Lionel, drei Jahre alt.

Diego, elf Jahre alt.

Diego (rechts) und Lionel schlafen meistens in diesem Zimmer – wobei Diego immer öfter alleine sein möchte.
Diego (rechts) und Lionel schlafen meistens in diesem Zimmer – wobei Diego immer öfter alleine sein möchte. | Bild: Schuler, Andreas

Amalia, fünf Jahre alt.

Deborah, dreizehn Jahre alt.

Im Schlafzimmer der Töchter Amalia (links) und Deborah sitzt Mutter Debora und nimmt die Mädchen in den Arm. Die dreizehnjährige Deborah träumt von einem eigenen Zimmer.
Im Schlafzimmer der Töchter Amalia (links) und Deborah sitzt Mutter Debora und nimmt die Mädchen in den Arm. Die dreizehnjährige Deborah träumt von einem eigenen Zimmer. | Bild: Schuler, Andreas

Die vier Kinder teilen sich zwei Schlafzimmer mit einem Einzel- und einem Doppelbett. Jeder schläft irgendwann einmal auf dem Boden. Die Eltern Debora und Ali Spagnolo weichen zumeist auf das Wohnzimmer aus – die Couch ist ihr Ehebett.

Diese Couch im Wohnzimmer ist die Schlafstelle von Debora und Ali Spagnolo. Die vier Kinder teilen sich zwei Schlafzimmer.
Diese Couch im Wohnzimmer ist die Schlafstelle von Debora und Ali Spagnolo. Die vier Kinder teilen sich zwei Schlafzimmer. | Bild: Schuler, Andreas

Die Drei-Zimmer-Mietwohnung der Familie in der Mannheimer Straße befindet sich im vierten Stockwerk. Mit vier Kindern ist das so eine Sache. „Den Kleinen müssen wir ab und an hochtragen“, erzählt Mutter Debora.

Und weiter: „Wir müssen hier raus und in eine größere Wohnung ziehen. Die Kinder benötigen ihre eigenen Zimmer.“ Beim gemeinsamen Toben im Wohnungsflur muss dann schon mal ein Bild dran glauben – wie in diesem Video zu sehen ist.

Video: Schuler, Andreas

Damit die Kinder auch einen Rückzugsort für sich haben, benötigt die Familie mehr Platz. Das wäre dann eine Fünf-Zimmer-Wohnung – natürlich zu einem erschwinglichen Preis. Das kommt in etwa der Suche nach einem Delphin im Bodensee gleich. „Wir zahlen hier 650 Euro warm“, sagen die Eltern.

Vater Ali hat laut eigener Aussage eine unbefristete Festanstellung als Krankenfahrer beim Klinikum und verdient 1900 Euro netto, die Familie erhält 1500 Euro Kindergeld mit Zuschlag. „Uns ist bewusst, dass wir 1000 Euro oder mehr für fünf Zimmer ausgeben müssten“, sagen sie. „Dazu sind wir bereit.“

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Der Balkon wird zum Trocknen der Wäsche genutzt – Mutter Debora möchte nicht, dass ihre Kinder hier unbeaufsichtigt spielen – sie hat wegen der Höge Angst.
Der Balkon wird zum Trocknen der Wäsche genutzt – Mutter Debora möchte nicht, dass ihre Kinder hier unbeaufsichtigt spielen – sie hat wegen der Höge Angst. | Bild: Schuler, Andreas

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobak ist Eigentümer der Wohnung und Vermieter der Familie Spagnolo. Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen keine Informationen über die Familie herausgegeben werden.

Lediglich die Tatsache, dass sie Mieter ist, darf bestätigt werden – aber auch nur, weil die Spagnolos das selbst auch bestätigen. „Die Anzahl von Fünf-Zimmer-Wohnungen können wir an einer Hand abzählen“, heißt es in einem Pressegespräch mit der Wobak.

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Zum 31. Dezember 2020 zählt die Wohnbaugesellschaft 2771 Bewerber für eine der rund 4000 Wohnungen, darunter waren 346 Tauschbewerber wie Familie Spagnolo. „Wir haben schon mehrere Tauschanträge gestellt“, so Debora Spagnolo. „Aber bisher hatten wir kein Glück. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

Ihre Kinder sitzen bei Gespräch mit dem SÜDKURIER am Esstisch und trinken Schokoladen-Milch und Tee. „Ich kann keine Freunde zu mir einladen, da wir keinen Platz“, sagt der elfjährige Diego, der für sein Leben gerne Fußball spielt. Derzeit kann er nur im Wohnungsflur ein bisschen Sport treiben.

Video: Schuler, Andreas

Auf der großzügigen Grünfläche vor dem Mehrfamilienhaus darf er nicht kicken – Hausordnung und eine sehr direktes Verbotsschild weisen darauf hin. Herumtollen ist erlaubt, doch sobald ein Ball ins Spiel kommt, fällt die Schranke – auch aus Befürchtung, dass Scheiben zu Bruch gehen könnten. Aber immerhin: „Der nächste Bolzplatz ist ja nicht weit weg.“

Klare Ansage im Hausflur.
Klare Ansage im Hausflur. | Bild: Schuler, Andreas

Wenn die dreizehnjährige Deborah via Internet Fernunterricht hat oder mit Freundinnen lernen möchte, ist der hohe Lärmpegel in der Wohnung nicht gerade dienlich. Aufgrund des fehlenden Platzes gibt es keine Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen.

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Wenn Deborah übers Internet im Fernunterricht lernen möchte, kann das schwierig werden.
Wenn Deborah übers Internet im Fernunterricht lernen möchte, kann das schwierig werden. | Bild: Schuler, Andreas

Für Mutter Debora ist die Situation mit den vier Kindern trotzdem nicht gerade einfach. Mal eben kurz rausgehen und toben ist fast unmöglich angesichts der vielen Treppenstufen bis ins Erdgeschoss.

Ali Spagnolo.
Ali Spagnolo. | Bild: privat

Am liebsten wäre der Familie daher eine ebenerdige Fünf-Zimmer-Wohnung. „Wir sind mit den Nerven am Ende. Die Wohnsituation ist nicht mehr auszuhalten“, sagt Ali Spagnolo. „Zwischenzeitlich gibt es bei uns allen auch gesundheitliche Probleme durch die ganze stressige Situation.“

Mutter Debora hat die Wohnung liebevoll eingerichtet – und trotzdem möchte die Familie lieber heute als morgen in eine größere Wohnung ziehen.
Mutter Debora hat die Wohnung liebevoll eingerichtet – und trotzdem möchte die Familie lieber heute als morgen in eine größere Wohnung ziehen. | Bild: Schuler, Andreas

Die Wobak würde gerne sämtliche Wünsche erfüllen – doch das ist unmöglich, was auch der aktuellen Situation geschuldet ist: „Aufgrund der Ungewissheit mit Corona ist die Anzahl der Kündigungen stark zurückgegangen“, so ein Sprecher. „Viele Mieter sind vorsichtig und möchten sich aufs Erste nicht verändern, da sie nicht wissen, wie es weitergeht.“

Außerdem würde es immer wieder Mieter geben, die größere Wohnungen ablehnen – obwohl sie zuvor danach gefragt hätten. „Wenn dann mehrere Wohnungen abgelehnt werden, weil nicht alles perfekt passt, dann können wir auch nichts mehr machen, sondern lediglich auf den freien Markt verweisen.“

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Familie Spagnolo ist nach eigener Aussage zu Eingeständnissen bereit. „Für unsere Kinder ist diese beengte Situation auf Dauer nicht gut“, sagt Mutter Debora. „Von daher hoffen wir weiterhin auf Unterstützung durch die Wobak.“

Nach der Vermietung des Wobak-Neubaus Am Pfeiferhölzle mit 84 Wohnungen stehen als nächstes die Projekte in der Gottfried-Keller-Straße mit 27 Wohnungen und in der Wollmatinger Straße mit 20 Wohnungen an. Wer weiß: Vielleicht findet sich hier eine passende Lösung für die sechsköpfige Familie. Den Kindern wäre sehr geholfen.

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