Lars Breimaier schenkt kein Bier mehr aus, er schreibt jetzt Briefe. Anfang April hat er geschrieben, jetzt nochmals am 30. April. Er schreibt an den OB, an Winfried Kretschmann, an Nese Erikli.

Es geht um Lars Breimaiers Existenz. Der Gastronom betreibt das „Schweizer Eck“ am Döbeleplatz. Er würde lieber Bier ausschenken und seine Gäste begrüßen. Aber das Schweizer Eck ist seit Beginn der Corona-Maßnahmen zu und es ist unklar, wann es wieder öffnen kann.

Landesverordnung zur Wiedereröffnung

Doch zunächst die guten Nachrichten: Speisegaststätten können laut Landesverordnung am 18. Mai wieder Gäste bedienen, sofern sie die Hygienemaßnahmen einhalten. Ein Konzept wird derzeit von der Stadt erarbeitet.

Was machen Kneipen, die keine Speisen anbieten?

Für Breimaier bedeutet dies aber noch keine Erleichterung. Er betreibt eine Gaststätte, in der keine Speisen angeboten werden. Die Pläne für die Wiedereröffnung gelten bislang nur für Speisegaststätten.

Sabrina und Lars Breimeier vor ihre Gaststätte Schweizer Eck. Sie sind enttäuscht von der Unterstützung durch Staat und Stadt. Dennoch arbeiten sie jetzt unter Hochdruck an einem Konzept zur Wiedereröffnung.
Sabrina und Lars Breimeier vor ihre Gaststätte Schweizer Eck. Sie sind enttäuscht von der Unterstützung durch Staat und Stadt. Dennoch arbeiten sie jetzt unter Hochdruck an einem Konzept zur Wiedereröffnung. | Bild: Wagner, Claudia

Breimaier hat in seinen Briefen klar formuliert, dass seine Lage prekär ist. Dass die Aufnahme eines Kredits ihn zwar jetzt wirtschaftlich überleben lässt, ihm später aber große Probleme bereiten werde. Dass er gern an den Satz der Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut glauben würde, die formulierte: „Wir lassen unsere Unternehmen nicht im Stich.“

Manche antworten – andere lassen auf Antwort warten

Einige Antworten auf seine Briefe hat Breimaier bekommen: Vom Team Bürgeranfragen der Landesregierung sei ein Brief gekommen, in dem nochmals der Sinn der Corona-Verordnung erläutert wurde. Die Landtagsabgeordnete Nese Erikli (Grüne) äußert in ihrer Antwort Verständnis für Breimaiers Lage. Sie schreibt auch, dass der Gesundheitsschutz Priorität habe. Aber auch. dass Ministerpräsident Kretschmann ein Konjunkturprogramm für Gastronomiebetriebe angekündigt habe.

Von Oberbürgermeister Uli Burchardt kam noch keine Antwort, Pressesprecherin Anja Fuchs schreibt aber, dass eine Antwort auf Breimaiers Schreiben unterwegs sei.

Breimaier fühlt sich dennoch alleingelassen. Vor allem vor Ort wünscht er sich größere Unterstützung, ein Signal, das klarmache, dass der Stadtverwaltung die schwierige Lage der Gastronomie bewusst ist. Auch ein Entgegenkommen, dass die Stadt beispielsweise großzügig bei der Bemessung der Flächen der Außengastronomie vorgehe.

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„Wir leben vom Sommer“

Lars Breimaier ist nicht der einzige Gastronom, den die Corona-Krise hart trifft. Etliche Restaurant- und Bistrobetreiber haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Tino Schumann betreibt das Restaurant am Hörnle und den Adler in Allmannsdorf. Zumindest am Hörnle kann er inzwischen wieder Speisen zum Mitnehmen anbieten. „Uns fehlt der April und Ostern, keine Frage. Aber es kommen jetzt immerhin wieder Umsätze rein. Wir leben vom Sommer, daher bin ich einigermaßen optimistisch“, sagt Tino Schumann.

Anders sehe es beim Adler aus: „Wir haben im Dezember erst aufgemacht und hatten einen guten Start“, sagt Schumann. Er freue sich darauf, dass dort demnächst wieder eine Bewirtung in kleinem Rahmen stattfinden könne. „Aber finanziell geht es uns schlecht.“ Er und seine Frau hätten Verbindlichkeiten – die Pacht. laufende Kosten, und die nicht lang zurückliegenden Investitionen in das Gasthaus Adler. Die staatlichen Hilfen habe er beantragt.

Keine Klage über die Stadtverwaltung

Dennoch: Über den Umgang der Stadtverwaltung mit den Gastronomen in der Krise will er nicht klagen. Er habe im April angefragt wegen der Eröffnung eines Abholservices am Hörnle – und Bescheid bekommen, er solle sich am 19. April wieder melden. „Das habe ich getan und das hat dann funktioniert. Ich glaube, sie regeln das alles ganz in Ordnung.“ Er wolle wirklich nicht klagen.

Froh um den Abhol-Service

Markus Hensler, Inhaber des Restaurants Wallgut im Paradies, hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie Schumann. Von Anfang an konnten er und seine Frau einen Abholservice anbieten, das unterscheidet die Lage von jener, in der Lars Breimaier steckt. „Wir haben den Stammkunden damit signalisiert, dass wir da sind und, dass uns der Kontakt wichtig ist“, sagt Markus Hensler. Besonders hoch sei der Umsatz nicht. „Aber wir sind froh, diese Möglichkeit zu haben.“

Im Moment gebe es viele offene Fragen – so sei es für ihn schwer abzuschätzen, wie viel Personal er brauchen werde. Oder auch, wie viele Tische er im Außenbereich ab 18. Mai nutzen dürfe. „Im Moment habe ich die Befürchtung, dass wir nicht viel mehr Personal brauchen werden und meine Frau und ich das selbst bewältigen können.“

Bild: Wagner, Claudia

Keine Kritik an der Stadtverwaltung

Ähnlich wie Schumann hält Hensler im Moment nicht viel von übermäßiger Kritik an den Behörden. „Der Oberbürgermeister hatte einen Krisenstab, der viel Ruhe in die Sache brachte. Über den OB zu schimpfen, ist jetzt die falsche Adresse“, sagt er. Er räumt aber ein, dass er viel Unterstützung von seinem Verpächter und von Lieferanten bekommen habe, der Zusammenhalt habe funktioniert. Letztlich sei manches auch in der eigenen Verantwortung. Wer Unternehmer sei, müsse Rücklagen bilden und auf diese zurückgreifen in der Not.

Breimaier kämpft um seine kleine Kneipe

Zurück zu Lars Breimaier. Bei aller Kritik an der Politik: Seine Zukunft will der Gastronom jetzt so gut es geht selbst in die Hand nehmen. Die Soforthilfe der Bundesregierung sei inzwischen auf seinem Konto angekommen, das habe ihn sehr erleichtert. Außerdem habe er sich bei der Industrie- und Handelskammer beraten lassen. Er habe bei der Stadt einen Antrag auf Öffnung der Außentische gestellt – obwohl er keine Speisegaststätte betreibe. Sollte sein Antrag abgelehnt werden, glaubt er, vor Gericht gute Chancen zu haben. Immerhin müsse die Stadt die Gastronomen gleich behandeln. Doch so weit ist es noch nicht.

Im Moment arbeitet Breimaier ein Konzept aus, das es ermöglichen soll, unter Einhaltung der Hygienebestimmungen Gäste in seiner Kneipe zu bewirten – in den Innenräumen und draußen. Wenn das alles klappt, ist sich der Gastronom sicher, dass er mit seinem Betrieb doch noch eine Chance auf Überleben hat. Und dann – dann würde Lars Breimaier auch gern mal wieder ein Bier ausschenken.

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