Brennende Israel-Flaggen, Angriffe auf Synagogen und hetzerische Sprechchöre: In ganz Deutschland ist im Zuge des neu entflammten Israel-Konflikts zu antisemitischen Vorfällen bei jüdischen Gotteshäusern gekommen.

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Bislang hießen die Tatorte unter anderem Gelsenkirchen, Münster oder Mannheim. Doch auch Übergriffe auf die Synagoge in der Konstanzer Sigismundstraße scheinen möglich, so die Einschätzung der Konstanzer Gemeindeverantwortlichen.

Absage als Zeichen der Schwäche? „Ist mir wurst“

Wie Gabriel Albilia, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde dem SÜDKURIER mitteilte, habe man sich aus diesem Grund dazu entschlossen, die jüdischen Gottesdienste an diesem Wochenende und in der kommenden Woche ausfallen zu lassen. Ursprünglich hätten die Mitglieder von Sonntag, 16. Mai, bis Dienstag, 18. Mai, das Shawout-Fest gefeiert, das jüdische Erntedankfest.

„Wir wollen lieber Sicherheit, anstatt ein Risiko einzugehen“, Gabriel Albilia, stellvertretender Vorsitzender der jüdischen ...
„Wir wollen lieber Sicherheit, anstatt ein Risiko einzugehen“, Gabriel Albilia, stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Konstanz. | Bild: Lukas Ondreka

„Ich bin sehr traurig, dass die Gottesdienste nicht stattfinden können“, sagt Gabriel Albilia. Er erklärt, dass diese Entscheidung in Rücksprache mit der Konstanzer Polizei gefallen sei. Diese habe bei der Gemeinde angefragt, ob man die Feierlichkeiten trotz der „heißen“ Situation in Israel und der Vorfälle in mehreren deutschen Städten abhalten wolle. Aus Sorge vor Angriffen habe man sich dagegen entschieden, so Albilia. Man wolle „lieber Sicherheit, anstatt ein Risiko einzugehen“.

Welches Signal die Gemeindeverantwortlichen mit einer solchen Absage sendeten, spiele für Albilia und seine Vorstandskollegen keine Rolle. „Ob es ein Zeichen der Angst oder Schwäche ist, ist mir wurst“.

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Im jüdischen Glauben stehe der Schutz des Lebens an oberster Stelle. Diese Verantwortung trügen er und der Vorstand in der aktuellen Situation. „Wir werden nicht die Mitglieder unserer Gemeinde in Gefahr bringen.“

Verstärkte Polizeistreifen vor Konstanzer Synagoge

Die Konstanzer Polizeistreifen werden in den kommenden Tagen verstärkt ein „waches Auge auf die Entwicklungen“ bei Synagoge haben, so Jörg Kluge, Sprecher der Polizei Konstanz, auf SÜDKURIER-Anfrage. „Sollten sich Gefährdungshinweise ergeben, wird situationsangepasst reagiert.“

„Sollten sich Gefährdungshinweise ergeben, wird situationsangepasst reagiert“, Jörg Kluge, Sprecher der Polizei Konstanz.
„Sollten sich Gefährdungshinweise ergeben, wird situationsangepasst reagiert“, Jörg Kluge, Sprecher der Polizei Konstanz. | Bild: Göbel, Nathalie

Derzeit gibt es keinen festen Polizeiposten vor der Synagoge. Sollte ein erhöhtes Gefahrenpotenzial zu beobachten sein, könne sich dies „unter Umständen“ ändern und einem „Objektschutz“ führen, so Kluge.

Zwar habe es bislang keine Drohungen gegen die Gemeinde oder ihre Mitglieder gegeben, so Gabriel Albilia. Dennoch plane man, bald einen Sicherheitsmitarbeiter für die Gemeinde einzustellen.

Die Konstanzer Synagoge von innen. Nach drei Jahren Bauzeit wurde sie 2019 eröffnet. Sie steht unweit der Synagoge, die 1938 in der ...
Die Konstanzer Synagoge von innen. Nach drei Jahren Bauzeit wurde sie 2019 eröffnet. Sie steht unweit der Synagoge, die 1938 in der Konstanzer Pogromnacht zerstörten zerstört wurde. | Bild: Lukas Ondreka/SK-Archiv

Dieser soll Besucher kontrollieren und eine mögliche Gefahrenlage vor Ort im Auge behalten. Dieser Plan existiere bereits seit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019.

Situation in Israel „sehr beunruhigend“

Für Albilia, der im Norden Israels geboren und aufgewachsen ist, ist die aktuelle Situation in seinem Geburtsland „sehr beunruhigend“, wie er sagt. Oft riefen derzeit Freunde und Nachbarn ihn an, um sich über die Situation bei ihm zu informieren. „‘Was sind die Gründe für den Konflikt? Ist deine Familie betroffen?‘, fragen sie“, so Albilia.

Er sorge sich sehr um die Sicherheit seiner Verwandten im Land und verfolge ununterbrochen israelische Nachrichten. Vor der Haustür eines Freundes sei sogar eine Rakete eingeschlagen und habe für einen großen Schock gesorgt, berichtet Albilia. „Ich wünsche niemandem, dass er sich nicht in seinem Haus sicher fühlt.“

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