Generationen von Konstanzern haben hier alle möglichen Familienereignisse abgehalten: von der Taufe über Kommunion oder Konfirmation und Hochzeit bis hin zum trauernden Abschied eines geliebten Menschen. „Hier wurde alles gefeiert“, sagt Dieter Wäschle (62), und seine Frau Rita (72) nickt zustimmend. „Doch jetzt hat unsere Familien-Tradition ein Ende. Bin ich traurig? Bin ich glücklich? Beides. Immerhin waren wir das letzte vom Eigentümer geführte Hotel in der Kernstadt. Das ist eben der Lauf der Zeit.“

Ein Hirschgeweih um urigen Gastraum.
Ein Hirschgeweih um urigen Gastraum. | Bild: Schuler, Andreas

Bereits 2019 sei bei ihm und seiner Rita der Entschluss gereift, das Haus aufzugeben. „Ich möchte in Zukunft meine Frau verwöhnen“, fügt er lächelnd hinzu und schaut während dieser Worte seine Rita intensiv und vielsagend an. „Es geht um die drei Gs: Gesundheit, Gelassenheit, genießen.“

Die Fremdenzimmer befinden sich in den oberen Stockwerken.
Die Fremdenzimmer befinden sich in den oberen Stockwerken. | Bild: Schuler, Andreas

Bei Gastronomen, sagt er, zählten die Tage doppelt – „und da ich nun seit 34 Jahren das Haus führe, sind das also in Wirklichkeit 68. Irgendwann ist es genug“. Das Ehepaar sehnt sich ganz offenbar nach etwas mehr Ruhe und weniger Stress.

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Rita und Dieter Wäschle (links) übergeben den Petershof an Investor Sandro Camilli aus Stuttgart. Er möchte 34 Wohnungen schaffen.
Rita und Dieter Wäschle (links) übergeben den Petershof an Investor Sandro Camilli aus Stuttgart. Er möchte 34 Wohnungen schaffen. | Bild: Schuler, Andreas

Der heimische Garten möchte gepflegt werden, der See besegelt und die Pisten der nahen Alpen mit Skiern befahren werden. „Darauf freue ich mich“, so Dieter Wäschle. „Und vielleicht finde ich irgendwann noch etwas, wo ich mich einbringen kann.“ Tochter Martina Müller dachte kurzzeitig nach, das Haus zu übernehmen. Sie nahm dann aber von der Idee Abstand.

Das Appenzell-Massiv schmückt diesen Gastraum.
Das Appenzell-Massiv schmückt diesen Gastraum. | Bild: Schuler, Andreas

Das ist der Investor

Am 18. Oktober, also am Sonntag vergangener Woche, verließ der letzte Gast das Hotel Petershof. „Seither haben wir das Haus gereinigt und übergeben es nun an den neuen Besitzer.“ Der heißt Sandro Camilli, kommt aus Stuttgart, ist gebürtiger Villinger und arbeitet seit Jahrzehnten als Investor und Projektentwickler – unter anderem vermietet er in der Landeshauptstadt für Mitarbeiter des Unternehmens Bosch 80 Wohnungen.

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„Ich kenne aber auch Konstanz sehr gut, habe viele Freunde hier und war daher immer schon hier.“ Er sei mit dem sehr schnell wachsenden Markt in der Konzilstadt vertraut und baue nur mit Partnern, mit denen er schon seit Jahrzehnten zusammen arbeitet. Seine Verbundenheit zur erweiterten Region möchte er mit diesen Worten unterstreichen: „Meine mütterliche Familie stammt seit sieben Generationen aus Villingen. Wir haben dort eine Gastronomie. Mein Vater ist Italiener.“

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Sandro Camilli plant gemeinsam mit seinen Söhnen Marco und Valentino die Kernsanierung der beiden Gebäude – zum Petershof zählen die Adressen Markgrafenstraße 13 und St. Gebhard-Straße 14. „Wir möchten das Appartementhaus Petershof bauen mit 36 Mietwohnungen in allen Größen zwischen 17 und 100 Quadratmetern“, erzählt der Investor. „Darunter befinden sich auch Wohngemeinschaften für Studenten.“

Rita und Dieter Wäschle stehen im Eingang des Petershof, Sandro Camilli ist bereit zu übernehmen.
Rita und Dieter Wäschle stehen im Eingang des Petershof, Sandro Camilli ist bereit zu übernehmen. | Bild: Schuler, Andreas

Die Gesamtfläche der Mietwohnungen belaufe sich auf rund 1500 Quadratmeter. „Der Bauantrag ist nach positiver Bauvoranfrage bereits gestellt. Der Umbau, der zeitnah zur Baungemehmigung geplant ist, soll binnen neun bis zwölf Monaten geplant.“

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Der Gastraum und die Küche im Erdgeschoss verschwinden komplett und werden in Wohnraum umgewandelt – die Zimmer in den oberen Stockwerken übernimmt er und stattet sie mit Kochnischen aus. „Das, was gut und noch zu gebrauchen ist, bleibt“, sagt Sandro Camilli.

Dieses Weinfass mit der Aufschrift des umstrittenen Willi-Hermann-Liedes „Ja wenn der ganze Bodesee ein einzig Weinfass wär“ hängt an der Wand eines Gastraumes.
Dieses Weinfass mit der Aufschrift des umstrittenen Willi-Hermann-Liedes „Ja wenn der ganze Bodesee ein einzig Weinfass wär“ hängt an der Wand eines Gastraumes. | Bild: Schuler, Andreas
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In welchem Preissegment sich die Mieten bewegen werden, kann und möchte die Familie noch nicht bekannt geben. „Wir investieren zusätzlich zum Kaufpreis noch mal mehr als drei Millionen Euro. Das wird kein sozialer Wohnungsbau. Das ist alles privat, und da ich keine Zuschüsse beantrage, habe ich auch keine Verpflichtungen.“

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