Affenhitze. So heißt der aktuelle Kluftinger-Krimi, der zurzeit in jeder Buchhandlung zu haben ist. Dieses gebundene Buch, einmal gelesen, bot eine Frau der Konstanzer Stadtbibliothek als Spende an – und staunte. Denn sie hörte ein freundliches, aber bestimmtes: Nein, danke!

Viel Arbeit, wenig Ertrag

Die Bücherei nimmt grundsätzlich keine Buchspenden an. Warum dies so ist, erklärt die Leiterin Ulrike Horn. Die Arbeit, so sagt sie, stehe in keinem Verhältnis zum Ertrag. Denn als die Bibliothek noch Bücherspenden annahm, habe sie die Erfahrung gemacht, dass viele Buchgeschenke zwar gut gemeint seien, aber überhaupt nicht in den Bestand passten.

Ulrike Horn, Leiterin der Stadtbibliothek, will keine Bücherspenden. Die Bücherei kauft lieber selbst neues Lesefutter.
Ulrike Horn, Leiterin der Stadtbibliothek, will keine Bücherspenden. Die Bücherei kauft lieber selbst neues Lesefutter. | Bild: Rindt Claudia

„Die Eignung der Bücher zu prüfen, ist ein extremer Personalaufwand. Von 50 gibt es vielleicht zwei, die wir tatsächlich nehmen können.“ Also sage man konsequent Nein zu Buchspenden, „auch auf die Gefahr hin, dass einem mal ein Bestseller durch die Lappen geht.“

Den Kluftinger-Krimi, den es schon zweimal in der Bibliothek gibt, hätte man auch ein drittes Mal gebrauchen können. Doch nicht immer bringen Spender Bücher, die so eindeutig gern gelesen werden.

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Für viele sei ein Buch, das optisch schön aussehe, eines, das sie der Stadtbücherei überlassen wollen, sagt Horn. Und sie kämen mit den alten Klassikern aus den Bücherschränken der Eltern- und Großelterngeneration. Ein Beispiel sei Johannes Mario Simmel, der einmal zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum gehörte. Heute lese kaum mehr jemand dessen Romane.

Aktualität ist Trumpf

Dasselbe gelte für Sachbücher, die zwar noch einwandfrei aussehen und dennoch zehn Jahre und mehr auf dem Buckel haben, oder für noch verpackte Bücher aus Buchclubs. „Wir wollen aber Aktuelles abbilden“, sagt Ulrike Horn. Dafür seien acht Lektoren im Einsatz, vier mit einer ganzen Stelle, vier in Teilzeit.

Jedes Jahr bestelle die Bibliothek 9000 Medien neu, darunter Bücher, aber auch DVDs oder CDs. Diese müssten in einem Katalog erfasst und die Bücher zudem in Folie eingeschlagen werden. Das Aussortieren von Bücherspenden und im schlimmsten Fall das Entsorgen der Bände spare sich die Bücherei da lieber.

Zu einer modernen Bibliothek gehören auch Lese- und Kuschelecken. Eine davon hat Sonja Koehler mit ihren Kindern Silas (links) und ...
Zu einer modernen Bibliothek gehören auch Lese- und Kuschelecken. Eine davon hat Sonja Koehler mit ihren Kindern Silas (links) und Salomé entdeckt. Sie liest den Kleinen aus dem Buch „Der Mäuseritter“ vor. | Bild: Rindt Claudia

Die Stadtbibliothek sammle nämlich keine Bücher, sondern wolle einen Bestand, der ausgeliehen und gelesen werde. Echte Renner würden bis zu 148-mal geholt, dann seien sie in der Regel zerlesen und würden ersetzt oder, wenn das Interesse nachlässt, ersatzlos gestrichen. Da könne es auch Weltklassiker wie „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewski treffen.

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Büchergeschenke will die Bibliothek zwar nicht, Bücherwünsche versucht das Haus dagegen zu erfüllen. Im elektronischen Katalog gibt es die Rubrik „Wunschmedium“. Dort kann jeder einen Vorschlag für einen Ankauf abgeben.