Als Werner Husemann den picke-packe vollen Kofferraum sieht, wirkt er wie ein Kind bei der Bescherung an Heiligabend. „So viele Sachen“, flüstert er vor sich hin.

„Diesen Schlafsack kann ich gebrauchen. Und diese Schuhe. Und ja, Pullover auch. Hosen sind gut. Und zwei Taschen. Und einen Rucksack.“

Werner Husemann suchte sich die Dinge aus, die er benötigt.
Werner Husemann suchte sich die Dinge aus, die er benötigt. | Bild: Schuler, Andreas

Er kämpft sich durch den Berg an Spenden, die zahlreiche Menschen am Sonntagvormittag zum Waldfriedhof Litzelstetten gebracht haben. Ausgelöst wurde die Aktion von einem SÜDKURIER-Artikel im Laufe der vergangenen Woche.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Menschen nehmen Anteil am Schicksal des bekannten und beliebten Obdachlosen, der seit vielen Jahren zwischen den Ortschaften auf dem Bodanrück hin und her spaziert.

Zwei Paar Schuhe nahm er dankbar an.
Zwei Paar Schuhe nahm er dankbar an. | Bild: Schuler, Andreas

Vor einigen Tagen war Werner Husemann in einen Unfall verwickelt. Ein Autofahrer sah in der Dunkelheit den Fahrradanhänger des Mannes auf der Straße zwischen Dettingen und Wollmatingen zu spät.

Husemann saß glücklicherweise auf dem Weg neben der Straße im Schnee – viele seiner Sachen jedoch wurden zerstört und unbrauchbar.

Eine Gruppe nach der anderen hinterließ am vergangenen Sonntag in einem offenen Kofferraum allerlei Dinge des täglichen Bedarfs für den Obdachlosen.

Heike Großmann kam aus Radolfzell, um Sachspenden abzugeben. „Ich kenne Herrn Husemann als Radolfzellerin zwar nicht persönlich, habe aber schon viel über ihn im SÜDKURIER gelesen. Diese direkte Hilfe ist ganz toll.“
Heike Großmann kam aus Radolfzell, um Sachspenden abzugeben. „Ich kenne Herrn Husemann als Radolfzellerin zwar nicht persönlich, habe aber schon viel über ihn im SÜDKURIER gelesen. Diese direkte Hilfe ist ganz toll.“ | Bild: Schuler, Andreas

„Ich sehe ihn oft mit seinen Taschen und Rucksäcken“, sagt Silke Velte, die mit ihrem Mann Hartmut Sachspenden vorbei brachte. „Er hatte echt Glück in diesem Moment, dass er nicht auf der Straße war.“

Silke Velte aus Litzelstetten.
Silke Velte aus Litzelstetten. | Bild: Schuler, Andreas

„Er hat ja fast alles verloren“, so Tatjana Grieshaben-Knoll. „Ich finde diese Aktion richtig gut. Direkte Hilfe ist sehr sinnvoll.“

Tatjana Grieshaben Knoll. „Ich hoffe, er oder ein anderer Obdachloser können etwas mit dieser warmen Decke anfangen.“
Tatjana Grieshaben Knoll. „Ich hoffe, er oder ein anderer Obdachloser können etwas mit dieser warmen Decke anfangen.“ | Bild: Schuler, Andreas

Für Anja Finkenbeiner aus Dettingen „gehört der Werner einfach zu uns. Er ist eine Institution auf dem Bodanrück. Gut, dass ihm bei dem Unfall nichts passiert ist“.

Anja Finkenbeiner aus Dettingen. „Die Oma hat eine Tasche für ihn gerichtet, die ich dann gebracht habe.“
Anja Finkenbeiner aus Dettingen. „Die Oma hat eine Tasche für ihn gerichtet, die ich dann gebracht habe.“ | Bild: Schuler, Andreas

Bärbel und Thorsten Jakubzig sind extra aus Langenargen angereist. „Wir haben auf suedkurier.de davon gelesen und wollten unbedingt helfen“, sagen sie.

Bärbel und Thorsten Jakubzig kamen extra aus Langenargen. „Wir verbinden das mit einem Sonntagsausflug.“
Bärbel und Thorsten Jakubzig kamen extra aus Langenargen. „Wir verbinden das mit einem Sonntagsausflug.“ | Bild: Schuler, Andreas

Thorsten Jakubzig arbeitet im Krankenhaus Ravensburg als Medizintechniker, er ist für Beatmungsgeräte zuständig. „Ich sehe jeden Tag so viel Leid“, erzählt er. „Wir sind alle aufeinander angewiesen. Solche Hilfe ist selbstverständlich.“

Seine Frau hat auch noch Muffins gebacken für Werner Husemann. „Vielleicht freut er sich darüber.“ Das tat er. Sehr sogar.

Bärbel Jakubzig backte Muffins für Werner Husemann.
Bärbel Jakubzig backte Muffins für Werner Husemann. | Bild: Schuler, Andreas

Der Obdachlose verweilte an seinem Schlafplatz im Eingangsbereich der Kapelle und kam später zum Auto, um sich die Sachen, die er nun benötigt, auszusuchen. Das, was übrig blieb, kommt anderen Obdachlosen in Konstanz zugute.

Kofferraum und Rückbank waren voll mit Sachspenden.
Kofferraum und Rückbank waren voll mit Sachspenden. | Bild: Schuler, Andreas

„Wir sollten viel öfter an diese Menschen denken und ihnen helfen“, so Ellen Ehinger. „Viele sind zwar aus eigenem Antrieb auf der Straße. Aber über ein wenig Hilfe freuen sie sich trotzdem. Toll, dass der SÜDKURIER sich da so engagiert.“

Ellen Ehinger aus Litzelstetten: „Wir alle haben doch Dinge im Keller, die wir nicht mehr brauchen. Die spenden wir gerne, wenn sie benötigt werden.“
Ellen Ehinger aus Litzelstetten: „Wir alle haben doch Dinge im Keller, die wir nicht mehr brauchen. Die spenden wir gerne, wenn sie benötigt werden.“ | Bild: Schuler, Andreas
Theresa Romer und Wolfgang Müller haben unter anderem eine Thermohose gebracht.
Theresa Romer und Wolfgang Müller haben unter anderem eine Thermohose gebracht. | Bild: Schuler, Andreas

Ursula Renz und Reinhard Heinl brachten ebenfalls Pullover, Rucksäcke und Hosen. „Werners Unfall war auch ein Hinweis auf die katastrophale Räumsituation“, sagt Ursula Renz.

Ursula Renz und Reinhard Heinl. Beide wohnen in Litzelstetten und haben ihre Spendenübergabe mit einem kleinen Spaziergang verbunden.
Ursula Renz und Reinhard Heinl. Beide wohnen in Litzelstetten und haben ihre Spendenübergabe mit einem kleinen Spaziergang verbunden. | Bild: Schuler, Andreas

„Er kann sein Wägelchen ja nicht durch den Schnee schieben. Zum Glück ist ihm nichts passiert.“ Reinhard Heinl stimmt ihr zu. „Teilweise mussten die Menschen über Schneeberge auf den Gehwegen laufen.“

Edith und Günther Hespeler aus Allensbach wurden im Keller fündig. „Gut, dass die Sachen jemandem helfen.“
Edith und Günther Hespeler aus Allensbach wurden im Keller fündig. „Gut, dass die Sachen jemandem helfen.“ | Bild: Schuler, Andreas
Kalr-Heinz Sprenger kommt aus Singen-Hausen. „Meine Frau hat auf suedkurier.de von der Aktion gelesen. Dann haben wir ein paar Sachen gepackt und ich bin hierher gefahren. Klasse, dass der SÜDKURIER da mithilft.“
Kalr-Heinz Sprenger kommt aus Singen-Hausen. „Meine Frau hat auf suedkurier.de von der Aktion gelesen. Dann haben wir ein paar Sachen gepackt und ich bin hierher gefahren. Klasse, dass der SÜDKURIER da mithilft.“ | Bild: Schuler, Andreas

Simon Thale aus Niedersachsen studiert in Konstanz Politik. Er verständigte damals am Abend des Unfalls die Polizei. „Auf suedkurier.de haben wir erfahren, dass ihm nichts passiert ist. Gott sei Dank“, sagt er.

Student Simon Thale stammt aus Niedersachsen. Auch er wollte helfen.
Student Simon Thale stammt aus Niedersachsen. Auch er wollte helfen. | Bild: Schuler, Andreas

„Wir haben von dieser Aktion gehört und gesucht, was wir für ihn haben.“ Zusammen mit seiner Schwester Hanna, die derzeit auf Besuch ist, hat er eine Decke, einen Schlafsack sowie Handschuhe gebracht.

Zufrieden ging Werner Husemann zurück zu seinem Schlafplatz.
Zufrieden ging Werner Husemann zurück zu seinem Schlafplatz. | Bild: Schuler, Andreas

Mit zwei voll gepackten Taschen geht Werner Husemann später zurück zu seinem Schlafplatz bei der Kapelle. „Vielen Dank. Das ist sehr nett. Danke sehr“, sagt er noch.

Ein letzter Blick zurück und dann das Versprechen: „Ich werde in Zukunft besser aufpassen.“ Das werden viele Menschen gerne hören.

Zurück zum Schlafplatz: Werner Husemann nach der Aktion.
Zurück zum Schlafplatz: Werner Husemann nach der Aktion. | Bild: Schuler, Andreas
Das könnte Sie auch interessieren