Stephan Schulz ist frustriert. Dass er sich noch weiter für Änderungen beim Pflegeheim-Projekt der Caritas einsetzen wird, glaubt er nicht. Für das Heim soll die ehemalige Schule Zoffingen umgebaut werden, ein Anbau entsteht. Ein paar Jahre lang haben er und andere Anwohner dagegengehalten, ihre Kritikpunkte geäußert, einer der Nachbarn klagte. Jetzt macht sich Resignation breit.

Übergang von alt und nicht allzu erhaltenswert und historisch und unter Denkmalschutz stehend: Die ehemalige Schule Zoffingen ist in ihrer Architektur uneinheitlich.
Übergang von alt und nicht allzu erhaltenswert und historisch und unter Denkmalschutz stehend: Die ehemalige Schule Zoffingen ist in ihrer Architektur uneinheitlich. | Bild: Larissa Hamann

Frust und Unzufriedenheit bei Projektgegnern

Am 18. Mai will die Caritas mit Abriss und Neubau beginnen. „Was kann man

Das Portal zeigt es: Teile der ehemaligen Schule Zoffingen stehen unter Denkmalschutz und müssen erhalten werden.
Das Portal zeigt es: Teile der ehemaligen Schule Zoffingen stehen unter Denkmalschutz und müssen erhalten werden. | Bild: Oliver Hanser

noch machen?“, fragt Stephan Schulz und spricht von Frust und Unzufriedenheit jener Niederburg-Bewohner, die als Gegner des Projekts bekannt geworden sind.

Sie betonen, dass sie nicht gegen ein Alten- und Pflegeheim eingestellt seien und alle aus der Gruppe sozial engagiert seien. Welche Punkte sind dann für sie unüberwindbar problematisch?

Anbau wird als zu groß empfunden

Zum einen geht es um die Größe des geplanten Anbaus, der den Anwohnern überdimensioniert scheint. Ursprünglich hatte die Caritas ein Konzept angestrebt, das eine Kita und eine Wohnung für Schwestern des Klosters Zoffingen beinhaltete, eine Art Quartierszentrum. Das sei später fallen gelassen worden – dennoch habe der Wohlfahrtsverband an der Größe des Gebäudes festgehalten.

Anwohner erkennen keine Kompromissbereitschaft

Ein zweiter Kritikpunkt liegt im Atmosphärischen. Immer wieder hätten die Anwohner Briefe geschrieben und um Gespräche gebeten. „Ich habe mich vor allem schriftlich an verschiedene Stellen gewandt“, sagt auch Schulz. Antworten habe es wenige gegeben. An zwei Treffen zu Beginn der Planungen erinnert er sich. „Danach entstand stets der Eindruck, dass die Verantwortlichen ohnehin an den Planungen festhalten“, sagt er. Eine Kompromissbereitschaft sei nicht erkennbar gewesen.

Die Nachbarn befürchten zu dichten Besucherverkehr

Ein dritter Punkt betrifft das Verkehrskonzept. Die Anwohner befürchten Unruhe durch Besucher- und Anlieferverkehr in einer sensiblen Gegend wie der Niederburg. Franzis von Stechow, Fotografin und deshalb für Architektur sensibilisiert, macht sich vor allem um das Erscheinungsbild der Niederburg Sorgen. „Ich fühle mich dazu berufen, zu fordern, dass man gewachsene Strukturen erhält“, sagt sie. Der große Anbau passe einfach nicht dorthin.

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Caritas wehrt sich gegen die Kritik

Andreas Hoffmann, Vorsitzender des Caritas-Verbands Konstanz, will die Kritik so nicht stehen lassen. Die Planung, in das Gebäude eine Kita und eine Wohnung zu integrieren, sei auch auf Wunsch der Anwohner gekippt worden. Der Gemeinderat hatte dies an den Bauherrn herangetragen. Trotz der Umnutzung sei es nicht möglich gewesen, ein ganzes Stockwerk des Anbaus einzusparen, schreibt Hoffmann.

Im Hinterhof wurden unter Protest der Anwohner Kastanien entfernt, um Platz für den Anbau zu schaffen.
Im Hinterhof wurden unter Protest der Anwohner Kastanien entfernt, um Platz für den Anbau zu schaffen. | Bild: Oliver Hanser

„Wir haben umfassend kommuniziert“

„Wir haben in sehr umfangreicher Weise kommuniziert – auch die Stadt und der Oberbürgermeister“, ergänzt er. Dass die Anregungen der Bürger nicht in großem Umfang realisiert wurden, liege daran, dass demokratisch legitimierte Instanzen wie der Gemeinderat sowie Behörden den Planungen zustimmten. Das Verkehrskonzept sei sogar gerichtlich überprüft worden. Hoffmann verweist am Rande darauf, dass es zuvor, während der Nutzung als Schule, deutlich mehr Abhol- und Bringverkehr gegeben habe.

Alte Turnhalle wird schrittweise abgebrochen

Ob es den Anwohnern gefällt oder nicht: Ab jetzt werden die Bauarbeiten voranschreiten. Zuerst erfolge der Rückbau der alten Turnhalle der Schule. Das Gebäude soll entkernt werden, ab Juli dann schrittweise abgebrochen. Ziel sei es, dass die Baustelle für den Neubau ab Ende Oktober eingerichtet ist, wie die Caritas in einer Pressemitteilung schreibt. Sie rechnet mit 30 bis 35 Monaten Bauzeit.

Dem Verband sei daran gelegen, die Anwohner über Fortschritte zu informieren und Rundgänge auf der Baustelle anzubieten, sobald die Corona-Beschränkungen dies zuließen. Die Gegner des Projekts scheint das wenig zu beeindrucken. „Dass die Baufirmen für Lärmschutz sorgen und ihre Arbeit am Wochenende unterbrechen, das halte ich, ehrlich gesagt, für selbstverständlich“, kommentiert Stephan Schulz.

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