Nach dem schweren Unwetter vom Samstag wird das Ausmaß der Schäden nur langsam deutlich. In einer ersten vorläufigen Zwischenbilanz zeigt sich, dass vor allem die östlichen Stadtteile wie Petershausen und Allmannsdorf besonders betroffen waren. Das bestätigte Christopher Kutschker, der Pressesprecher der Feuerwehr. Am frühen Sonntagmorgen bezifferte er die Zahl der Einsätze auf über 130, die meisten konnten im Laufe der Nacht noch abgeschlossen werden.
Bild: Andreas Schuler

Besonders schwer war das Klinikum Konstanz betroffen. Wie Kutschker sagte, waren alle Aufzugschächte des Hauses mit Wasser vollgelaufen, die Fahrstühle mussten deshalb komplett stillgelegt werden. Sondereinheiten der Rettungsdienste mussten den internen Krankentransport über Treppenhäuser übernehmen. Am Sonntagmittag war noch nicht klar, wann der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Personen kamen nach einer ersten Einschätzung der Lage nicht zu Schaden.

Video von der überschwemmten Unterführung am Sternenplatz

 

In Mitleidenschaft gezogen wurde auch die Universität Konstanz. Wegen ihrer Lage im Zentrum des Unwetters und durch ihre große flächenhafte Ausdehnung sei es dort zu mehreren Wassereinbrüchen gekommen, sagte Kutschker. Auch hier war die Feuerwehr mit zahlreichen Kräften gefordert. Bereits kurz, nachdem heftiger Regen und Hagel angefangen hatte über der Stadt niederzugehen, löste die Feuerwehr einen Vollalarm aus. Ein Einsatz standen alle verfügbaren Hauptamtlichen und alle freiwilligen Kräfte. Bis in die Nach hinein war in vielen Teilen des Stadtgebiets Martinshorn zu hören.

Mehrere Bäume wurden entwurzelt, vor allem im Petershausen und in Allmannsdorf. Am Tannenhof fiel eine riesige Birke um und kam zum Glück nicht auf der Hermann-von-Vicari-Straße, sondern auf einer Grünfläche vor der Maria-Hilf-Kirche zu liegen. An der Ecke Mainaustraße / Säntisstraße fiel ein Baum auf die Straße und verfehlte ein Auto nur knapp, die Insassen konnten sich selbst ins Freie retten. Auch am Zähringerplatz war die Feuerwehr im Einsatz. Dort fiel vor dem früheren Blumenhaus Fehrenbach eine Platane auf die Jahnstraße.

Bild: Andreas Schuler

Als das Unwetter gegen 16.30 Uhr über der Stadt hereinbrach, waren viele Konstanzer noch in den Freibädern. Am Hörnle flüchteten innerhalb kurzer Zeit viele hunderte Gäste an geschützte Orte. Im Rheinstrandbad half das Personal den Gästen, sich in Sicherheit zu bringen. Christine Finke, Stadträtin des Jungen Forums, war selbst vor Ort. Über den Kurznachrichtendienst Twitter bedankte sie sich: „Lob und Liebe für die Mitarbeiter des Rheinstrandbads. Sehr besonnen und um die Gäste besorgt bei dem Mega-Wolkenbruch“, schrieb sie.

Pech auch auf der Mainau: Fast alle Jahre wieder muss ein Open-Air-Konzert im Schlossgarten wegen nächtlichen Gewitters abgebrochen werden. An diesem Samstag aber kam es schlimmer: Bereits um 19 Uhr goss es wie aus Kübeln, und das als "wettersicher" angekündigte Zeltdach im Verein mit den offenen Seiten ließ ein trockenes Sitzen auf den etwa tausend Stühlen nicht mehr zu. Dennoch hoffte die Südwestdeutsche Philharmonie das Konzert nach erfolgter Generalprobe mit etwas verspätetem Beginn zu retten. Zahlreiche Konzertbesucher durften sogar im Verwaltungsbau der Mainau trocken unterstehen und warten. Umsonst: Das anhaltende Unwetter machte die Hoffnung auf das Konzert zunichte. Besonders für den eigens aus Brünn angereisten Tschechischen Philharmonischen Chor ist das sehr traurig, denn das Konzert lässt sich nicht nachholen. Den Besuchern bleibt wohl nur die Rückerstattung der Eintrittskarten.

Die Polizei meldete eine hohe Zahl witterungsbedingter Einsätze im Kreis Konstanz, aber auch im Bodenseekreis. Eine genauer Bilanz von Einsätzen und Schäden lag zunächst nicht vor.

Heftiges Unwetter sorgt am Samstagnachmittag für umgestürzte Bäume und geflutete Straßen

Gegen 16 Uhr am Samstag schien in Konstanz und Umgebung die Welt unterzugehen: Plötzlich verdunkelte sich der Himmel, Blitze zuckten, Donner grollte – und monsunartige Regenfälle fluteten die Straßen. Der Verkehr kam zum Erliegen, fluchtartig verließen die Menschen die Strandbäder und die Innenstadt. Straßencafes waren in wenigen Sekunden geleert.
Auf der Mainaustraße auf Höhe Tannenhof sowie im Industriegebiet in der Oberlohnstraße staute sich das Wasser knietief. Die Feuerwehr war vor Ort und befreite Auto sowie Straßen von den Bäumen. Der Straßenverkehr kam teilweise zum Erliegen. Gegen Abend ließ der starke Regen etwas nach, das Unwetter zog weiter Richtung Norden.

Die Feuerwehr Konstanz sprach am Abend von mehr als 70 Einsätzen, die fast gleichzeitig abzuarbeiten waren. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Einsatzkräfte, so die Feuerwehr weiter. Über das Ausmaß des Schadens gab es zunächst keine Schätzungen.

In zwei Wellen waren auch Hagelstürme über die Stadt gezogen. Die Körner erreichten aber nicht die Größe früherer Ereignisse. In Petershausen blieb es bei Durchmessern von etwa einem Zentimeter. Bis nach 22 Uhr waren an vielen Stellen der Stadt Martinshörner zu hören. Auch die Wassermassen, die während des zweistündigen Starkregens gefallen waren, flossen an einigen Orten nur sehr zögerlich ab.

Video vom Unwetter in Konstanz:
 

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