Der Preis für die Studenten-Bude steigt und die wegen Corona verwaisten Hörsäle und Seminarräume ändern daran nichts. Laut einer Studie des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) in Berlin, das am Montag der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt und dem SÜDKURIER bereits im Vorfeld überlassen wurde, stieg der Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer in diesem Jahr auf 450 Euro.

Im Vorjahr mussten 438 Euro bezahlt werden, womit sich der Trend des kontinuierlichen Mietpreisanstiegs fortsetzt. Bei Beginn der Datenerhebung durch das Institut im Jahr 2013 kamen die Studenten mit 345 Euro noch vergleichsweise günstig davon.

Bundesweiter Durchschnittspreis bei 400 Euro

Die Universitätsstadt Konstanz liegt damit beim deutschlandweiten Vergleich deutlich über dem Schnitt, das Institut kommt hier auf einen Preis von 400 Euro (Vorjahr 389 Euro). Zugrunde liegen der Studie die Auswertungen von 97 Hochschulstandorten, wobei das Institut zur leichteren Vergleichbarkeit eine Rangliste mit einem bis 100 reichendem Punktesystem entwickelt hat. Konstanz landet dabei mit 59 Punkten auf Platz 13 – im Vorjahr lag die Punktezahl bei 60, was Platz 10 bedeutete.

WG als Marktindikator

Im Vergleich zum Spitzenreiter München (Preis: 650 Euro) müssen die Studenten in Konstanz zwar deutlich weniger bezahlen, auch in Hamburg und Stuttgart als zweit- beziehungsweise drittplatzierte Hochschulstandorte liegen die Preise auf deutlich höherem Niveau; dennoch bewertet das Berliner Forschungsinstitut alle Städte mit einem Punktewert jenseits der 50 als „besonders kritisch“. Einen Wert über 50 erreichen auch Freiburg (66,5) und Tübingen (65,5), die damit auf der Rangliste die Plätze acht und neun einnehmen.

Bild: Müller, Cornelia

Der gesellschaftliche Sprengstoff erschließt sich bei der Betrachtung der zehn Hochschulorte mit Wohnkosten jenseits von 500 Euro – laut MMI studieren allein in diesen Städten etwa 775.000 Menschen. Durch die Pandemie verschlechtere sich die ökonomische Lage vor allem für jene, die auf BAFöG oder einen Nebenverdienst angewiesen sind, da es keine Verdienstmöglichkeiten in der Gastronomie oder in Freizeiteinrichtungen gebe. Ohne Unterstützung, so die Befürchtung des Instituts, wird das Elterneinkommen noch mehr als bisher über den Hochschulstandort und die späteren Beschäftigungsperspektiven entscheiden.

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Doch es ist nicht nur das Versiegen von Einnahmequellen, die das studentische Budget belastet. Paradoxerweise wirkt sich Corona als Trendverstärker bei der Preisentwicklung von Wohnpreisen für Studenten aus.

Zu erwarten gewesen wäre laut Darstellung des Instituts das Gegenteil: Da Seminare und Vorlesungen derzeit fast ausschließlich digital stattfinden und zudem viele ausländische Studenten in ihren Heimatländern bleiben, sei man zu Beginn der Untersuchung von einem Rückgang der Nachfrage und folglich einer Entspannung bei der Preisentwicklung ausgegangen.

Andrang auf Studienplätze mangels Alternativen

Tatsächlich war dies im Frühjahr beim ersten Lockdown auch der Fall. Zum Wintersemester wurden die dämpfenden Effekte aber offenbar von preistreibenden Entwicklungen überlagert. So nehme die Zahl der Studierwilligen spürbar zu, weil Schulabsolventen wegen der Pandemie deutlich weniger Alternativen wie Auslandsaufenthalte, Praktika und Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen.

Wie tief die Gutachter dabei in die Materie eingestiegen sind, zeigt sich an der Unterscheidung von Hochschulstandorten nach ihren Anteilen an ausländischen Studenten. Auch hier ergibt sich ein auf den ersten Blick paradoxes Phänomen: In Städten mit einem geringen Prozentsatz an ausländischen Studenten steigen die WG-Mieten zurzeit stärker als in Städten mit einem hohen Anteil.

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Der Grund: Der Preisdämpfungseffekt ist durch die ausbleibende internationale Wohnungsnachfrage weniger ausgeprägt. Das Ganze lässt sich laut MMI bis auf den Prozentpunkt hinter dem Komma belegen. Bei geringer Internationalisierung der Hochschulen stiegen die Preise um 4,1 Punkte, bei einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Studenten aus dem Ausland lag der Wert bei einem Prozent.