Im Jahre 70 nach Christus wurde der Jerusalemer Tempel zerstört. Anlässlich dazu, fand diese Woche der Gedenktag statt. Auch in Konstanz wurde 1938 die Synagoge zerstört – durch Brandstiftung und Sprengstoff.

Fast alle Konstanzer jüdischen Glaubens verschwanden während des NS-Regimes aus ihrer Heimatstadt – einige flohen, viele wurden verhaftet, deportiert und starben in Konzentrationslagern. Nur wenige kehrten zurück. Heute umfasst die Konstanzer Gemeinde mehr als 300 Mitglieder. Anlässlich des Gedenktags zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels kamen einige in der 2019 eröffneten Konstanzer Synagoge zusammen.

Benjamin Nissenbaum, Vorsitzender der Synagogengemeinde Konstanz findet: „Das Judentum muss besser etabliert werden“.
Benjamin Nissenbaum, Vorsitzender der Synagogengemeinde Konstanz findet: „Das Judentum muss besser etabliert werden“. | Bild: Priscilla Ogundipe

„Wir waren schon immer eine Minderheit, egal wo wir waren“, sagte Benjamin Nissenbaum, Vorsitzender der Synagogengemeinde Konstanz. „Das ist sehr schlimm und wir sollten uns immer daran erinnern. Aber man muss auch in die Zukunft schauen und da ist eins klar: Das Judentum muss besser etabliert werden“, so Nissenbaum.

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Benjamin Strasser, FDP-Bundestagsabgeordneter und religionspolitischer Sprecher, war gemeinsam mit Ann-Veruschka Jurisch, FDP-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Konstanz, zu Besuch in der Synagogengemeinde Konstanz. Die FDP-Politiker haben mit Benjamin Nissenbaum und Avraham Yitzchack Radbil, Gemeinderabbiner der Synagogengemeinde, darüber gesprochen, was gegen Antisemitismus getan werden könne.

Benjamin Strasser, Bundestagsabgeordneter (links), Avraham Yitzchack Radbil, Rabbiner der Synagogengemeinde Konstanz (Mitte), und Ann-Veruschka Jurisch, Bundestagskandidatin (rechts), stehen vor dem Toraschrein in der Synagoge in Konstanz.
Benjamin Strasser, Bundestagsabgeordneter (links), Avraham Yitzchack Radbil, Rabbiner der Synagogengemeinde Konstanz (Mitte), und Ann-Veruschka Jurisch, Bundestagskandidatin (rechts), stehen vor dem Toraschrein in der Synagoge in Konstanz. | Bild: Priscilla Ogundipe

Seit dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle im Jahr 2019, mussten auch in Konstanz die Sicherheitsmaßnahmen in der Synagoge verstärkt werden, erklärte der Vorsitzende der Synagogengemeinde. Laut Nissenbaum sei Konstanz zwar kein Brennpunkt, was Antisemitismus angeht, trotzdem seien Kameras installiert und Securitys engagiert worden, um die Sicherheit zu gewährleiten und die Mitglieder zu beruhigen.

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Nissenbaum glaubt, das Problem liege darin, dass das Judentum in Deutschland nicht sichtbar genug ist: „Alles was man nicht kennt, ist gefährlich. Da ist es einfach, antisemitisch zu sein.“ Er wünscht sich, dass die Politik das Judentum wahrnimmt und mit einbezieht, beispielsweise durch Akzeptierung der jüdischen Feiertage oder Ansprachen im Fernsehen, „so wie zu Weihnachten oder Ramadan“, sagte er.

Rabbiner Radbil findet das Judentum sollte schon in der Schule intensiver behandelt werden, um mehr Bewusstsein zu schaffen. „Es sollte schon mehr sein, als ein Ausflug zum Bodensee mit einem kleinen Abstecher in die Synagoge“.

Rabbiner Avraham Yitzchack Radbil mit einer Torarolle. Sie ist die heilige Schrift der jüdischen Religion und Teil der hebräischen Bibel.
Rabbiner Avraham Yitzchack Radbil mit einer Torarolle. Sie ist die heilige Schrift der jüdischen Religion und Teil der hebräischen Bibel. | Bild: Priscilla Ogundipe