Donnerstagmorgen in der Kreuzlinger Einkaufsstraße, auch „Boulevard“ genannt. „Ne, Bro, das nimmt man hier nicht wahr“, sagt Denis Malota auf die Frage, ob die Konstanzer Oberbürgermeisterwahl vor Ort eine Rolle spielt. „Für uns ist eher wichtig, was in Kreuzlingen abläuft“, fügt der 24-Jährige hinzu und lacht.

Denis Malota, 24, arbeitet als Restaurantfachmann in der Thurgauer Kantonshauptstadt Frauenfeld, lebt aber in Kreuzlingen.
Denis Malota, 24, arbeitet als Restaurantfachmann in der Thurgauer Kantonshauptstadt Frauenfeld, lebt aber in Kreuzlingen. | Bild: Arndt, Isabelle

Auch andere Passanten schütteln bei der Frage nach der Wahl in der Nachbarstadt den Kopf. Etwa Irina Landolt. Die 27-Jährige sagt zwar, dass sie davon am Rande etwas mitbekommen habe. „Aber es interessiert mich nicht wirklich. Das betrifft uns hier einfach nicht so.“

Irina Landolt, 27, aus Kreuzlingen arbeitet in der Administration des Kantonsspitals Münsterlingen.
Irina Landolt, 27, aus Kreuzlingen arbeitet in der Administration des Kantonsspitals Münsterlingen. | Bild: Marcel Jud

Selbst einige Exil-Konstanzer und Deutsche winken ab. „Ich beschäftige mich nicht damit, weil ich in Konstanz eh nicht wählen kann“, sagt etwa Adelheid, die ihren Nachnamen nicht nennen will. Die Rentnerin lebt seit 1993 in der Umgebung von Kreuzlingen.

Auch Elena, die vor sieben Jahren aus dem Schwarzwald nach Kreuzlingen gezogen ist, will weder mit Bild noch mit Familiennamen in der Zeitung erscheinen. Sie habe zwar im SÜDKURIER einiges zur OB-Wahl gelesen. „Aber ich habe jetzt nicht so einen Bezug zu Konstanz, da ich ja nicht von dort bin“, sagt die 31-Jährige.

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Kreuzlinger Stadtpräsident verfolgt den Wahlkampf „aus der Ferne beziehungsweise Nähe“

Dieses Stimmungsbild widerspricht in Teilen der Vermutung des Kreuzlinger Stadtpräsidenten Thomas Niederberger, der in einem Vorgespräch meinte: „Die rund 6000 Deutschen, die in Kreuzlingen leben, interessiert es wohl ein bisschen mehr. Aber generell sind es wohl Menschen, die einerseits ein politisches Interesse haben und andererseits einen Bezug zu Konstanz, durch Familie oder Freunde. Und da sind auch Schweizer dabei.“

Thomas Niederberger ist seit 2018 Kreuzlinger Stadtpräsident.
Thomas Niederberger ist seit 2018 Kreuzlinger Stadtpräsident. | Bild: Marcel Jud

Bei ihm selbst ist das Interesse an der OB-Wahl schon allein von Amts wegen gegeben: „Ich beobachte den Wahlkampf auch aus der Ferne beziehungsweise Nähe. Aber es geht ja vor allem um generelle Themen und weniger um Grenzüberschreitendes, das uns auch tangiert.“

Zu den einzelnen Kandidaten will sich Niederberger nicht äußern, nur so viel: „Egal, wer Oberbürgermeister wird: Uns ist wichtig, dass wir auf Augenhöhe mit den Konstanzer Kollegen diskutieren können. Beide Städte haben ihre Anliegen und es geht darum, jeweils eine gemeinsame Lösung zu finden.“

„Wir lassen die Konstanzer in Ruhe wählen“

Schließlich findet sich dann auch auf dem Kreuzlinger Boulevard noch ein Passant, dem die Konstanzer OB-Wahlen nicht egal ist. „Ich verfolge die Wahlen. Konstanz ist unsere Nachbarstadt und daher ist es interessant, wer dort Oberbürgermeister wird“, sagt der 91-jährige Werner Baumberger.

Der Kreuzlinger Werner Baumberger, 91, ist Rentner und interessiert sich für die Konstanzer OB-Wahl.
Der Kreuzlinger Werner Baumberger, 91, ist Rentner und interessiert sich für die Konstanzer OB-Wahl. | Bild: Marcel Jud

Hat er denn auch einen Favoriten unter den fünf Kandidaten? „Nein, wir lassen die Konstanzer in Ruhe wählen. Sie wissen ja selbst am besten, wer zu ihnen passt.“

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