inen Tag nach der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl in Konstanz ist noch nichts entschieden – aber viele Personen, die in der Stadt aktiv sind, haben sich ihre Gedanken gemacht. Sicher ist, dass die beiden bestplatzierten Kandidaten, Luigi Pantisano und Amtsinhaber Uli Burchardt, die sich ein knappes Rennen um die Stimmen lieferten, erneut antreten. Außerdem Andreas Matt, der am Abend der Wahl sofort erklärte, auch bei der Neuwahl als Kandidat dabei zu sein. Andreas Hennemann, der Drittplatzierte, zögert noch mit seiner Entscheidung und will sich heute äußern. Jury Martin hat eine Teilnahme an der zweiten Runde bereits ausgeschlossen.

Wie bewerten die Gemeinderatsfraktionen, Vertreter aus der Wirtschaft, Gastronomen, Handwerker, Umweltverbände und Klimaschützer den bisherigen Ausgang der Wahl und die bevorstehende Neuwahl?

Reaktionen im Gemeinderat

Bei den Fraktionen fallen die Reaktionen je nach Parteifarbe naturgemäß unterschiedlich aus. „Das Ergebnis im ersten Wahlgang ist nicht überraschend“, schreibt Roger Tscheulin, CDU-Fraktionsvorsitzender. Die Alternativen seien jetzt klar: ein Kandidat der Linken oder ein OB der Mitte für Konstanz. Er hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung und einen Erfolg für Uli Burchardt.

Roger Tscheulin
Roger Tscheulin | Bild: SK

Anke Schwede, Fraktionsvorsitzende der Linken Liste Konstanz (LLK), wiederum freut sich über den Wahlerfolg Pantisanos. Er stehe für einen transparenten Politikstil und die kompromisslose Einschränkung von Wirtschafts-Lobbyismus. Die LLK werde aktiv für die Wahl Luigi Pantisanos werben.

Anke Schwede
Anke Schwede | Bild: Daniel Schroeder

Das Junge Forum hatte ebenfalls Pantisano unterstützt: „Ich freue mich, dass über 60 Prozent der Wähler auch anderen Kandidaten als dem Amtsinhaber den OB zutrauen“, schreibt Fraktionsvorsitzender Matthias Schäfer. Er sei zuversichtlich, dass Luigi Pantisano am Ende vorne liegen werde. Günter Beyer-Köhler, Fraktionsvorsitzender der Freien Grünen Liste, hat das Ergebnis ebenfalls so erwartet. „Es spiegelt das wider, was es an offenen Problemen in der Stadt gibt.“ Als Beispiel nennt er den Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Beyer-Köhler prognostiziert einen knappen Ausgang der Neuwahl. Er hoffe, dass sich etwas verändere, und sei mit dem bisherigen Wahlkampf zufrieden.

Enttäuschung bei der SPD

Jürgen Ruff, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, ist auch einen Tag nach der OB-Wahl die Enttäuschung anzumerken. „Wir wollten in Konstanz mit Andreas Hennemann eine sachorientierte und zusammenführende Politik“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Doch das kam leider nicht so an wie gewünscht. Wir hätten uns natürlich einen anderen Ausgang erhofft.“ Mehr gebe es im Moment nicht zu sagen, „da wir uns in der Fraktion erst noch besprechen müssen.“

Bild: Eva Marie Stegmann

Für Ewald Weisschedel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, die sich hinter Burchardt gestellt hatten, kommt das Ergebnis wenig überraschend: „Ich habe es erwartet.“

Bild: SK

Heinrich Everke, Fraktionsvorsitzender der FDP, hatte zwar damit gerechnet, dass Luigi Pantisano den ersten Wahlgang gewinnt, „doch ich bin davon ausgegangen, dass er mehr Stimmen erhält“. Der Rückhalt bei den jungen Wählern sei doch nicht so überwältigend wie angenommen. Everke geht davon aus, dass der Ton im Wahlkampf jetzt rauer wird. „Beide Seiten werden nun polarisieren.“

Handwerker skeptisch

Ein möglicher Wechsel an der Spitze der Stadt wäre jedenfalls nicht allen willkommen. Christian Koßmehl, Stadtrat der Freien Wähler und Vorsitzender des Handwerkerkreises, sagt es klar: „Es hat nicht mein Kandidat gewonnen.“ Allerdings habe er einen solchen Ausgang der ersten Wahl erwartet. „Fürs Handwerk sehe ich mit Uli Burchardt die besseren Chancen“, betont er. Dabei geht es ihm zum Beispiel um Handwerkerstellplätze in der Innenstadt. Mit dem Amtsinhaber habe man dazu im Gespräch bereits gute Vorarbeit geleistet.

Christian Koßmehl
Christian Koßmehl | Bild: Optik Photo Hepp

Christoph Vayhinger ist Narrenpräsident der Quaker Allmannsdorf und selbstständiger Handwerker. Auch für ihn verlief die Wahl am Sonntag so, wie er es erwartete. „Das Ergebnis war absehbar. Jetzt stellt sich die Frage: Zieht jemand zurück, und wie wirkt sich das auf die verbleibenden Kandidaten aus?“ Uli Burchardt habe in seinen Augen bessere Chancen, wenn sich der Kreis verkleinere, „ansonsten wird es für ihn eng“.

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Luigi Pantisano überzeugte den 52-Jährigen bei der Podiumsdiskussion, „er zeigte gute Ansätze“. Nur einen Haken sieht er: „Für uns Handwerker ist eine autofreie Innenstadt ein Problem. Ich zahle der Stadt jedes Jahr 15.000 Euro Gewerbesteuer. Ein Autoverbot würde mir die Arbeit erheblich erschweren.“

Auch die Händlervereinigung bleibt skeptisch

Auch Daniel Hölzle, Vorsitzender des Treffpunkts Konstanz und damit Vertreter der Händler, ist vom Resultat der ersten Wahlrunde ebenfalls nicht begeistert. „Es ist kein Ergebnis, von dem wir uns vorstellen, dass es für die Weiterentwicklung des Handels förderlich wäre.“ Der Handel habe ein Konzept für die Zukunft vorgelegt, das ökonomische und ökologische Aspekte vereine. Zu diesem Konzept aber habe sich Luigi Pantisano nicht bekannt. Sollte er Oberbürgermeister werden, müsste er aus Hölzles Sicht einige Schritte auf den Handel zumachen – der einer der wichtigsten Branchen in Konstanz sei. Mit Amtsinhaber Uli Burchardt hingegen sei die Zusammenarbeit bisher konstruktiv verlaufen.

Daniel Hölzle
Daniel Hölzle | Bild: Bernd Kern

Klimaschutz-Vertreter hoffen

Eberhard Klein, Leiter des Nabu-Bodenseezentrums, ist ein Freund klarer Positionen. „Das Ergebnis ist spannend, das Rennen offen“, sagt er. Mit Uli Burchardt habe es der Naturschutz oft schwer gehabt. „Er spricht viel von Nachhaltigkeit. Aber dann überwiegt doch die Neigung zur Wirtschaftlichkeit.“ Den Flächenverbrauch in der Siedlungsentwicklung könne der Nabu so nicht gut heißen. „Sein Konkurrent Pantisano macht einen aufgeschlosseneren Eindruck. Doch egal, wer gewählt wird, wir werden mit jedem Oberbürgermeister zusammenarbeiten.“

Bild: Marinovic, Laura

FFF legt den Fokus auf Klimaschutz

Lena Gundelfinger von Fridays for Future will sich nicht festlegen. „Unser Ziel ist auch in der zweiten Wahlrunde, den Fokus auf den Klimaschutz zu legen“, sagt sie. „Es geht uns darum, dass ein OB gewinnt, der den Klimaschutz ernst nimmt.“ Deutlicher will sie nicht werden, die genaue Strategie der Klimabewegung werde erst in den nächsten Tagen besprochen.

Klimafreundlich und sozialverträglich

Maike Sippel, Professorin an der Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung und bei Scientists for Future aktiv, wird deutlicher: Das Wahlergebnis sei eine klare Aufforderung für den zukünftigen OB, Verantwortung zu übernehmen. „Die Wähler wünschen sich Klimafreundlichkeit bei gleichzeitiger sozialer Verträglichkeit – und damit eine Politik, die auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung reagiert.“

Maike Sippel bei der Zukunftsstadt Konstanz
Maike Sippel bei der Zukunftsstadt Konstanz

Auch Unternehmer äußern sich

Immobilienmakler Alexander Baum gibt sich aufgeschlossen für beide gut platzierten Kandidaten: „Burchardt hat einen guten Job gemacht“, sagt Baum, „Pantisano aber kommt ebenfalls aus der Verwaltung und hat Ahnung vom Hochbau. Mit Sicherheit hat er auch einige gute Punkte.“ Allerdings habe er sich über den Ausgang der Wahl gewundert, er hätte mit einem klaren Sieg Burchardts gerechnet. Er sei für alles offen, wichtig sei ihm, dass die Bürokratie in der Verwaltung nicht überhand nehme.

Martina Vogl, Geschäftsführerin des Cafés Voglhaus und Unternehmerin, ist mit dem Ergebnis zufrieden. Sie unterstützt OB-Kandidat Luigi Pantisano. „Den Schwerpunkt beim Thema Klimaschutz zu setzen, ist überlebensnotwendig für uns alle“, sagt sie. „Deshalb habe ich mich gefreut, Luigi Pantisano oben zu sehen.“ Sie prognostiziert ein knappes Rennen im zweiten Wahlgang, hofft aber auf einen Triumph Pantisanos. „Die Jugend hat das Recht auf einen Wechsel.“

Bild: rovat

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