Seinen heutigen Job hat er der Liebe, beziehungsweise dem daraus resultierenden Herzschmerz, zu verdanken – und nun verzichtet er der Liebe wegen, womöglich auf einen Lebenstraum. Tarek Amin aus Konstanz ist Mentalcoach der deutschen Karate-Nationalmannschaft. Sein Team hat sich für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio qualifiziert. Ob Amin dabei sein wird, ist unsicher. Was hält den Mentaltrainer davon ab zu Olympia zu reisen?

Bei der Olympia-Qualifikation vergangenen Monat in Paris ist es für Amins Team hervorragend gelaufen. Drei seiner Athleten haben sich qualifiziert. Ein großer Erfolg: Die Karatekas werden am 23. Juli zu den Olympischen Spielen nach Tokio reisen – zusammen mit Mentaltrainer Tarek Amin. Doch der schlägt das Angebot erst einmal aus, obwohl dies eine große Chance und das vielleicht größte Ziel eines jeden Trainers ist.

Doch für Tarek Amin gibt es Wichtigeres...

„Als der Sportdirektor mich am 11. Juni angerufen hat, um mir mitzuteilen, dass wir im Juli nach Tokio fliegen werden, hab ich direkt Nein gesagt“, erzählt Amin. Seine Frau ist nämlich schwanger und erwartet in dieser Zeit ein Baby.

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Für den Mentalcoach sei eins direkt klar gewesen: „Meine Frau braucht mich in dieser Zeit so sehr wie niemand anderen.“ Klar, es sei eine riesen Karriere-Chance und ein langersehntes Ziel, zumal Karate das erste Mal bei der Olympiade vertreten ist, meint Amin. „Aber ich möchte einfach dabei sein, wenn unser Kind kommt. Das ist ein so schönes Erlebnis, das möchte ich nicht verpassen.“

Als Tarek Amin seiner Frau davon erzählte, dass er nicht nach Tokio reisen werde, damit er ihr in dieser Zeit beistehen kann, soll sie nur gefragt haben: „Warum?“ und ermutigte ihn dazu, trotzdem zu fliegen. „Ihre Mutter sei ja schließlich auch da und könne ihr beistehen.“

Mentalcoach Tarek Amin blickt immer positiv in die Zukunft und freut sich schon sehr auf das Baby: „Vielleicht kommt es sogar an meinem 55. Geburtstag, am 20. Juli, zur Welt.“
Mentalcoach Tarek Amin blickt immer positiv in die Zukunft und freut sich schon sehr auf das Baby: „Vielleicht kommt es sogar an meinem 55. Geburtstag, am 20. Juli, zur Welt.“ | Bild: Priscilla Ogundipe

Amin ist dankbar „eine so tolle Frau zu haben“, dennoch steht für ihn fest: Sollte das Baby bis zum 23. Juli noch nicht auf der Welt sein, werde er nicht nach Tokio fliegen. „Das ist dann zwar traurig, aber das Gefühl, wenn ein Kind zur Welt kommt, kann man einfach nicht ersetzen“, erinnert er sich an die früheren Geburten seiner beiden Söhne zurück. Außerdem könne er sein Team genau so gut via Zoom unterstützen und coachen.

Mentaltrainer hofft auf Medaillen für sein Team

Amin rät seinen Athleten immer: „Wer gewinnen will, muss sich sein Ziel visualisieren und stetig vor Augen führen.“ Nach diesem Leitzsatz lebt er auch selbst und blickt zuversichtlich voraus: „Ich bin überzeugt, dass das Kind gesund und pünktlich, vor dem Abflugtermin, auf die Welt kommt.“ Dann habe er nämlich doch noch die Möglichkeit guten Gewissens nach Tokio zu reisen.

„Ich sehe mich vor meinem inneren Auge schon im Flieger sitzen“, sagt er. Für den Zweifelsfall habe er aber eine Reiserücktrittsversicherung. Ob er nun dabei sein wird, oder nicht: Amin rechnet mit guten Chancen für seine Athleten bei den Olympischen Spielen. Er hofft, dass sein Team mit mindestens zwei Medaillen wieder zurückkommt.

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