverbot erfuhren.

„Das wäre eine Katastrophe", sagt Isabell Schindler. „Das Hörnle ist eine Oase, gerade für Behinderte wie mich oder für Ältere oder Kinder. Eine Schließung würde uns treffen, obwohl wir nichts dafür können.“ Alle zu bestrafen wegen Einzelner, die Schilder abreißen oder die ins Wasser gehen, sei mittelalterlich.

Isabell und Bernd Schindler. Im Hintergrund Katja Hengstler.
Isabell und Bernd Schindler. Im Hintergrund Katja Hengstler. | Bild: Schuler, Andreas

Ihr Mann Bernd vermisste vor allem an Himmelfahrt Kontrollen, als einige große Gruppen ohne Abstand untereinander auf den Wiesen lagen oder sich im Wasser tummelten.

Er sagt: „Warum sind an solchen Tagen nicht mehr Streifen unterwegs? Die Situation hier wurde schon lange einfach laufen gelassen. Hunde sind verboten, trotzdem kommen sie herein. Fahrrad fahren ist verboten, trotzdem sieht man immer wieder Radler. Grillen ist verboten, trotzdem wird immer wieder gegrillt.“

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Die Bädergesellschaft erklärte aufgrund der Verstoße, dass sie nach weiterer Beobachtung der Situation am Dienstagabend entscheiden möchte, ob die Strandbäder geschlossen werden.

Am Hörnle gibt es „vereinzelte Ausreißer“

Pressesprecher Josef Siebler: „Es ist wetterbedingt sehr ruhig, es gibt also keine neuen Erkenntnisse. Aus unserer Sicht gibt es in Wallhausen, Litzelstetten und Dingelsdorf keine heikle Situation. Am Horn gibt es vereinzelte Ausreißer, wenn wir aber das riesige Gelände betrachten, ist es insgesamt gesehen ebenfalls nicht kritisch.“

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Trotzdem unterstreicht er noch einmal: „Wir appellieren an die Konstanzer und auswärtigen Badegäste: Bleiben Sie bitte geduldig und halten Sie die Regeln ein.“ Am Mittwochmorgen werde die Bädergesellschaft die Entscheidung bekannt geben.

Drei Möglichkeiten

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, wie Josef Siebler schreibt: „Schließen: Das wollen wir nicht. Eine Option ist das aber natürlich. Öffnen mit Badeaufsicht: Das dürfen wir derzeit nicht. Zugängliche Flächen mit Badeverbot: Das ist aus unserer Sicht weiterhin die beste Lösung.“ Nicht betroffen wären bei einer Schließung die Bistros, Kiosks und Restaurants in den Strandbädern.

Für Christel und Josef Mahle ist das Hörnle mehr als nur ein Strandbad. Hier haben sie sich vor 66 Jahren kennengelernt. „Ich war dreizehn Jahre alt. Wir haben uns ein Jahr gesehen, ein Jahr gegrüßt und ein Jahr Federball gespielt und irgendwann geheiratet.“ 2019 stand die Diamantene Hochzeit an.

Bild: Schuler, Andreas

„Schon meine Eltern war Hörnlegänger“, erinnert sich Christel Mahle. „Ich bin die Erste im Jahr, die hierher kommt und die Letzte, die wieder geht. Mein Stammplatz seit Jahrzehnten ist unten am Mäuerle. Beim ersten Sonnenstrahl bin ich hier. Die Schließung wäre fürchterlich und ungerecht.“

Sie bezeichnet die anderen Stammgäste als gute Freunde. „Man kennt sich, man trifft sich über viele Jahre schon.“

So ist die Lage in den Vororten

In Dingelsdorf ist an diesem recht kühlen Montagvormittag wenig los. „An Vatertag lagen viele Leute auf den Wiesen und waren auch im Wasser“, berichtet Karl-Heinz Burghardt, Pächter des Kiosk. „Aber alle haben sich benommen uns hatten Abstand zueinander.“ Eine Schließung wäre für ihn fatal. „Wir erweitern gerade erst unser Angebot und freuen uns, dass es richtig anläuft.

Die Burghardts vom Strandbadbistro Dingelsdorf: Vater Karl-Heinz, Tochter Natascha und Enkel Noah.
Die Burghardts vom Strandbadbistro Dingelsdorf: Vater Karl-Heinz, Tochter Natascha und Enkel Noah. | Bild: Schuler, Andreas

„Eine erneute Schließung wäre ein wirtschaftliches Fiasko.“ Er befürchtet aber auch weitere Folgen: „Die Leute würden sich das nicht mehr gefallen lassen und auf die Barrikaden gehen. Bei schönem Wetter will jeder raus, an den See, ins Wasser.“

Seine Tochter Natascha, die ebenfalls im Strandbad-Bistro arbeitet, „möchte nicht mit den Entscheidungsträgern tauschen. Es ist eine sehr schwierige Situation. Die Gefahr des Virus ist nicht von der Hand zu weisen. Andererseits muss man auch die Bedürfnisse der Menschen und die Wirtschaft berücksichtigen.“

Und in Litzelstetten?

Oli Krüger und seine Frau Samran führen das Bistro im Strandbad Litzelstetten. Viele mehr als alle anderen sind die beiden auf die Badegäste angewiesen. „Ich müsste überlegen zuzumachen, da ich keine Laufkundschaft habe, sondern nur von den Badegästen lebe“, sagen sie. „Das Geschäft ist gerade erst richtig gut angelaufen. Da wäre ein Ende, auch wenn es nur vorübergehend wäre, eine Katastrophe.“

Samran und Oli Krüger vom Strandbadbistro Litzelstetten.
Samran und Oli Krüger vom Strandbadbistro Litzelstetten. | Bild: Schuler, Andreas

Oli Krüger ärgerte sich auch über die Ankündigung der Bädergesellschaft in der vergangenen Woche, dass die Strandbäder geschlossen seien. „Es wurde nicht erwähnt, dass wir Bistros trotzdem geöffnet haben. Ich habe dadurch Gäste verloren.“