Mit dem Leiterwagen übers Land, am See entlang. Eine Flasche Bier in der Hand, den Kasten im Wagen. Wandernde und singende Männer. Der Vatertag ist traditionell die Gelegenheit, einigermaßen legal über die Stränge zuschlagen. Zumeist sind es größere Gruppen, die den Tag in der Natur miteinander verbringen. In diesem Jahr muss alles anders werden. Auch in Konstanz.

Appell der Polizei an alle Väter

„Verhalten Sie sich so, dass die Polizei auch am Vatertag in Zeiten der Corona Pandemie nicht gegen Sie einschreiten und Ihre Feier stören muss“, lautet der Appell des Polizeipräsidiums Konstanz. Die Temperaturen sollen sich deutlich über 20 Grad bewegen, Sonne satt ist für diesen Donnerstag angekündigt.

Kein Picknick, keine Bollerwagen, kein Grillen

Die Polizei möchte erst gar keine Missverständnisse aufkommen lassen und erklärt: „Verhaltensweisen, die ein mögliches Abstandsgebot gefährden, sind untersagt. Betroffen sind Gruppenbildungen, Picknick oder Grillen im Freien, größere Fahrradgruppen oder auch die traditionellen Bollerwagentouren.“

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Solche Touren müssen aufgrund der Ansteckungsgefahr ausfallen. Bei der Planung des Feiertages müsse zwingend an den Infektionsschutz gedacht werden, schreibt die Polizei: „In jedem konkreten Einzelfall werden die eingesetzten Beamten prüfen, ob ein Ansprechen der Personen ausreichend ist, ein Platzverweis ausgesprochen werden muss oder die Einleitung eines empfindlichen Bußgeldverfahrens erforderlich wird.“

Väter mit einem Wagen und jeder Menge Bier: 2020 nicht möglich.
Väter mit einem Wagen und jeder Menge Bier: 2020 nicht möglich. | Bild: dpa

Außerdem kündigt das Polizeipräsidium Konstanz an, deutlich mehr Kräfte einzusetzen, um das Geschehen in und um Konstanz zu überwachen. „Bei Verstößen gegen die Hygieneverordnungen und das Abstandsgebot beziehungsweise das Kontaktverbot werden wir konsequent vorgehen.“

Bis 5. Juni gelten die aktuellen Regeln

Derzeit gilt: der Aufenthalt im öffentlichen Raum, also auch auf allen öffentlichen Wegen und Plätzen, ist bis zum 5. Juni 2020 nur alleine oder im Kreis der Angehörigen des eigenen sowie eines weiteren Haushalts gestattet.

Zu anderen Personen ist im öffentlichen Raum, wo immer möglich, ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Außerhalb des öffentlichen Raums, auf dem Privatgrundstück, im Garten oder in einer Wohnung, sind Veranstaltungen und Treffen von jeweils mehr als fünf Personen bis zum 5. Juni 2020 verboten.

Ausgenommen hiervon sind Personen, die in gerader Linie verwandt sind (Eltern, Großeltern, Kinder und Enkelkinder) sowie Geschwister und deren Kinder oder Personen, die dem gleichen Hausstand angehören.

Baden in den Strandbädern verboten

Der Sprung in den Bodensee ist auch nicht überall erlaubt. Die Landesverordnung zur Corona-Pandemie fodert, Schwimmbäder bis 5. Juni geschlossen zu halten.

Erlaubt: Die Wiesen der Strandbäder können genutzt werden, so wie hier in Litzelstetten. Ins Wasser darf man hier jedoch nicht.
Erlaubt: Die Wiesen der Strandbäder können genutzt werden, so wie hier in Litzelstetten. Ins Wasser darf man hier jedoch nicht. | Bild: Schuler, Andreas

Nach einer rechtlichen Prüfung geht die Konstanzer Bädergesellschaft davon aus, dass auch Strandbäder als Schwimmbäder zu bewerten sind, weil dort im Normalfall unter Aufsicht geschwommen werde.

Wiesen können jedoch genutzt werden

Die Bädergesellschaft stellt eindeutig fest: „Ja, das Baden ist innerhalb des Geländes der Strandbäder nicht erlaubt“, schreibt Pressesprecher Christopher Pape. Aber: „Die meisten Strandbäder sind frei zugänglich und auch die Nutzung der Wiesen ist im Rahmen der Corona-Verordnung gestattet. Wenn das Gelände nicht zum Baden genutzt wird, ist alles innerhalb des erlaubten Rahmens, so dass auch keine Strafen zu befürchten sind.“

Der kommunale Ordnungsdienst sowie die Polizei werden im das Geschehen in den Strandbädern beobachten. Toiletten und Gastronomie sind jedoch geöffnet.

Anstehen mit dem nötigen Abstand, hier im Strandbadbistro Dingelsdorf.
Anstehen mit dem nötigen Abstand, hier im Strandbadbistro Dingelsdorf. | Bild: Schuler, Andreas

Oberbürgermeister Uli Burchardt weiß jedoch nur zu genau, dass in der Stadt mit der längsten frei zugänglichen Uferlinie am Bodensee die Menschen baden gehen. „Die Leute werden ins Wasser springen.“ Es könne auch nicht sein, dass dies nur noch Menschen mit eigenem Boot erlaubt sei.

„Ich kann in Konstanz keine Badestellen schließen, Konstanz ist eine Badestelle“, brachte es OB Uli Burchardt bei der jüngsten Gemeinderatssitzung auf den Punkt.

„Bäder sind geschlossen, nicht gesperrt“

Also schließt die Stadt ihre Freibäder, indem sie keine Badeaufsicht bereit stellt, riegelt diese aber nicht ab. Jeder kann auf die Liegewiese, und ins Wasser. Um nicht in Haftung genommen zu werden, weil es keine Aufsicht gibt, werden nach Angaben des OB demnächst Schilder aufgestellt, die das Baden verbieten. „In Konstanz sind die Bäder geschlossen, nicht gesperrt“, betonte Uli Burchardt im Gemeinderat.

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Er hofft, dass in den Freibädern die Abstandsregeln eingehalten werden. Die Stadt beobachte dies, und müsse feststellen, dass es im Herosé-Park zeitweise grenzwertig sei. Es sei auch festzustellen, dass bei den Bürgern zunehmend das Verständnis für die Corona-Auflagen schwinde.

So sieht es die Reichenau

Die Insel Reichenau betrachtet in der Frage, ob Strandbäder zu den Schwimmbetrieben gehören, die geschlossen gehalten werden müssen, als Auslegungssache. Sie betrachtet sie eher Freitluft-Sportanlage, die öffnen darf. Sie hält nun die Liegewiese offen, die Infrastruktur aber geschlossen.

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