Erich Schön hat einen privilegierten Platz – er wohnt am Radweg südlich der Bahnstrecke und kann vom Küchenfenster aus alles, was dort geschieht, genau beobachten. In den vergangenen Monaten hatte der Konstanzer vor allem einen guten Ausblick auf die Baustelle am Petershauser Seehas-Haltepunkt, an der nicht mehr viel voranging.

Erich Schön ist Anwohner am Haltepunkt Petershausen. Er ist froh, dass der Bahnsteig jetzt barrierefrei ist, würde sich aber über eine Fertigstellung freuen.
Erich Schön ist Anwohner am Haltepunkt Petershausen. Er ist froh, dass der Bahnsteig jetzt barrierefrei ist, würde sich aber über eine Fertigstellung freuen. | Bild: Wagner, Claudia

Die Stopfmaschine ist defekt

Was ist der Hintergrund des momentanen Baustopps? Eine Stopfmaschine sei ausgefallen, berichtet eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage des SÜDKURIER. Eine solche Maschine braucht man, um nach dem Herausnehmen des Gleises dieses wieder in die richtige Lage zu bringen. Zuvor allerdings müsse die Personenunterführung komplett zurückgebaut werden.

Erst im Oktober geht‘s weiter

Deshalb verzögert sich der Abschluss der Arbeiten am Haltepunkt Petershausen nochmals um mehrere Monate. Die Unterführung solle nach dem aktuellen Stand der Planung nun im Oktober zurückgebaut werden, heißt es von Seiten der Bahn. Der Rückbau der Unterführung sei nur bei einer Vollsperrung von Gleis 1 möglich – und diese könne erst am Wochenende vom 16. bis 18. Oktober erfolgen.

Anschließend folgt der Bau des noch fehlenden Teils von Bahnsteig 1. Er müsse um etwa 30 Meter verlängert werden. Die Bahn will die Arbeiten bis Ende dieses Jahres abschließen.

„Der Bahnhaltepunkt ist komplett funktionsfähig“, räumt Erich Schön gern ein. Die Anwohner tangiere der Baustopp nicht sonderlich. Besonders angenehm findet er die Situation trotzdem nicht. „Es ist eher eine ästhetische Frage“, sagt Schön und zeigt auf den herumliegenden, notdürftig aufgeräumten Bauschutt zwischen den Gleisen.

Bild: Wagner, Claudia

Bahnsteig 1, auf dem Fahrgäste für die Abfahrt Richtung Radolfzell und Singen warten, sei bisher nur über einen provisorischen Zugang erreichbar, ergänzt Schön. Wer nicht Bescheid weiß und alte Wege nutzt, läuft Gefahr, auch mal einen Zug zu verpassen: Dort, wo die Unterführung früher aufs Gleis führte, kommt man inzwischen nicht weiter. Stattdessen gibt es einen Zugang an der Einmündung der Z-Brücke auf nördlicher Seite.

Fahrgäste müssen an dieser Stelle Gleis 1 erreichen, an der auch der Zugang zur Z-Brücke ist.
Fahrgäste müssen an dieser Stelle Gleis 1 erreichen, an der auch der Zugang zur Z-Brücke ist. | Bild: Wagner, Claudia

Erst Ende des Jahres, wenn der Bahnsteig verlängert ist, wird auch der Zugang im Bereich der ehemaligen Unterführung wieder möglich sein.

Hier, an der ehemaligen Unterführung, gibt es im Moment noch keinen Zugang zu Gleis 1.
Hier, an der ehemaligen Unterführung, gibt es im Moment noch keinen Zugang zu Gleis 1. | Bild: Wagner, Claudia

Dort, am Brückenplatz Nord, beginnen nun Arbeiten der Stadtverwaltung. Die Die Baufirma Schöppler sei momentan dabei, die Baustelle einzurichten, berichtet Anja Fuchs, Sprecherin der Stadtverwaltung. Die Gustav-Schwab-Straße werde im Bereich der Hausnummern 3 bis 12b auf ihrer gesamten Breite ausgebaut. In der nächsten Woche begännen die Aufbrucharbeiten.

Verkehrsberuhigter Bereich

Ziel sei es, in der Pestalozzi-Straße und der Gustav-Schwab-Straße einen verkehrsberuhigten Bereich auszuweisen. Die Gehwege sollen barrierefrei eingerichtet werden. Die einzige Trennung zwischen Straße und Gehweg solle schließlich die Entwässerungsrinne sein. Entwässerung und Straßenbeleuchtung sollen erneuert werden. Die Arbeiten sollen bis April 2021 abgeschlossen sein.

Zudem wird der Brückenplatz Nord direkt an der Z-Brücke gestaltet. Der Gehweg zu Hauseingängen und Bahnsteig werde neu gepflastert, der Platz werde teilweise asphaltiert. In der Platzmitte soll eine Grünfläche mit Spielausstattung und ein Sitzplatz mit Pergola entstehen.

Bis der Haltepunkt und seine unmittelbare Umgebung so gerichtet ist, dass es auch der Ästhetik genügt, wird es also noch eine Weile dauern. Erich Schön und einige seiner Mitstreiter vom Treffpunkt Petershausen wollen die Gelegenheit aber nutzen, um auf Gefahrenquellen hinzuweisen – und anderes zu verbessern.

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So beobachte er, wie zunehmend Menschen, die auf der Südseite aus dem Zug aussteigen, die Bahngleise einfach queren – was strikt verboten ist – statt den längeren Weg über die Z-Brücke zu gehen. Schön fürchtet, dass das inzwischen eingeebnete Mittelstück zwischen den Gleisen zu diesem Verhalten verleite.

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Als letzten Schliff stellt sich Erich Schön vor, dass auch die Ästhetik der Randbereiche aufgepeppelt wird. Etwa vier Meter des Randstreifens neben dem Fahrradweg auf der Südseite der Bahnlinie gehören der Stadt. Die Bürgergemeinschaft Petershausen möchte dort eine Blumenwiese aussäen, die für Bienen und Insekten attraktiv, für Radfahrer, Touristen und Einheimische schön anzusehen ist. „Die Stadt ist offen für das Vorhaben“, sagt Erich Schön, „wir müssen jetzt eben nur noch abwarten, bis die Arbeiten abgeschlossen sind und die schweren Fahrzeuge nicht mehr hier parken.“

Hier hat die Bürgergemeinschaft Petershausen schon mal eine Blumenwiese ausgesät. Jetzt ist sie aber den schweren Baumaschinen zum Opfer gefallen.
Hier hat die Bürgergemeinschaft Petershausen schon mal eine Blumenwiese ausgesät. Jetzt ist sie aber den schweren Baumaschinen zum Opfer gefallen. | Bild: Wagner, Claudia

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